Interview mit Autorin Tara Haigh

Nachdem Tessa Hennig ihre Leser mit mehreren Komödien immer wieder bestens zu unterhalten wusste, hat sie sich in diesem Sommer dazu entschieden, unter dem Pseudonym »Tara Haigh« auf Südseereise zu gehen und ihre Leserschaft durch ihren Roman »Weit hinterm Horizont« nach Hawaii zu entführen. Im Interview mit der Leipziger Literaturplattform www.leserkanone.de sprach Tara Haigh über ihr neues Werk, die Gründe für die literarische Weltreise und das Schreiben in einem neuen Genre.

– Frau Haigh, vermutlich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von Ihrem neuen Roman genommen. Könnten Sie unseren Lesern »Weit hinterm Horizont« kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Der Roman erzählt die Geschichte einer jungen Deutschen Ende des 19. Jahrhunderts, die ihre Träume in der Heimat nicht leben kann und daher ihr Glück »weit hinterm Horizont« sucht, sprich bei ihrem Onkel, der auf Hawaii eine Zuckerrohrplantage betreibt. Clara ist einen willensstarke Frau, die gegen alle Widerstände ihren Weg geht. Dabei gerät sie als Nichte eines Königstreuen schnell zwischen die Fronten eines schwelenden politischen Konflikts. Das Inselkönigreich soll seine Unabhängigkeit verlieren. Mit Hilfe eines Einheimischen, aber auch erster Allianzen gelingt es, die Plantage zu neuer Blüte zu führen, doch die frischgebackene »Zuckerrohrbaronin" ist vielen ein Dorn im Auge und dann beginnt der Kampf um ihre Existenz aber auch um ihr Leben. Clara nimmt uns mit auf eine Reise in ein spannendes Zeitalter der Erfindungen, des technischen Fortschritts, aber auch des Einflusses der Deutschen auf Hawaii - ein Abschnitt deutscher Geschichte, der schillernder und faszinierender nicht sein könnte. Wer weiß schon, dass Hawaii einen deutschen Finanzminister hatte, dass Deutsche auf Zuckerrohrfeldern arbeiteten oder es dort sogar eine deutsche Stadt gab?

– Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder, oder haben Sie Ihren eigenen Stil auf andere Weise gefunden? Was sind Ihre eigenen Lieblingsbücher?

Obwohl es mir primär darum ging die Geschichte der Deutschen auf Hawaii zu erzählen ist der Roman dem Genre »Love & Landscape« zuzuordnen und reiht sich aufgrund des Formats ein in Romane von Barbara Wood, Sarah Lark, Juliet Hall, Anna Paredes oder Sara Forster. Auch Leserinnen von Teresa Simon, Nora Roberts oder Lucinda Riley kommen sicher auf ihre Kosten. Stilistisch inspiriert, auch um mich in das Genre einzuarbeiten, hat mich insbesodere »Das Leuchten des Fieberbaums« von Jennifer McVeigh. Ich liebe Jane Austen und sämtliche James Ivory-Verfilmungen. Insofern fällt es dann leichter, sich in die damalige Zeit einzudenken. Meine Lieblingsromane sind deutsche Klassiker von Lessing bis Grass. Für Stephen King, Clive Barker und Anne Rice kann ich mich begeistern.

– Sie veröffentlichten unter dem Namen »Tessa Hennig« bereits eine Reihe von erfolgreichen Büchern, die allesamt als Komödien eingeordnet werden können. Was hat Sie dazu gebracht, es dieses Mal in einer ganz anderen Schublade zu probieren? Was sind die größten Unterschiede bei der schriftstellerischen Herangehensweise an einen spaßigen Tessa-Hennig-Roman und an ein Werk wie »Weit hinterm Horizont«?

