80 Lehrter Gewerkschafter demonstrierten in Berlin / Flaggentausch mit einer polnischen Gewerkschaftsdelegation

 

Unter dem Motto „Die Verursacher müssen zahlen.“ haben 80 Gewerkschafter aus Lehrte und ca. 1000 aus der Region Hannover zusammen mit 100.000 Menschen am letzten Samstag in Berlin demonstriert. Gleichzeitig protestierten 30.000 Menschen in Prag. Europaweit sind im Rahmen der Aktionstage vom 14.-16. Mai in Madrid, Brüssel, Berlin und Prag insgesamt 330.000 Menschen dem Aufruf der Gewerkschaften gefolgt.

In ungewöhnlich scharfer Form hat der DGB Bundesvorsitzende Michael Sommer Politiker in Deutschland kritisiert, „die alle Schleusen für Voodoo-Geldgeschäfte geöffnet und dabei jeden Schutzdamm gegen die grenzenlose Gier eingerissen haben“. Vor Hunderttausend Demonstranten in Berlin verlangte er, jetzt und nicht erst mit Blick auf die Bundestagswahl müsse gehandelt werden, bevor noch mehr Menschen ins Elend stürzten.

Grund für die Demonstration ist die Finanz- und Wirtschaftskrise die sich bereits auch in Lehrter Betrieben bemerkbar macht. Bei Miele und der K+S Kali GmbH in Lehrte gibt es bereits Kurzarbeit oder wird in Kürze umgesetzt. Diese spürbaren Auswirkungen der Krise und die in den letzten Jahren voranschreitende Armut, die Umverteilung der Vermögen von unten nach, die Zunahme von Billiglöhnen und der Abbau von Arbeitnehmerrechten, haben die Lehrter Kolleginnen und Kollegen motiviert an der Demonstration in Berlin teilzunehmen, erläutert der örtliche DGB Vorsitzende Reinhard Nold die Beweggründe der Teilnehmer.

In Berlin an der Siegessäule hörten die Lehrter neben Michael Sommer u.a. Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes John Monks sowie die Vorsitzenden Berthold Huber (IG Metall), Frank Bsirske (ver.di) und Klaus Wiesehügel (IG BAU) zu den überraschend zahlreich erschienenen Demonstranten aus Deutschland und vielen europäischen Nachbarstaaten, sprechen. „Eine Umkehr ist überfällig,“ forderte Sommer in seiner Rede unter Hinweis darauf, dass die Eliten in Politik und Wirtschaft angesichts der Krise versagt hätten. Deshalb brauche Deutschland ein Zukunftsinvestitionsprogramm sowie ein drittes Konjunkturprogramm, das seinen Namen verdiene und die Binnenkonjunktur ankurbele.

Zudem müsse dafür gesorgt werden, dass sich eine solche Krise niemals wiederholen könne, betonte Sommer. Ein „Weiter-So“ dürfe es nicht geben. „Wenn nicht energisch gehandelt wird gegen Krise und Krisenverursacher, dann wird das Folgen haben für Demokratie und sozialen Frieden,“ warnte der DGB-Vorsitzende. Dazu gehöre auch, dass die Opfer der Krise nicht noch die Kosten der Krise tragen dürften. „Die Verursacher müssen zahlen,“ rief Sommer unter Beifall der Demonstranten.

Die Lehrter Gewerkschaftsmitglieder waren sehr beeindruckt von der guten Organisation. Auch die Teilnahme einer Vielzahlzahl von europäischen Gewerkschaftsdelegationen hat uns beeindruckt, erläutert Nold die gute Stimmung der Lehrter Teilnehmer. Besonders der Flaggentausch mit der polnischen Delegation, der zufällig zustande kam, hat gezeigt, dass Solidarität über Grenzen hinweg auch ohne Sprachkenntnisse möglich ist.

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