Los ging es auf Baumgartes Hof an der Kananoher Straße in Kaltenweide. Dort gab es für jeden Teilnehmer der FahrKulTour Warnwesten, die uns unterwegs immer wieder begegnen sollten. Im Hofladen, der Di, Do und Fr von 9.30 bis 12.00 Uhr und Mi von 15.00 bis 18.00 Uhr geöffnet ist, konnten Honig, Fruchtsäfte und andere Produkte des Ladens erworben werden. Auch der Lederladen von Marita Künnecke war geöffnet und lud zum Stöbern ein. Große Augen machten die Kälber des Hofes und staunten über die vielen Radler, die mit ihren Drahteseln auf den Hof kamen. Die fröhlichen Claudias aus Engelbostel kümmerten sich mit Kaffee und leckeren Waffeln um das leibliche Wohl der Teilnehmer und verbreiteten gleich zu Beginn unserer Tour gute Laune. Gegen Mittag gab es mit einem kräftigen Eintopf die richtige Stärkung für die Radler, die schon länger unterwegs waren.
So konnte es weiter gehen Richtung "Achtminutenweg", wo die Alte Apotheke und die City Apotheke gemeinsam mit Monika Miesala-Dronia auf die FahrKulTour-Teilnehmer warteten und viel Wissenwertes über Wald- und Wiesenkräuter erzählten. Nach kleinen Kostproben von Kräutern und Likören konnten sich die Radler bei Nicole Spille und Stephanie Steege gleich die passenden Rezepte für Vogelbeerlikör, Löwenzahnhonig und andere Leckereien mitnehmen oder eine Flasche des Langenhagener Magenbitters der Alten Apotheke kaufen.
Werner Wilkening aus Kaltenweide bot Führungen ins Moor an und erklärte anschaulich, wie die Bauern hier früher Torf stachen. Am Wollgras vorbei, das zurzeit mit seinem Fruchtstand weiße Farbakzente im Moor setzt, ging es zu einer Moorkuhle. Mit einem speziellen Spaten wurden früher die Soden gestochen, die auf extra angelegten Dämmen mit Torfkarren aus dem Moor abtransportiert wurden. Damit die Karren nicht im weichen Boden versanken und bewegt werden konnten, hatten sie ein Rad ganz vorne am Karren. Das Gewicht des gestochenen Torfes verteilte sich zu 50% auf dieses Rad und zu 50% auf denjenigen, der den Karren von hinten schob. Aber schon das Stechen des Torfes an sich war harte Arbeit. Mit Fülleimern musste das Wasser aus den Moorkuhlen abgeschöpft werden, ehe der Torf überhaupt gestochen werden konnte. Das konnte durchaus einige Stunden dauern. Wurden die Dämme um die Kuhle nicht gut genug befestigt, konnte es zu Wassereinbrüchen kommen und die ganze Arbeit war umsonst. Waren die Soden gestochen, wurden sie meist von den Frauen auf die Karren gepackt und anschließend zum Trocknen gebracht. Dazu wurde der Torf für ca. vier Wochen in Ringelhaufen aufgeschichtet, ehe er nochmals umgeschichtet wurde. Morgens um 6.00 Uhr begann das Stechen des Torfes im Moor. Nach dieser anstrengenden Arbeit wurde über Mittag für zwei Stunden Pause gemacht. Getränke wurden in Tonkrügen und später in Metallgefäßen direkt in den Moorkuhlen gekühlt. Zum Essen gab es oft Klümpe mit Pflaumen aus dem vergangenen Jahr. Bei dieser Mehlspeise handelte es sich um Klöße, an die sich Herr Wilkening noch gut erinnern konnte. Während die Eltern nach dem Essen bei einem Mittagschlaf unter den Birken am Moorrand Kräfte für die weitere Arbeit am Nachmittag sammelten, schauten die jungen Burschen in dieser Zeit auch schon einmal den Mägden hinterher und vertrieben sich so ihre Zeit, konnte Herr Wilkening mit einem Augenzwinkern berichten.
