Kopüber unter dem Brückendach

Der 1956 geborene Münchener Bildhauer Andreas von Weizsäcker hat mit 1998 Juni Hannover: Zu meinem Bericht sei ergänzend zu sagen, dass die seit den 90er Jahren dort hängenden Autos im Spätsommer 2015 einen gespendeten neuen Anstrich erhalten haben.

"Im Lärm der Stadt" :
Volkswagen aus handgeschöpftem Büttenpapier hängen wie schlafende Fledermäuse kopfüber unter der Hochstraße
Lothar Rolf Luhm

Autofahrer aus Richtung Hamburger bzw. Berliner Allee, die an der Nordseite des Hauptbahnhofs Hannover im dichten Nachmittagsverkehr stecken, fahren meist achtlos an den drei Skulpturen vorbei, die wie schlafende Fledermäuse, mit den Rädern nach oben, unter der Raschplatz-Hochstraße hängen. Andere, die die papierweißen Autos unter den grauen Betonträgern entdecken, sind irritiert. Passanten, die durch die Passerelle eilen, bekommen da schon mehr mit. Und unter den Hannoveranern hat sich inzwischen auch herumgesprochen, da die symbolisierten VW-Modelle mit dem Namen Hangover ein Kunstwerk darstellen, das sie nicht mehr missen möchten, obwohl die drei Autos keine richtigen sind.
Eine Dauerleihgabe für die Landeshauptstadt Hannover
Unterstützung der VW-Tochtergesellschaft Motorsport die drei Fahrzeuge aus handgeschöpftem Büttenpapier konstruiert, die nunmehr seit 1993 als Dauerleihgabe über die Grenzen der Landeshauptstadt Hannover hinaus große Beachtung finden. Die Idee zu diesem Kunstspektakel mit dem Namen " Im Lärm der Stadt", an dem sich namhafte Künstler mit skurrilen Motiven beteiligten, hatte die Stiftung Niedersachsen in Zusammenarbeit mit dem Sprengel-Museum Hannover, um so Kunst im”öffentlichen Raum zu präsentieren. Herausragend bei jenem im Oktober 1991 veranstalteten künstlerischen Lärm waren die Pappmache-Autos von Weizsäckers. Sie vermitteln ein negatives Spiegelbild dessen, was sich darüber auf der Hochstraße abspielt. Vor einigen Wochen – etwa im August/September 2015 - haben „unsere Autos“ einen neuen Anstrich bekommen.

Ein Hinweis auf die Realität
im täglichen Straßenverkehr

Lastwagen donnern dort über den Asphalt, Autos hupen und quietschende Bremsen übertönen jedes Gespräch, genau die richtige Ecke - so Andreas von Weizsäcker, um auf eine verfehlte Verkehrspolitik aufmerksam zu machen. und auch deswegen, weil Hannover meint, eine autogerechte Stadt zu sein. Die drei Geisterfahrer aus Papier sollen aber kein Blickfang sein. Sie sollen die Menschen aufrütteln, nicht als Protest gegen den Verkehr und erst recht nicht als Lob, vielmehr als Hinweis auf die Realität. Der Appell Andreas von Weizsäckers, übrigens ein Sohn des Alt-Bundespräsidenten Richard Freiherr von Weizsäckers, hat ein großes Echo gefunden. Als nach Ende der Ausstellung die drei Skulpturen -plötzlich verschwunden waren, erhielt das Projekt Beton Kunst im”öffentlichen Raum, das 1991 die Ausstellung organisiert hatte, pausenlos Anrufe: Die Hannoveraner wollten ihre "Geisterfahrer" wieder haben.

Es dauerte rund zwei Jahre, bis die vorüber gehend im Wolfsburger Volkswagen-Museum geparkten Autos, denen übrigens VW-Modelle als Vorbild gedient hatten: Ein VW-Bus, ein VW-Variant und ein VW-Kleinwagen, nach Hannover zurückkehrten. Seit 1993 hängen sie wieder kopfüber unter der verkehrsumbrausten Hochstraße, dank der Initiative des hannoverschen Kulturdezernenten Karl-Ernst Bungenstab und Lothar Romain, Leiter des Projekts Kunst im ”öffentlichen Raum. Andreas von Weizsäcker hat seine drei maßstabgerechten Autos aus hauchdünnem Büttenpapier der Landeshauptstadt Hannover als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.
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2 Kommentare
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Kurt Battermann aus Burgdorf | 14.03.2016 | 19:52  
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Lothar Rolf Luhm aus Lehrte | 14.03.2016 | 22:46  
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