Und der Nachbar zog Zahn mit einer Kneifzange

einer über hundert Jahre alten bäuerlichen Kladde geblättert
Mägde und Knechte mochten kein Schaffleisch –

Von Lothar Rolf Luhm

Zwölf Jahre lang hatte Christel Behrens in der Kladde seinem Herzen Luft gemacht und dann abrupt seine Eintragungen Anno 1873 mit dem Hinweis beendet „Heute hat Nachbar N. mir einen Zahn gezogen – mit ner ollen Kniefzange! Zweimal ist er abgebrochen und dann ist mir der Hals zugeschwollen, dass ich nichts mehr schlucken kann. Jetzt liege ich schon eine Woche im Bett!“


Interessant ist das Tagebuch von Christel Behrens, der vor etwa 150 Jahren den alten Pfarrmeierhof an der Osterstraße 4 im Lehrter Dorf bewirtschaftete. Rund hundert Jahre später entdeckten seine Erben eine heimatkundlich wertvolle Kladde auf dem Dachboden des alten Bauernhauses, das Johanne Krull und Christoph Behrens 1848 erbauen ließen und das heuten Hans-Uwe und Linda Behre gehört.

Voller Stolz hatte Heinrich Jacob Christoph Behrens, im Dorf nur Christel genannt, in altdeutscher Handschrift zwischen 1861 und 1873 kund getan, dass er einen stattlichen Bauernhof besaß, in dessen Stallungen derzeit sechs Ackerpferde, zwei Einjährige und auch zwei Zweijährige standen, die er schon hinter den Pflug spannen konnte. Darüber hinaus gehörten ihm acht Milchkühe, acht Rinder, drei Kälber und ein Bulle sowie 100 Mutterschafe, 13 Hammel, 28 jährige Zibben, 26 jährige Hammel, 42 Zibbenlämmer und 45 Hammellämmer.

Mit Verärgert schildert er, der Großknecht habe am Montag Knechte und Mägde mit barschen Worten ermuntern müssen, ihre Sonntagsfaulheit abzulegen. Einen Tag später schien der Bauer recht ärgerlich gewesen zu sein, denn er schreibt, Dienstag hätte sich das Gesinde gar geweigert, Fleisch von geschlachteten Schafen zu verzehren. Und am Donnerstag lehnten sie es ab, auch Schafwurst zu essen. So blieb dem Großknecht nichts anderes übrig, alles den Tagelöhnern zu schenken, so schließen am 12.Juli 1862 Christel Behrens Eintragungen.

Schwarz auf Weiß lässt er vier Jahre später alle Welt wissen, dass die Preußen sich recht bald wieder zum Teufel scheren mögen. Kaum hatte König Georg V. kapituliert und Hannover verlassen, verschwanden über Nacht am 18.Juli 1866 auch die Lüneburger Husaren aus Lehrte .Am nächsten Morgen bezogen 260 Preußen am Bahnhof Quartier. Täglich musste die Gemeinde 60 Thaler für Kartoffeln, Fleisch, Brot und Speck aufbringen.
Natürlich musste auch Christel Behrens sein Scherflein dazu beitragen, denn immerhin gehörte sein Bauernhof, der bereist 1540 urkundlich erwähnt wird und im Brandkataster Nr.1 trägt, zu den größten im Dorf.
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Kurt Battermann aus Burgdorf | 23.09.2014 | 19:09  
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