Wo: Leipziger Buchmesse 2010
Wann: 21.03.2010 16:30 Uhr
Horror aus Marburg - Autoren stellen ihre Bücher auf der Leipziger Buchmesse vor
Leipzig: Leipziger Buchmesse 2010 | Das absolute Grauen kommt nicht aus dem geisterverseuchten England, es kommt auch nicht aus Amerika. Der Ursprung allen Übels ist die Gegend um Marburg .
Nun ja, nicht allen Übels, aber 46 grausigen Horrorgeschichten wurden hier „In Blut geschrieben“. Ebenso der Zombieroman „Fast tot“.
Die im Landkreis lebenden Autoren Stefan Fels, Thomas Backus, Volker Ilse und Ralph Haselberger erzählen von Vampiren und Werwölfen, von abscheulichen Monstern, von besessenen Computern, Gammelmetzgern, Ratten, Hühnern, Hexen und immer wieder von rachsüchtigen Geistern und lebenden Toten.
Doch warum befassen sie sich mit derart haarsträubenden Themen?
„Das Übersinnliche hat die Menschen schon immer fasziniert. Steinzeitliche Felsenzeichnungen erzählen von der schicksalhaften Begegnung mit Säbelzahntigern und Mammuts. Griechische Helden kämpfen gegen Minotauren und Hydras. Shakespeares Hamlet berät sich mit dem Geist seines ermordeten Vaters. Goethes Faust treibt sich zu Walpurgisnacht auf dem Brocken herum.“ Thomas Backus erklärt: „Gruselgeschichten haben also eine sehr lange Tradition.“
„Im Moment wird diese Tradition hauptsächlich von englischen oder amerikanischen Autoren fortgeführt. Nicht, weil deutsche Autoren keine Ahnung von Horror haben, sondern weil die großen Verlage vor allen Dingen Stephen King, Jack Ketchum und Richard Laymon veröffentlichen.“ sagt Ralph Haselberger traurig.
Stefan Fels fügt hinzu: „Deutschen Autoren wie Wolfgang Hohlbein oder Markus Heitz sind auf die Fantasy ausgewichen, oder sie schreiben unter englischen Pseudonym Gruselheftchen wie John Sinclair oder Professor Zamorra“
„Es ist eine traurige Tatsache: Der deutsche Horrormarkt ist tot!“, so Haselberger.
„Aber es ist nicht tot, was ewig liegt, bis dass die Zeit den Tod besiegt“, grinst Backus. „Literatur lebt von Gefühlen, und extreme Geschichten bringen auch extreme Gefühle hervor. Horrorliteratur ist also gefühlvolle Literatur – und genau sowas wollten wir schreiben!“
Sie taten es. Sie schrieben ihre Horrorgeschichten. Und sie fanden einen Verlag, der diese druckte. Den Persimplex-Verlag aus Schimm.
„Eigentlich drucken wir keine Horrorbücher“, sagt Peter Göring, der Verlagsleiter. „Aber die Geschichten dieser vier Jungs waren so kraftvoll, so intensiv, dass wir sie unbedingt herausgeben mussten.“
Die Veröffentlichung in einem Kleinverlag hatte zudem einen unschätzbaren Vorteil für die Autoren: Sie konnten ungehemmt alle ihre Ideen verwirklichen, fernab jeder Selbstzensur, die ihnen ein großer Publikumsverlag vielleicht aufgezwungen hätte.
„Teilweise sind unsere Geschichten ganz schön krass“, sagt Backus, „aber hey, es handelt sich schließlich um echte Horrorgeschichten.“
Wer jetzt eine Aneinanderreihung von extremen Gewaltorgien erwartet, liegt extrem falsch. Gewalt wird in ihren Büchern ausschließlich als Stilmittel eingesetzt. Es geht in ihren Geschichten in erster Linie um die Menschen. Um Menschen wie Du und ich, nur dass sie in außergewöhnliche Situationen geraten. Die Botschaft dahinter: Was denen passiert, könnte jedem passieren. Deshalb spielen die Geschichten der Vier in Deutschland, die meisten sogar in und um Marburg.
„Passen Sie auf, dass Ihnen nichts passiert“; rät Stefan Fels den Lesern, „das Grauen, es ist mitten unter uns!
Sicher, ein bisschen schockieren gehört dazu. Deshalb präsentieren sich die Vier bei ihren Lesungen als „Die Apokalyptischen Schreiber“. Sie haben sich Kutten genäht, welche sie bei den Lesungen tragen.
„Lesungen sind klasse“, so Backus, „es ist faszinierend, das Publikum zu beobachten, wie es vor Spannung den Atem anhält, oder befreit auflacht, wenn der Protagonist vielleicht doch noch davonzukommen scheint.“
Ilse fügt hinzu: „Deshalb sind wir auch sehr stolz, dass nicht nur unsere Bücher auf der Leipziger Buchmesse offiziell vorgestellt werden, sondern wir unsere Geschichten auf der Fantasy Leseinsel erstmals vor einem größeren Publikum vortragen können! Bisher waren unsere Lesungen eher familiär.“
„Obwohl Volker und Thomas auch schon auf der Marburger Lesebühne in der Cavete aufgetreten sind.“ Haselberger grinst. „Allerdings lasen sie dort eher harmlosere Texte.“
Wer die unzensierten Apokalyptischen Schreiber erleben möchte, kann dies am 21. März in Leipzig tun. 16:30 - 17:30 Uhr, Fantasy Leseinsel, Halle 2, Stand G303. Oder er kann sich die Bücher kaufen und selbst lesen. Das ist auch mal ganz schön!






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