Interview mit Autorin Kathrin Schröder

Kathrin Schröder

In ihrem Buch »Frau Kain regt sich auf« hat Autorin Kathrin Schröder altbekannte Geschichten aus der Bibel aufgegriffen und auf humorvolle Weise neu erzählt. Im Interview mit der Leipziger Literaturplattform www.leserkanone.de sprach die Autorin über das Buch, über die Vereinbarkeit von Humor und Religion, den sehr persönlichen Anlass der schnellen Veröffentlichung ihres Buches und über ihre zukünftigen Projekte und Termine.

– Frau Schröder, vermutlich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von Ihrem Buch »Frau Kain regt sich auf« genommen. Könnten Sie unseren Lesern Ihr Werk kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Frau Kain ist ein Erzählbuch, Menschen erzählen, was sie gesehen, gehört, erlebt haben - in diesem Buch erzählen Menschen, die erzählen, wie es in den Situationen der Bibel vielleicht auch gewesen sein könnte. Es sind keine Heiligen, sondern Menschen wie Du und ich, die sich wundern, ärgern, freuen, die etwas lustig finden oder auch traurig. Viele Geschichten sind mündlich entstanden, weil ich sie selbst erzählt habe. Jede Geschichte hat eine ganz eigene Stimmung, je nachdem ob ein Kind, ein Mann, eine Frau oder auch einmal ein Engel sie erzählt.

– Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Bücher würden Sie »Frau Kain regt sich auf« ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder, oder haben Sie Ihren eigenen Stil auf andere Weise gefunden? Was sind Ihre eigenen Lieblingsbücher?

Von meinen Lesern weiss ich, dass Frau Kain als sehr lesbar auch für Wenigleser empfunden wird. Frau Kain ist etwas für Bibelscheue und Bibelfeste, es ist nicht allzu ernst, weil ich der Meinung bin, dass Glaube auch mit Humor erlebbar sein kann.
Ich habe mein Leben lang sehr, sehr querbeet gelesen und denke, ich habe mich aus so vielen Quellen bedient, dass ich das nicht einem Autor zuordnen kann. Ich versuche, mir die Hauptperson ganz genau vorzustellen, auch mit eher unwichtigen Details, und lasse diese Menschen erst einmal reden. Beim ersten Aufschreiben weiss ich dann, ob ich die Person richtig »fühle«. Wenn es passt, dann braucht die Geschichte »nur« noch den Feinschliff, inhaltlich, sprachlich usw. Ich habe mit selbsterfundenen Geschichten von fiktiven Personen schon als Kind angefangen - aufgeschrieben habe ich solche Geschichten aber erst als Erwachsene.
Lieblingsbücher: Wie viel Platz habe ich? Goethes Faust, Lessings Ringparabel, Die Bibel, Autoren: Tolkien, Orson Scott Card, Terry Pratchett, Douglas Adams, Sagen und Märchen und dann immer mal wieder ein Kleinod dazwischen »Das Schicksal ist ein mieser Verräter«, »Das Orangenmädchen«.

– Sie engagieren sich seit vielen Jahren in der evangelischen Kirche, arbeiten im Kindergottesdienst mit und fungieren als Prädikantin. Dass Sie ein Buch mit religionsbezogenem Thema geschrieben haben, war daher naheliegend, doch wie kamen Sie auf die Idee, den Stoff humoristisch zu verarbeiten? Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Buch?

Aktuell bin ich nur noch im Predigtdienst für Erwachsene und für Senioren und Menschen im Pflegeheim - den Kindergottesdienst habe ich als Jugendliche mitgemacht und auch geleitet. Bei den Kindern habe ich gemerkt, dass viel besser zugehört wird, wenn auch einmal etwas Unerwartetes geschieht und in der Kirche schmunzeln ist erst einmal unerwartet.
Als ich später die Ausbildung zur Prädikantin machte und erfuhr, dass ich auch eine Predigt als erzählte Geschichte halten kann, habe ich das ausprobiert und es kam gut an. Humoristisch wird das glaube ich, einfach indem ich mich selbst einbringe, ich bin einfach so ein Typ. Als ich gemerkt habe, dass die Geschichten gerne gehört werden, habe ich angefangen, ein Buch zu planen.
Ich möchte Menschen mit meinen Geschichten unterhalten, sie zum Lachen bringen uns ihnen vermitteln, dass es okay ist, sich als junger Mensch mit dem Glauben und Gott zu beschäftigen – auf eine moderne, unterhaltsame Art und Weise. Ich freue mich, wenn ich höre oder lese, dass eine Geschichte in Frau Kain einem Leser einen Gedankenanstoß gab. Wenn ich nur Freude beim Lesen mache, bin ich schon sehr zufrieden - sollte jemand dann noch neugierig sein, was Glauben sein kann, freut es mich noch mehr. Aber ich denke, Freude ist unterm Strich ein wesentlich wichtigerer Aspekt als vom Glauben zu erzählen.

