Ein fürstlicher Weihnachtsbraten für jedermann

Florian Huber und Ronny Spindler bereiten das Wildgericht zu.
 
Eine feurige Angelegenheit: Die flambierte Pfeffersoße

Türkenfeld. Viele Anhaltspunkte für das bevorstehende Weihnachtsfest gab es Freitagnachmittag am Türkenfelder Wildgehege nicht. Der Panoramablick über die grüne Weide der Koppel und das nassfeuchte Wetter waren eher typisch für einen Spätherbstnachmittag. Doch nur wenige Meter weiter ließen weihnachtlich verzierte Verkaufsstände und die festlich geschmückte Halle der Türkenfelder Bergweihnacht auf die Adventszeit schließen.

Die milde Witterung kommt Wildzüchter Robert Müller sehr gelegen.
„Wie Sie sehen können, hat unser Wild auch jetzt, Anfang Dezember noch eine grüne Wiese. Wir orientieren die Fütterung weitgehend an der Natur und legen großen Wert auf die ganzjährige Weidehaltung“, berichtet Müller einigen geladenen Gästen und Pressevertretern. Dem Rot- und Damwild stellt er laufendes Wasser zur Verfügung, die Vorratsfütterung wird durch hofeigenes Futter wie heu und Stroh gesichert.
Im Gehege verteilte Äste sollen die Hirsche vom Zaun ablenken. Die 20 Hektar Gehege, zwei Hektar in Türkenfeld und 18 in Walleshausen, sind zudem mit Sicht- und Windschutz ausgerüstet. Auf eine Überdachung hat man verzichtet, um die Tiere naturnah zu halten.
„Die Tiere passen sich dem Winter an und legen sich ruhig in den Schnee um Energie zu sparen. Diese Anpassung geht sogar bis zur Absenkung der Körpertemperatur, wodurch das Wild ohne größere Fütterung den Winter übersteht“, erklärt Robert Müller. Ihm liegt der Einklang von Landwirtschaft, Essen und Kultur am Herzen.
Was dem Türkenfelder Unternehmer momentan mehr Sorge als der bevorstehende Winter bereitet, sind freilaufende Hunde. „In den letzten Wochen mussten wir zwei gerissene Kälber verzeichnen. Eines musste durch einen Mitarbeiter aufgrund seiner schweren Bissverletzungen erschossen werden“, berichtet der Wildhalter mit versteinerter Mine. Er appelliert an die Türkenfelder ein wachsames Auge zu haben und freilaufende Hunde zu melden.


Im Anschluss an den informativen Vortrag über das Produkt Wild versammelten sich die Gäste auf der Galerie der Festhalle. Die Landtagsabgeordnete Kathrin Sonnholzner bedankte sich neben Türkenfelds zweiter Bürgermeisterin Claudia Glas für die interessante Führung.
Glas zeigte sich sichtlich begeistert von der ersten Gehegeschau und freute sich über die sinnvolle Nutzung des Restgrünlands.

Metzgermeister Ronny Spindler aus Scheuring knüpfte an die Reden mit der fachgerechten Zerlegung eines Damhirsches an. Während Spindler Stücke aus dem etwa 42 Kilo schweren Tier heraustrennte, erklärte Robert Müller den Anwesenden, wofür die einzelnen Fleischstücke verwendet werden können. Florian Huber zeigte nach der Zerlegung die Zubereitung eines Wildgerichts. Zusammen mit Kartoffeltalern und einer flambierten Pfeffersoße servierte der junge Koch angebratene Hirschrückenmedaillons. Dazu präsentierte Herr Leichner aus Aichach einige Beeren- und Fruchtweine. Seine Empfehlung zum Wild war ein herber Schlehenwein. Musikalisch untermalt wurde die Mahlzeit vom Tubaensemble des Türkenfelder Blasorchesters.
Professor Dr. Günter Spatz, Landesvorsitzender des Landesverband Bayerischer landwirtschaftlicher Wildhalter e.V. fand zum Schluss noch lobende Worte für Robert Müller: „Robert ist ein Pionier der Wildhaltung. Er hat vor 19 Jahren mit der Selbstvermarktung begonnen und legt besonders viel Wert auf ökologische Wildhaltung und überrascht immer wieder mit tollen Ideen.“
Eine dieser Ideen ist die alljährliche Bergweihnacht, welche, wie soll es auch anders sein, von Wildgenuss geprägt ist.


Stefan Gerum

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1 Kommentar zum Beitrag
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Ursula Schriemer aus Greifenberg am 06.12.2008 um 14:34 Uhr  
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