Für die Mühle fehlte das "Kleingeld"

Mühlenliebhaber Hans Schubotz fehlte letztendlich doch das „Kleingeld“:
Nur eine Straße erinnert an die alte Arpker Bockwindmühle

Lothar Rolf Luhm

Arpke, auch niederdeutsch Orpke genannt, ist ein Ortsteil der Stadt Lehrte mit einer geschichtsträchtigen Vergangenheit, zu der auch eine Bockwindmühle gehört, die aber seit rund 50 Jahren aus der Gemarkung Lahe verschwunden ist. Es ist die Geschichte einer Mühlenwanderung, die 1857 zwischen Burgdorf und Immensen begann und 1968 in Arpke endete. Heute erinnert nur noch ein Straßenname in Arpke an die Sagen umwobene Bockwindmühle.
Als Friedrich der Große am 18. Juli 1763 auf der Peiner Heerstraße auf seiner Fahrt nach Potsdam das Dorf passierte und Spanndienst einforderte, gab es diese Bockwindmühle dort noch nicht. Eine solche kam erst rund 100 Jahre später nach Arpke, und zwar um 1865. Diese Mühle, so erzählt man sich, soll vorher in einer kleiner Bauernsiedlung mit dem Namen Lahe zwischen Burgdorf und Immensen gestanden haben. Als Wallensteinsche Truppen den Ort verwüsteten, blieb die Mühle von der Plünderung verschont. Die Bewohner der zerstörten Bauernschaft Lahe fanden auf der Ramhorst bei Lehrte eine neue Bleibe.
Die in Lahe entbehrlich gewordene müllerlos“ Mühle ließ der Immenser Möller Conrad Heinecke, dem diese nebst sechs weiteren gehörten, nach Arpke versetzen. Anno 1870 übernahm Eduard Klostermeyer anfangs als Pächter die Mühle, die um 1907 durch Feuer vernichtet wurde. Bereits am 1. März 1907 konnte Klostermeyer für 1500 Mark eine alte Mühle in Dollbergen aufkaufen, die er nach Arpke versetzten ließ und zwar dorthin, wo die alte bisher abgebrannte gestanden hatte. Als der alte Müller sich 1914 zur Ruhe setzte, übernahm Sohn Adolf die Mühle, die er in den folgenden Jahren modernisierte. Bereits 1942 erhielt die Mühle einen Dieselmotor und kurze Zeit später einen Elektroantrieb. Trotz allem konnte er mit der Konkurrenz der technisierten Großmühlen nicht Schritt halten, so dass er beschloss, die seit 1955 flügellose Mühle stillzulegen. Vergeblich hatte Müllermeister Klostermeyer versucht, einen Pächter zu finden – und da auch seine beiden Töchter keiner „Müllerliebe“ zugetan waren, stellte er 1958 den Mahlbetrieb endgültig ein.
Inzwischen war der Westerceller Kaufmann Hans Schubotz, der 1962 eine alte Bockwindmühle vom Hänigsener Müllermeister Richard Reiche gekauft hatte, auf den Mühlentorso in Arpke aufmerksam geworden. Er hatte die Absicht, auch der Arpker Mühle wieder „ Wind unter den Flügeln“ zu machen. Schnell wurde er mit der Gemeinde handelseinig, mußte aber dennoch nach einiger Zeit in beiderseitigem Einvernehmen vom Kaufvertrag zurücktreten. Dem Mühlenliebhaber fehlte letztendlich doch das Geld, für eine grundlegende Restaurierung, so der Heimatpfleger Otto Heineke vom Voßhof in Immensen, zumal der Ausbau der Hänigser Mühle noch nicht beendet war. Die so Wind und Wetter überlassene Arpker Mühle wurde 1968 abgerissen. An sie erinnert heute nur noch eine Straße an die Bockwindmühle „
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3 Kommentare
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Wilhelm Heise aus Ilsede | 18.03.2016 | 16:55  
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 19.03.2016 | 07:18  
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Dieter Goldmann aus Seelze | 20.03.2016 | 20:55  
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