Auf die Geschichte der Deutschen auf Hawaii stieß ich bereits vor vielen Jahren - auf meiner Hochzeitsreise. Es ist daher ein Herzensprojekt, das sich erst verwirklichen ließ, nachdem ich mit den Komödien den Nachweis lieferte, dass ich »schreiben kann«. Die Wahl der »neuen Schublade« ergab sich ganz automatisch. Will man mit Historischem eine große Leserschaft erreichen, geht das nur »unterhaltsam«. »Love & Landscape« bot sich aufgrund des Schauplatzes förmlich an. Der Hauptunterschied zwischen »Hennig« und »Haigh" liegt naheliegenderweise im Rechercheaufwand für Details, die so wichtig sind, um Authentizität und historische Stimmigkeit zu erreichen, aber auch, um die damalige Welt in der Handlung lebendig werden zu lassen.

– Wie kam es dazu, dass Sie sich für Hawaii als Schauplatz entschieden haben? Ist einfach nur die malerische Landschaft der Grund, oder steckt womöglich mehr dahinter? Was verbindet Sie selbst mit Hawaii?

Mich verbinden lediglich die Flitterwochen mit Hawaii und die Begegnung mit dem Buch »Hawaii und die deutschsprachigen Völker« von Nikolaus R. Schweizer, der Geschichte in Honolulu lehrt. Die historische Verbindung zwischen Hawaii und Deutschland hat mich in den Bann geschlagen und weil so gut wie niemand davon weiß, hielt ich sie für erzählenswert.

– Aus außenstehender Sicht klingt es gewagt, einen historischen deutsch-hawaiianischen Liebesroman zu schreiben, da man vermutlich nicht einfach in der nächsten Bibliothek nach Informationen suchen kann. Hat sich die Suche nach Material, um sich ein gutes Bild von der Zeit und den Zuständen zu machen, schwierig gestaltet? Welche Menge an Arbeit steckt generell in einem Roman wie »Weit hinterm Horizont«?

Niklaus R. Schweizers Werk war eine Steilvorlage und der zündende Funke. Die Suche nach Material war nicht einfach. »Mr. Google« hat mich aber auf die richtigen Spuren geführt, seien es Tagebücher, Passagierlisten, akademische Abhandlungen oder Reiseberichte. Dies alles galt es auszuwerten und sich zu fragen, welcher Zeitabschnitt am lohnendsten scheint. Die Wahl fiel auf die ereignisreiche Zeit kurz vor dem Sturz des Königshauses. Während des Schreibens stößt man immer wieder auf Kleinigkeiten, banale Dinge wie z. B. welche Uniform ein Postillion seinerzeit getragen hat oder wie viel Plantagenarbeiter seinerzeit verdienten. Stunden über Stunden hängt man mit dem »Teufel im Detail« fest, aber es macht Spaß.

– Hat die Arbeit an Ihrem Buch den Eindruck verändert, den Sie zuvor von Hawaii hatten?

Was Hawaii als paradiesischen Urlaubsort betrifft in keinster Weise allerdings hätte ich nie gedacht, wie vorzüglich sich die Geschichte Hawaiis als Paradigma für die Machenschaften der Industrienationen, für modernen Imperialismus und das Diktat von Habgier, eignet.

– Was können wir von der Autorin Tara Haigh und ihrem Alter Ego Tessa Hennig in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung?

Gegenwärtig schreibe ich am zweiten Teil der Hawaii-Saga. Ich springe dabei ins Jahr 1914 - der nächste Meilenstein »deutscher Geschichte auf Hawaii«. Er beschreibt das Phänomen, wie aus Freunden plötzlich Feinde werden können. Dabei greife ich einen historisch einmaligen und spannenden Vorfall auf, der meines Wissens nach noch nie belletristisch bearbeitet wurde. Wie jedes Jahr erscheint im April die neue Hennig-Komödie. »Mit Oma in Roma« beschäftigt sich diesmal mit dem »Ruhestand«, der kein »Stillstand« sein muss und erzählt auf hoffentlich witzig-unterhaltsame Weise, dass Zeit viel zu wertvoll ist, um sie sich zu »vertreiben«. Ein Thriller ist ebenfalls in Planung. Die Mischung aus Komödie, Historischem und Thrill würde mir sehr gut gefallen.
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