Die mit dem Wolf tanzen – NABU Langenhagen lud zum „Tag des Wolfes“ in den Ratssaal ein

Der 1. Vorsitzende des NABU Langenhagen Ricky Stankewitz (links) freute sich mit NABU-Wolfbotschafter Peter Griemberg über den großen Zuspruch am "Tag des Wolfes" (Foto: Katja Woidtke)
 
Der NABU Wolfsbotschafter Peter Griemberg beantwortete gerne die Fragen der zahlreich erschienenen Gäste (Foto: Katja Woidtke)
Langenhagen: Ratssaal |

Peter Griemberg vom NABU Wedemark ist mit Leib und Seele Wolfsbotschafter. Zahlreiche Vorträge zu dem streng geschützten Säugetier hat er bereits gehalten. Nun war er auf Einladung des NABU Langenhagen im Ratssaal der Stadt zu Gast. Ricky Stankewitz, erster Vorsitzender des Naturschutzbundes, freute sich über die zahlreich erschienenen Gäste, die nicht in den Mai, sondern mit dem Wolf tanzen wollten. „Wer den 30.04. als „Tag des Wolfes“ ausgesucht hat, war sicher kein Tänzer“, begrüßte Stankewitz die Zuhörer und hatte dabei die Lacher aus dem Publikum auf seiner Seite. Auch Bürgermeister Friedhelm Fischer freute sich über den gut gefüllten Ratssaal und bedankte sich bei den Naturschutzverbänden der Stadt für ihr Engagement, bevor er das Wort an den Wolfsbotschafter Peter Griemberg weiter gab.

Man merkte Griemberg gleich zu Beginn die Begeisterung für Isegrimm an. “Für mich ist der Wolf der Inbegriff der Freiheit“, begann er seinen Vortrag und schnell hatte Griemberg die Gäste mit seinem Fachwissen über den Wolf in seinen Bann gezogen. „Wölfe brauchen keine Wildnis“, erklärte der Wolfbotschafter. „Sie können auch in Kulturlandschaften leben. Dafür brauchen Sie nur Lebensraum, Beute und Akzeptanz.“ Dabei werden Wölfe dem Menschen im Normalfall nicht gefährlich. Sie weichen dem Menschen meist aus, ehe die ihn überhaupt bemerken. So war ein Wolf im Raum Lüneburg zwei Wochen unterwegs, ohne ein einziges Mal gesichtet worden zu sein. Die Daten dazu wurden von einem Sendehalsband geliefert, das dem Wolf zu Forschungszwecken umgelegt worden war. Auf die Frage, wie man denn einen Wolf fängt, um ihm dieses Halsband umlegen zu können, kam aus dem Publikum die Antwort: „Zucker auf den Schwanz streuen!“ „Das ist die zweite Möglichkeit“, lachte Griemberg und erklärte, dass die Biologen einen Wolf mit einem gespannten Netz, Leinen, an denen bunte Fahnen hängen und viel Lärm fangen. Läuft der Wolf nicht ins Netz, sondern zwischen den Fahnen hindurch, ist er den Forschern durch die Lappen gegangen.

Auch die wichtigsten Erkennungsmerkmale des Wolfes und sein ausgeprägtes Sozialverhalten lernten die Gäste an diesem Abend kennen. Seine gelben Augen, die dunkle Schwanzspitze und der geschnürte Trab, bei dem der Wolf mit der Hinterpfote in die Spur der Vorderpfote tritt, sind unverwechselbare Erkennungszeichen. Bis zu 80 km legt ein Wolf in einer Nacht zurück. Wölfe leben in einem Rudel. Die älteren Geschwister übernehmen auch die Aufgaben eines Babysitters, während die Eltern auf der Jagd sind oder sich ausruhen und lernen so selbst viel für die Aufzucht der eigenen Nachkommen. Filmaufnahmen verdeutlichten den starken sozialen Zusammenhalt der Tiere. Dass der Wolf den Mond anheult, ist übrigens ebenso ein Märchen, wie das Bild der reißenden Bestie. Beim Heulen legt der Wolf den Kopf in den Nacken, um sein Rufen möglichst weit fortzutragen. Zu seiner Beute gehören neben Reh-, Rot- und Schwarzwild auch Hasen, Mäuse, Vögel, Aas und Fallobst. Dabei ist die Beute meist jung, alt, verletzt oder krank. Statistisch gesehen sind nur 0,75% der Beute eines Wolfes Nutztiere. Es wird an vertretbaren Lösungen für Nutztierhalter und für den Wolf gearbeitet, um Schafe, Ziege und andere Nutztiere vor Übergriffen zu schützen.

Rotkäppchen lügt


Der Wolfsbotschafter hatte für die Zuhörer auch wichtige Verhaltenstipps im Gepäck, sollte es doch einmal zu einer Begegnung mit einem Wolf kommen: Stehenbleiben, nicht weglaufen, laut ansprechen und Dominanz zeigen. Den Wolf niemals füttern oder anfassen. „Es gibt übrigens keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass mit Auftreten des Wolfes in Deutschland die Anzahl der Großmütter signifikant zurückgegangen ist“, schmunzelte Griemberg und machte noch einmal auf den Slogan des NABU „Rotkäppchen lügt“ aufmerksam. In der abschließenden Fragerunde hatten die Gäste die Möglichkeit, den Wolfsbotschafter gezielt anzusprechen. Peter Griemberg wies auf die Wehrhaftigkeit von Pferden und Kühen gegenüber Wölfen hin. Er lobte die Jägerschaft für deren Verdienst, dass in Deutschland die Tollwut, mit Ausnahme der extrem seltenen Fälle von Fledermaustollwut, nicht wieder aufgetaucht ist. Theoretisch sei es möglich, dass die Tollwut wieder in Deutschland eingeführt wird. Durch die enge Überwachung würde dies aber schnell bekannt und es könnten Maßnahmen wie Schluckimpfungen ergriffen werden.

Nach Sichtungen einzelner Wölfe in der Wedemark und im Raum Celle kann sich der Wolfsbotschafter durchaus vorstellen, dass es auch vor unserer Haustür bald Wolfsnachwuchs gibt. „Der Wolf wird dauerhaft nach Niedersachsen zurückkehren und bleiben – wenn wir ihn denn lassen“, lautete Griembergs Botschaft, die er am „Tag des Wolfes“ den Zuhörern nach seinem spannenden Vortrag über das Leben dieser faszinierenden Tiere mit auf den Weg gab.
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5 Kommentare
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Holger Finck aus Langenhagen | 03.05.2014 | 20:53  
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Irmgard Richter-Brown aus Springe | 04.05.2014 | 10:55  
19.615
Katja Woidtke aus Langenhagen | 04.05.2014 | 18:39  
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Sabine Presnitz aus Schwabmünchen | 04.05.2014 | 20:19  
19.615
Katja Woidtke aus Langenhagen | 05.05.2014 | 09:05  
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