Torf wurde im Kaltenweider und Bissendorfer Moor schon im 17. Jahrhundert gestochen und wurde vor allem als Brennmaterial genutzt. Bis nach Stöcken führte einst auch der Herrendamm, auf dem der Torf in die herrschaftlichen Häuser in Hannover gebracht wurde. Wollten die Kaltenweider für den Eigenbedarf Torf stechen, mussten sie dafür 9m² Land im Moor erwerben. Das Moor reichte früher viel weiter an Kaltenweide heran. Alte Flurnamen erinnern auch heute noch daran. In der Nachkriegszeit wurde am Rande des Moores viel Land entwässert, um es anschließend zu kultivieren und für die Landwirtschaft zu nutzen. Auf den sauren Böden des Moores an sich wachsen allerdings nur wenige Pflanzen, zu denen die Moosbeere, Sonnentau und Torfmoos gehören. Heute wird vor allem im Bereich des Muswillensees (siehe auch: http://www.myheimat.de/langenhagen/natur/radtour-z... ) regelmäßig das Moor entkusselt, um eine weitere Verlandung zu verhindern. Hatten vor einigen Jahrzehnten noch der Schnepfenvogel Bekassine und der Birkhahn hier ihren Lebensraum, ist zumindest der Kranich wieder in das Moor zurückgekehrt und macht Hoffnung, dass sich hier bald wieder andere bedrohte Tierarten ansiedeln werden. Wir waren begeistert von dieser spannenden Führung durch das Moor mit Herrn Wilkening und die interessanten Informationen zu allerlei Kräutern am Stand der Apotheken am Achtminutenweg.
Weiter ging es durch Wiesen und Felder. Immer wieder kamen uns andere Mitradler entgegen, die durch ihre gelben Warnwesten schon von Weitem zu erkennen waren, mit einem freundlichem "Hallo" grüßten und mindestens genauso viel Spaß an der Tour zu haben schienen wie wir. Durch das Neubaugebiet Weiherfeld fuhren wir nach Altenhorst zu Bartels' Backhaus. Während der Plattenkuchen Bäcker Brandes gegen Mittag ruckzuck aus den Händen gerissen worden war, konnten wir uns noch mit herrlich duftendem Landbrot und Kaffee stärken. Ob süß mit Marmelade bestrichen oder herzhaft mit Butter und Radieschen - nach der Tour auf dem Rad war das Brot ein Genuß! Die Anregung, doch ruhig jede Woche frisches Brot aus dem Backhaus anzubieten, wurde so auch gleich von mehreren Radlern an den Bäcker weiter gegeben. In der Backstube konnten die Teilnehmer der FahrKulTour einen Blick in den riesigen Steinbackofen werfen und sich erklären lassen, wie darin das Brot gebacken wird. Auf dem Hof luden Tische und Bänke zu einer kleinen Pause ein; Blick auf die ländliche Idylle in Altenhorst inclusive. Da konnte es schon passieren, dass man sich bei so viel gemütlicher Atmosphäre mit Freunden und Bekannten verquatschte und an den nächsten Stationen das Programm schon beendet war.
So führte uns unser Weg denn auch nur noch am Polo-Club in Maspe vorbei Richtung SPARC-Gebiet an der Wietze. Durch die EU-geförderten Renaturierunsmaßnahmen kann dort die Wietze wieder in Mäandern fließen. So ist ein Feuchtgebiet entstanden, in dem sich inzwischen unzählige zum Teil seltene Vögel und andere Tiere wohlfühlen. Vom Aussichtsturm aus sind die Mäander der Wietze gut zu sehen und auch die unermüdlich singende Lerche und Kiebitze auf dem Feld nebenan kann man von hier beobachten. Der Kiebitz gehört zur Familie der Regenpfeifer und ist gut daran zu erkennen, dass er seinen eigenen Namen ruft. Die abstehenden Federn am Hinterkopf sind ein weiteres Erkennungszeichen dieses am Boden brütenden Vogels. Den Gesang der Lerche im Ohr machen wir uns nach einer "pferdestarken" FahrKulTour wieder auf den Heimweg und bedanken uns noch einmal bei den Organisatoren und Helfern dieser spannenden Tour.
Die nächste Gelegenheit für eine geführte Tour rund um Langenhagen ist das jährliche Volksradfahren des RC Blau-Gelb und des Sportrings Langenhagen (siehe auch: http://www.myheimat.de/langenhagen/sport/einmal-ru... ).












