Vorstellung der Sportlerin Edith Voigt

  Edith Voigt ist für die Wahl zum Behindertensportler des Jahres des Behindertensportverbandes nominiert. Mehr zur Wahl findet man am ende des Textes.

Hier nun das Portrait über Edith Voigt

Eine Laufkarriere in zwei Aktenordnern oder Der Weg ist ihr Ziel

Da“, sagt Edith Voigt und zeigt auf eine Urkunde aus dem Jahr 1994 – ihre erste, die sie bei einem offiziellen Laufwettbewerb gewonnen hat. Über 5,5 Kilometer ist sie damals in Ganderkesee gestartet und hat beim Überqueren der Ziellinie zum ersten Mal dieses ganz bestimmte Gefühl erlebt – das Glück, angekommen zu sein. Seither ist die 46-Jährige mit einer geistigen Behinderung das, was man eine ambitionierte Läuferin nennt. In zwei prall gefüllten Aktenordnern hat sie bereits 174 Urkunden von den unterschiedlichsten Laufveranstaltungen gesammelt, die sie immer wieder gern und mit vor Stolz glänzenden Augen durchblättert. Stundenlang könnte sie sich damit beschäftigen, zwischendurch zeigt sie auf eine Platzierung oder auf eine gelaufene Zeit. Und wenn sie sich die beiden Urkunden vom Hamburg Marathon 2007 und vom Ruhrmarathon 2008 anschaut, strahlt sie über das ganze Gesicht. Die hat sie beide erfolgreich bewältigt.

Ankommen ist wichtig“, sagt die Athletin von der BSG Delmenhorst. Welche Zeit im Ziel auf der Uhr steht, ist ihr hingegen egal. Die beiden Marathons ist sie in 4:53 und in 5:00 Stunden gelaufen, und erntet dafür jede Menge Anerkennung. „Sie könnte bestimmt schneller laufen, aber nur, um ein paar Plätze weiter vorn zu landen, lohnt sich der Stress für uns beide nicht“, sagt ihr Betreuer Ludger Norrenbrock, der sie auf den knapp 42,2 Kilometern begleitet. Wenn Edith Voigt auf der Wettkampfstrecke unterwegs ist, genießt sie in erster Linie die Atmosphäre und bleibt deshalb bei ihrem Standpunkt: Viele Zuschauer an der Strecke und schönes Wetter sind die Dinge, die ihr besonders bei ihrem Marathon-Debüt in Hamburg am besten gefallen haben und an die sie sich gern erinnert. „Wir machen eben einen Stadtbummel“, sagt Ludger Norrenbrock, und die 46-Jährige grinst bei seinen Worten und schlägt die Hände vor das Gesicht, wie immer, wenn ihr etwas peinlich ist.

Im ganzen Land bekannt

Weil ein Marathon natürlich wesentlich mehr Anstrengung bedeutet als ein Stadtbummel, dreht Edith Voigt drei Mal in der Woche eisern ihre Trainingsrunden. Immer auf der gleichen 3,2 Kilometer langen Strecke, die um ihr Zuhause herumführt, und immer allein. Selbst die langen Einheiten von bis zu 30 Kilometern während der Marathon-Vorbereitung spult sie mit ihren kurzen frequenten Schritten fast wie eine Maschine ab. Für einen abwechslungsreichen Waldweg ist sie nicht zu begeistern – Edith liebt die Verlässlichkeit, und vielleicht ist sie auch einfach nur zu stolz auf ihre neuen Laufschuhe, die noch so schön sauber leuchten.

Stolz sind auch Ediths Freunde und Arbeitskollegen aus der Delme-Werkstatt der Lebenshilfe Delmenhorst, wo die kleine herzliche Frau als Töpferin arbeitet. Ihr Freund Erich, der mit ihr zusammen in einer betreuten Wohngruppe lebt, begleitet sie, so oft es geht, zu den Wettbewerben und feuert sie aus Leibeskräften an. Mittlerweile ist Edith aber im Delmenhorster Umkreis schon so bekannt, dass sie manchmal auch von wildfremden Menschen an der Wettkampfstrecke angefeuert wird. Kein Wunder, schließlich nimmt sie pro Jahr an etwa 20 großen und kleinen Läufen teil.

Vielseitige Sportskanone

Edith Voigt fühlt sich jedoch nicht nur in ihren Laufschuhen zu Hause. Sie schwimmt regelmäßig, hat im Jahr 2008 bereits zum 15. Mal das goldene Sportabzeichen absolviert und beim internationalen Behindertensportfest in Wilhelmshaven in der Tischtennis-Einzelwertung zum wiederholten Mal den ersten Platz belegt. Eine echte Sportskanone eben, die ohne den Sport nur „eine halbe Edith“ wäre, wie sie selbst sagt. Und weil das so ist, hat sich die lebenslustige Athletin bereits ihr nächstes Ziel gesteckt: Im Mai 2009 will sie den Marathon in Hannover laufen. Dafür hat sie, nachdem der Arzt grünes Licht gegeben hat, bereits ein halbes Jahr vorher mit dem Training begonnen. Das ist zwar ein wenig länger, als geübte Marathonis einplanen. „Aber weil Edith eben Edith ist, braucht sie ein bisschen länger dafür“, meint ihr Betreuer. Da zu einer guten Vorbereitung auch kleinere Wettkämpfe gehören, startet die ehrgeizige Sportlerin zwischen Januar und März bei der Bremer Winterlaufserie über 10, 15 und 20 Kilometer. Auch wenn es selten ein erster Platz wird, so wie damals beim Halbmarathon in Garlstedt, bei dem sie als Siegerin sogar 100 Euro gewonnen hat, ist jeder Zieleinlauf für Edith Voigt ein Erfolg. Denn viel mehr als Geld und Ruhm bedeuten Edith Voigt die Teilnehmer-Medaillen, die sie im Ziel bekommt und die T-Shirts, die sie bei den großen Wettkämpfen kauft und von denen sie mittlerweile eine stattliche Sammlung von über 50 Exemplaren besitzt.

Hinweis: Gewählt werden kann (vom 13. Februar bis zum 11. März) in den Lotto-Annahmestellen in Niedersachsen, den Geschäftsstellen der Hannoverschen Volksbank, mittels der Stimmkarte in der HAZ und weiteren Tageszeitungen, der Stimmkarten der Magazine des BSN und des LandesSportBundes, im Sportleistungszentrum Hannover und im Internet auf der Homepage des BSN http://www.bsn-ev.de.

Text:
Einführung: Lars Klingenberg
Portrait: Behinderten Sportverband Niedersachen

Fotos: Behinderten Sportverband Niedersachsens
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Lars Klingenberg aus Lehrte am 21.02.2009 um 11:28 Uhr  
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