– Die meisten humoristischen Bücher, die sich mit Bibelfragen beschäftigen, sind Religionen gegenüber eher kritisch eingestellt, versuchen Thesen zu widerlegen oder die gesamte Institution der Kirche zu denunzieren. Humor dafür zu nutzen, um eine Sache schonungslos durch den Kakao zu ziehen, ist leicht. Viel schwieriger ist es, humorvoll zu sein und dem behandelten Thema gleichzeitig respektvoll gegenüberzutreten oder es gar unterstützen zu wollen. Wir haben Sie diese Gratwanderung geschafft? Wie sind Humor und Religion - zumindest bezogen auf die evangelische Kirche - generell miteinander vereinbar?

Wenn ich einmal gestorben bin und im Jenseits feststelle, dass Gott keinen Humor hat, dann verstehe ich die Welt nicht mehr. Wenn ich als Grundgedanken voraussetze, Gott hat die Welt geschaffen und läßt ihr jetzt freien Lauf, damit wir Menschen etwas daraus machen, dann muss Gott einfach Humor haben, wenn ich mir dieses Chaos hier unten ansehe.
Ich persönlich kann am Besten mit Menschen lachen und auch über sie, die mir wichtig sind - da fällt es mir leicht, diese Haltung auch auf den Glauben zu übertragen. Und die Geschichten sind ja nicht nur humoristisch, auch nachdenklich, kritisch, sauer, ungläubig. Die Geschichten beantworten keine Grundsatzfragen, sie lassen manchen Konflikt auch als Konflikt stehen und manche Anklage. In der evangelischen Kirche ist Humor - auch in der Predigt - nicht verboten, es trauen sich nur viele nicht. Und ich versuche immer, wenn ich über etwas oder jemanden lache, das mit Respekt zu tun - Slapstick und ähnliche Humortypen sind mir wesensfremd.

– Warum sollten sich auch Leute, die nicht religiös sind oder sich nie mit der Bibel beschäftigt haben, »Frau Kain regt sich auf« ebenfalls durchlesen?

Ganz platt gesagt: Wegen der Kultur des christlichen Abendlandes. Nein ernsthaft, wer sich nur ein wenig für Geschichte oder Kunst interessiert, stolpert zwangsläufig über viele Geschichten aus der Bibel. Manche Leser finden es spannend dabei festzustellen, dass sie doch etliche Geschichten kennen, obwohl sie selbst nie was mit der Bibel zu tun hatten. Und ich hoffe doch, dass mein Buch etwas unterhaltsamer für Kirchenferne ist - vor allem, weil ich den ganzen langweiligen Kram aus der Bibel weggelassen habe und nur die Geschichten erzähle. Ich hoffe, dass meine Mitspieler der biblischen Geschichten einfach so nah dran sind, dass sie einfach eine gute Geschichte erzählen können.

– Sie haben sich dazu entschlossen, Ihr Buch nicht über einen Verlag zu veröffentlichen, sondern in Eigenregie, und dabei den Weg über Books on Demand gewählt. Was hat Sie dazu gebracht, Ihr Buch auf genau diese Weise zu vermarkten?

Das ist die persönlichste Frage, die Sie mir stellen können. Das Buch war im Sommer 2014 soweit fertig und ich habe ein paar Verlage angeschrieben. Nebenbei habe ich für mich selbst eine Hörbuchversion aufgenommen, schön fertig gemacht mit Cover usw. und das fertige Hörbuch in den Schrank gestellt als große Überraschung für meine Mutter zu Weihnachten. Um die Überraschung nicht zu verderben, habe ich ihr nichts von dem Buch erzählt. Dann starb meine Mutter überraschend im Oktober und konnte sich nie mit mir freuen, dass mein Buch fertig geworden war.
Im Januar wurde ich selbst schwer krank und entschied mich, nicht auf Verlage zu warten und evtl. das Erscheinen des Buches nicht mehr zu erleben. Ich habe mir quasi selbst die Veröffentlichung von Frau Kain geschenkt. Habe online recherchiert, professionelle Hilfe bei Cover und beim Marketing gesucht und gleichzeitig bei BOD die Veröffentlichung geplant. Meine Vergleiche online liefen unter den möglichen Anbietern einfach auf BOD heraus - da wo diese schwächer waren, habe ich halt selbst Profis gesucht und gefunden.

