Interview mit Autorin Sarah Nisse

Sarah Nisse
Sarah Nisse lädt ihre Leser in ihrem Debütroman »Dunkelherz« seit dem Frühjahr dazu ein, sie in eine ganz besondere Parallelwelt zu begleiten: ins menschliche Herz. Im Interview mit der Leipziger Literaturplattform www.leserkanone.de sprach die Autorin über ihr Buch, seine Entstehungsgeschichte und darüber, wie in ihrer Parallelwelt die Gefühle aussähen, die sie während des Schreibens empfand.

– Frau Nisse, vermutlich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von Ihrem Debütroman genommen. Könnten Sie unseren Lesern »Dunkelherz« kurz mit eigenen Worten vorstellen?

»Dunkelherz« ist ein Fantasyroman, der in einer ganz besonderen Parallelwelt spielt: im menschlichen Herzen. Dort lebten die Gefühle bisher in Eintracht, doch nun ist ein Konkurrenzkampf um Macht und Einfluss entbrannt. Die fünfzehnjährige, neugierige Ava, die stets nach Abenteuer hungert, macht sich auf, den verbotenen Neidwald zu bezwingen - und gerät damit ins Kreuzfeuer einer großen Verschwörung, die droht, das Herz und all die Gefühle zu zerstören. Es ist ein bunter und zugleich düsterer Roman, voll sinnlicher Erlebnisse, Abenteuer und ungewöhnlicher Protagonisten, nämlich personifizierten Gefühlen. Und ein klein wenig Romantik darf im Herzen natürlich auch nicht fehlen.

– Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder? Was sind Ihre eigenen Lieblingsromane?

Ich denke, »Dunkelherz« könnte Lesern gefallen, die generell gerne in magische und märchenhafte Parallelwelten abtauchen. Die es mögen, eine jugendliche Protagonistin bei ihrem Abenteuer und ihrer ersten Liebe zu begleiten. Ich selbst bin ein großer Fan von J. K. Rowling und Cornelia Funke und ich kann nicht leugnen, dass die zauberhaften Welten, die sie mit Harry Potter oder der Tinten-Trilogie erschaffen haben, mich sehr zu »Dunkelherz« inspiriert haben. Mir selbst fällt es schwer, einen Lieblingsroman festzulegen, aber »Die Bücherdiebin« von Markus Zusak landet auf jeden Fall ganz weit vorne. Obwohl »Das Mädchen mit den gläsernen Füßen« von Ali Shaw auch ganz zauberhaft ist. Ach, es gibt einfach zu viele! :-)

– Was hat Sie zu dem Entschluss gebracht, unter die Autorinnen zu gehen und ein Buch zu verfassen?

Der Wunsch zu schreiben und Geschichten zu erzählen kam bei mir erst während meines Studiums auf. Ich war schon immer eine richtige Leseratte und während ich den letzten Teil der »Harry Potter«-Reihe beendet habe, packte mich auf einmal das Bedürfnis, selbst solche fantastischen Geschichten zu finden und zu erzählen. Als ich einmal damit begonnen hatte, konnte ich gar nicht mehr aufhören. Es ist wie ein Rausch, Geschichten, Welten, Figuren und ihre Schicksale zu erfinden und sie durch das Niederschreiben zum Leben zu erwecken.

– In Ihrem Buch haben Sie Gefühlen ein Gesicht gegeben, und Sie haben sich nicht für eine beliebige Parallelwelt entschieden, sondern für das menschliche Herz. Selbst für einen Fantasyroman sind diese Einfälle sehr abstrakt. Wie haben Sie diese Ideen entwickelt, was waren Ihre Inspirationen? Wie lief der Entstehungsprozess Ihres Buchs generell ab?

Ich wusste, ich wollte eine Fantasygeschichte schreiben, die in einer Parallelwelt spielt. Die Idee, Gefühle zu den Protagonisten meines Romans zu machen, kam dann wie aus dem Nichts - ein spontaner Einfall, nachdem ich mir vorgestellt habe, wie grau und trostlos eine Welt ohne Gefühle wäre. Ich habe mir überlegt, wie die einzelnen Gefühle, Wut, Trauer, Neid oder Eifersucht, als personifizierte Wesen aussehen würden. Das war sehr inspirierend. Irgendwie war mir sofort klar, dass diese Gefühlswelt im menschlichen Herzen angesiedelt sein musste, dass jeder Mensch diese Welt der Gefühle in seinem Körper trägt. Während wir durch unseren Alltag gehen, gehen die Gefühle zur Arbeit, in die Schule, backen einen Kuchen, reisen mit der Eisenbahn durch die dunklen Wälder Hasslands oder erklimmen die roten Berge in Mutland. Der nächste Schritt war schließlich, das Herz, die Landschaft und die Städte auszugestalten. Die Grundidee meiner Handlung bestand darin, dass ein Mensch in dieser Parallelwelt auf seine eigenen Gefühle trifft - ein bisschen wie Alice im Wunderland. Obwohl ich vor dem Schreiben einen Handlungsplan und Figurencharakterisierungen erstellt hatte, hat sich die Geschichte während des Schreibens noch stark verändert. Ich habe das Herz und seine Bewohner quasi schreibend erkundet.

