Solidarische Landwirtschaft in der Region Hannover

Hoffest auf dem Adolphshof
 
Ziegenherde auf dem Adolphshof

Teil 1 Was bedeutet Solidarische Landwirtschaft?


Gammelfleisch in Wurst, Antibiotika in Fleisch, Pferdefleisch in Lasagne, Mäusekot in Brot, Darmkeime auf Sprossen oder Dioxin in Eiern ergänzt um Bilder zu Tierquälerei in Massentierhaltungen. Tomaten, Paprika, Erdbeeren, Südfrüchte das ganze Jahr erhältlich, gewachsen in riesigen Plantagen oder Gewächshäusern, gepflückt von Menschen unter fragwürdigen sozialen Bedingungen, über Tausende von Kilometern transportiert und künstlich nachgereift, im Supermarkt ausgestellt, gekühlt und nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums vernichtet….

In den letzten Jahren haben mich diese immer wiederkehrenden Schlagzeilen und Veränderungen der Lebensmittelproduktion stark beschäftigt. Wie ist es heute möglich angesichts des globalen, anonymen Super-Marktes gesunde, frische Nahrungsmittel zu bekommen ohne sie selbst anbauen zu müssen? Ist der Einkauf von regionalen Produkten in Hofläden oder auf dem Wochenmarkt die richtige Alternative? Ermögliche ich den Landwirten damit eine nachhaltige Perspektive zur Einkommenssicherung? Kann so eine bäuerliche, ökologische Landwirtschaft erhalten bleiben, die die Natur- und Kulturlandschaft pflegt?
Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten, haben meist nur die Wahl entweder die Natur oder sich selbst auszubeuten. Ihre Existenz hängt von Subventionen und den Markt- bzw. Weltmarktpreisen ab. Faktoren, auf die sie keinen Einfluss haben und die sie häufig zwingen, über ihre persönliche Belastungsgrenze sowie die von Boden und Tieren zu gehen oder ganz aus der Landwirtschaft auszusteigen.

Mit diesen Fragen und Gedanken im Kopf besuchte ich im März 2013 eine Veranstaltung in Langenhagen mit dem Thema „Solidarische Landwirtschaft“. Dort erläuterte die Initiative Solidarische Landwirtschaft ein Konzept zu einer gemeinschaftlich getragenen Landwirtschaft – eine Landwirtschaft, die eine Gemeinschaft von Menschen ernährt.
Konkret handelt es sich bei der Solidarischen Landwirtschaft (aus dem Englischen auch Community Supported Agriculture oder kurz CSA) um einen Zusammenschluss von einem landwirtschaftlichen Betrieb oder Gärtnerei mit einer Gruppe privater Haushalte. Auf Grundlage der geschätzten Jahreskosten der landwirtschaftlichen Produktion verpflichtet sich diese Gruppe regelmäßig im Voraus einen festgesetzten Betrag an den Hof zu zahlen, der mit dem Geld seinen Möglichkeiten entsprechend wirtschaftet. Die Abnehmer erhalten im Gegenzug die produzierten Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Eier, Käse, Brot und Fleisch etc. sofern der Hof diese herstellt.

Bei der Festsetzung der Beträge kann i.d.R. die finanzielle Lage Einzelner mit in Betracht gezogen werden. Oft existieren "Richtwerte" als Entscheidungshilfe. Entscheidend ist, dass die Anbau- und Verarbeitungskosten vollständig gedeckt werden. Das beinhaltet neben dem Einkommen für die Landwirte und Angestellte, möglicherweise auch eine Altersvorsorge, im Idealfall einen Überschuss für zukünftige Investitionen. Die Verteilung der Ernteanteile erfolgt in regelmäßigen, etwa wöchentlichen Lieferungen zu zentralen Sammelstellen, aus denen dann nach Bedarf die Lebensmittel von den Teilnehmern entnommen werden können.
Grundlegend ist also, dass eine Gruppe von Menschen die Abnahme der Erzeugnisse garantiert und die Ernte bzw. alles, was notwendig ist, um diese zu erzeugen, vorfinanziert. Alle teilen sich die damit verbundene Verantwortung, das Risiko, die Kosten und die Ernte.

In einer Solidarischen Landwirtschaft gewinnen alle Beteiligten von dieser Beziehung: die Mitglieder, die Bäuerin, der Bauer, der Hof und die umgebende Region.
Die Mitglieder erhalten
• Qualität: frische Nahrungsmittel
• Transparenz: wissen wo und wie die Nahrungsmittel angebaut werden, wer sie anbaut und zu welchen Kosten
• Regionale Nachhaltigkeit: Aufbau von ökonomischen Strukturen, durch die eine lebendige lokale Landwirtschaft gestärkt wird
• Erfahrungsräume und Bildung: die Möglichkeit sich Wissen über den Anbau und die Herstellung von Lebensmitteln und über die Pflege der Erde zu erwerben
• Emotionale Bindung: Bewusstsein über die Beziehung zur Erde, dem Land und den Prozessen, die unser Leben möglich machen

Die Landwirte erhalten
• Eine Gemeinschaft: Planungssicherheit und die Möglichkeit der Unterstützung
• Ein gesichertes Einkommen: Möglichkeit eines planbaren Einkommens und sich daher einer nachhaltigen Form der Landwirtschaft widmen können
• Freude an der Arbeit: Zu wissen für wen die Lebensmittel bestimmt sind

Der Hof
• ist geschützt vor Veränderungen des Marktes
• ist geschützt vor schädlicher landwirtschaftlicher Praxis

Die Region
• wird durch die Vielfalt in der Landwirtschaft ein Ort mit höherer Lebensqualität
• wird gestärkt durch das Zusammenbringen von Menschen, die gesunde Bedenken über unsere Zukunft teilen
• erfährt einen ökonomischen Wandel, da die Wertschöpfung verstärkt in der Region bleibt

In der Region Hannover gibt es aktuell zwei Betriebe der Solidarischen Landwirtschaft, die Gärtnerei Wildwuchs in Gehrden-Leveste (Wildwuchs) und der Adolphshof in Lehrte-Hämelerwald (Adolphshof).

Im Teil 2 zur Solidarischen Landwirtschaft erfahren Sie wie und wo man mitmachen kann.
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