– Was wünschen Sie sich vom deutschsprachigen Buchmarkt und von Ihrer Leserschaft im Speziellen? Haben Sie in den Monaten seit dem Erscheinen ihres Buchs spezielle Eindrücke gesammelt oder gibt es Vorschläge und/oder Kritikpunkte, die Sie mit Ihren Lesern teilen oder Ihnen mitteilen möchten?

Der Buchmarkt für Selfpublisher ist ungeheuer eng - entweder läuft es auf ebooks hinaus, da ist es dann Amazon und ein Thema oder Genre, das tolle Aufmerksamkeit bringt, aber ich wußte, dass meine Leser auch etwas Gedrucktes lesen wollten oder man muss ungeheuer trommeln. Bisher habe ich das Gefühl, Buchhandlungen kann man mit einem selbst veröffentlichten Titel nicht kommen, da würde ich mir fließendere Übergänge wünschen. Bücher ohne Verlag sind nicht zwingend schlechter....
Liebe Leser, ich bin gern ein Autor zum Anfassen. Schreibt mir per Mail, sprecht mit mir auf Lesungen, rezensiert vielleicht. Egal ob gut oder schlecht (naja fast) - aber es macht eine Riesenfreude mitzubekommen, wie mein Baby Frau Kain ankommt, wo es gefällt, wo es hakt und wo es Fragen aufwirft. Ich habe auf 2 social reading Plattformen mein Buch mit Lesern geteilt und die Gespräche waren einfach fantastisch. Haut mir lieber um die Ohren, wenn etwas nicht passt und natürlich freue ich mich, wenn etwas gefällt.
Ich freue mich, wenn Leser neugierig sind und auch Unerwartetes lesen mögen und vor allem an unerwarteten Stellen nach Ideen suchen.

– Was können wir von der Autorin Kathrin Schröder in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung? Und stehen Termine für Lesungen fest, bei denen man Sie live erleben kann?

Ich bin im Oktober in Frankfurt auf der Buchmesse, habe 3 Lesungen dort, bisher:
14. Oktober 19 Uhr Lesung: Evangelische Hoffnungsgemeinde, Matthäus Kirche, Hafenstraße 5, 60327 Frankfurt am Main
15. Oktober 19 Uhr Lesung mit Musik: Evangelisch-Lutherische Erlöserkirche, Melanchthonplatz, 60599 Frankfurt, Telefon: 069-652311
18. Oktober 15 Uhr After Brunch-Lesung mit den Autoren Kathrin Schröder und Olaf Ludmann Kulturcafé Odyssee, Weberstr. 77, Frankfurter Nordend

Meet&Greet auf der Buchmesse (mit Bücherverkauf):
Samstag, 17. Oktober von 13-15 Uhr am Stand von BOD Halle 3.0 Stand 117

Weitere Lesungen sind in Vorbesprechung, bisher aber eher regional - ich bin aber auch überregional sehr interessiert, wenn mich eine Gruppe oder Veranstaltung hören möchte...

Mein nächstes Buch ist fast fertig - zur Zeit in meinem privaten Lektorat: Arbeitstitel »Der magische Hauch«, Märchen der Gebrüder Grimm erzählt von Tieren, Pflanzen, magischen Gestalten aus ganz ungewohnten Blickwinkeln. Dieses Buch versuche ich Verlagen oder Agenten vorzustellen und lasse mir ein wenig Zeit.
Nächste Ideen in der Schublade:
2. Märchenbuch aus verschiedenen Autorenmärchen, Hauff, Andersen, Volkmann-Leander
3. biblisch überlege ich ein Buch rund um die Psalmen, habe aber noch nicht den für mich idealen Zugang gefunden.
Vielleicht denke ich danach in Richtung Sagen weiter, da ist sicherlich auch ein neuer ungewohnter Blickwinkel nicht uninteressant.
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