– Wie sähe in Ihrem Roman die Gefühle aus, die Sie beim Schreiben Ihrer Geschichte empfunden haben? Wie sähen die Gefühle aus, das Sie empfanden, als sich Ihr Buch erstmals verkauft hat?

Die Gefühle, die ich während des Schreibens empfunden habe - das wäre ein wahrlich kunterbunter Haufen! Ich stelle sie mir gerade vor, versammelt bei einem Kaffeekränzchen: Da wäre die lächelnde Frau Freude, die sich in ihrem pastellfarbenen Kleid zurücklehnt und die Sonnenstrahlen im Gesicht genießt. Die leidenschaftliche Liebe, die jedes Wort in Versform kleidet und ein sehnendes Seufzen von sich gibt. Der Zweifel, der an den Fingernägeln kaut und sein Stück Torte anstarrt, als könne es ihm eine Antwort geben. Die Wut, die schlecht geschlafen hat und die Kaffeetafel zerlegt. Und schließlich noch der Stolz, der eine Marzipanrose nach der anderen isst und nicht aufhört, den anderen Gästen zu erzählen, welch geniale Idee er gerade hatte. Als sich mein Buch das erste Mal verkauft hat, war ich vor allem euphorisch, ein knallbuntes, sonniges Gefühl. Viel intensiver war allerdings das Erlebnis der ersten Rezension: Wenn der eigene Roman von wildfremden Menschen gelesen und beurteilt wird - und er ihnen auch noch gefällt, das ist ein wirklich überwältigendes Gefühl.

– Männliche Fans von Fantasyromanen tun sich mit Büchern wie dem Ihrem naturgemäß etwas schwer und greifen lieber zum hundertsten Gemetzel zwischen Zwergen und Orks. Was würden Sie einem von ihnen sagen, um sie dazu zu bringen, ihren literarischen Horizont zu erweitern und Ihrem Buch eine Chance zu geben?

Ich glaube, wer zu einem Buch greift, möchte gut unterhalten werden. Und die Geschmäcker sind einfach verschieden. Wer nach opulenten Schlachten, den typischen High Fantasy-Gestalten und Erotik sucht, den wird »Dunkelherz« eher enttäuschen. Ich selbst mag Orks und Zwerge und ich liebe »Game of Thrones« oder »Der Herr der Ringe«. Bei »Dunkelherz« handelt es sich aber eher um Jugendfantasy. Wer Abenteuergeschichten, ausgefallene Parallelwelten und Emotionen mag, der kann seinen Spaß an »Dunkelherz« haben, auch als Mann ;-) Ich denke aber, das hat einfach nur mit persönlichem Geschmack zu tun und nicht mit einem »literarischen Horizont«.

– Was wünschen Sie sich vom deutschsprachigen Buchmarkt und von Ihrer Leserschaft im Speziellen? Haben Sie seit in den ersten Monaten seit der Veröffentlichung Ihres Buchs Eindrücke gesammelt oder gibt es Vorschläge und/oder Kritikpunkte, die Sie mit Ihren Lesern teilen oder Ihnen mitteilen möchten?

Meine Leserschaft macht mich eigentlich wunschlos glücklich. :-) Ich finde es vor allem toll, mich persönlich mit den Lesern auszutauschen, ein Feedback zu meinen Geschichten zu bekommen, sei es über meine Facebook-Autorenseite oder Plattformen wie LovelyBooks. Natürlich freut man sich als Autor immer über Rezensionen und Empfehlungen - Mund-zu-Mund-Propaganda ist schließlich das beste, was einem passieren kann. Und natürlich wünsche ich mir, dass »Dunkelherz« von noch mehr Menschen gesehen und gelesen wird, gerade der stationäre Buchhandel ist ja ein Ort, den man als Selfpublisher nur schwerlich erreichen kann. Ich kann aber auch nicht leugnen, dass der Buchmarkt ein Markt ist wie jeder andere - ein Geschäft, von dem nur die wenigsten Autoren leben können. Ich würde mir wünschen, dass Autoren für ihre Arbeit besser entlohnt werden. Dass gute Geschichten nicht an Wert verlieren. Und dass auch Autoren, die abseits des Massengeschmacks schreiben, eine Chance bekommen. Aber gerade da bietet das Selfpublishing ja neue Möglichkeiten.

– Was können wir von der Autorin Sarah Nisse in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung?

Allerdings. Drei abgeschlossene Jugendbuchmanuskripte aus den unterschiedlichsten Genres warten bereits in der Schublade darauf, das Licht der Welt zu erblicken. Wie sie das tun werden, ob selbstveröffentlicht oder doch über einen Verlag, ist allerdings noch offen. Fest steht auf jeden Fall die Veröffentlichung des zweiten Teils der Herz-Trilogie, an dem ich gerade schreibe. Avas zweites Abenteuer ist für November geplant. Es geht zurück ins Herz, in den Kessel, auf den Friedhof der Liebe und ins Tal des Vertrauens. Und danach? Es warten noch so viele Geschichten darauf, erzählt zu werden!
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