Wärmedämmung – und kein Ende
Schließlich hat der Bund eine Einergieeinsparungsverordnung erlassen (EnEV) und schießt Geld zu und es geht immerhin um den Klimaschutz und lauter so wichtige Sachen. (Hier ein Erfahrungsbericht zur Diskussion um die Wärmedämmung.)
Ein guter Spezi erzählte mir:
Er hatte beim Landratsamt (weiter südlich!) telefonisch um Beratung zur Wärmedämmung gebeten.
"Packen Sie Ihr Haus mit 20 cm Dämmmaterial ein!", habe ihm der Fachmann geraten.
"Und wer bezahlt das?"
"Ganz einfach: Sie legen Ihr Geld auf der Bank an. 5,5 % sind drin. Und Sie nehmen vom Staat Geld zu 4,49 %!"
Ihm, dem Spezi, schwirrte noch das Bild vom seinerzeit eingehüllten Reichstag im Kopf herum. Da war der Berater schon wieder auf Sendung: "Sie können nichts falsch, sondern nur einen guten Schnitt machen", tönte er, "denn einmal haben sie besagten Zinsgewinn, zum anderen gewinnt Ihr Gebäude an Wert, obendrein gewinnen Sie durch Heizkostenersparnis und sie erreichen zu alldem ein angenehmeres Raumklima!"
Ein wenig marktschreierisch, dachte sich mein Freund, willigte aber ein, einen Besuch zur Erfassung des Wärmedämmwertes des Gebäudes über sich ergehen zu lassen.
Eine Dame sei aufgekreuzt (0,90 € / km), mit einem Fotoapparat bewaffnet und einem Vertrag, der eingangs zu unterschreiben war. Das Gebäude sollte durch Begehung und Hinterfragung erfasst werden. Das lief flott mit einer Stunde Aufwand ab – wofür er dankbar war, denn länger hätte 184,45 € mehr gekostet.
Nach etwa einer Woche die Überraschung:
Die Rechnung über 1211,60 € obenauf. Darunter ein 46-seitiges Geheft, schön gefasst, eingangs verziert durch Fotos des Hauses. Und dann kam es, genau das, was er eingangs als doch etwas zu dick aufgetragen eingeschätzt hatte: Die Einhüllung des Hauses mit 20 cm Warmhalter, gesteigert durch 24 cm Dämmung aufs Dach, ergänzt mit der Empfehlung, die Fenster zu ersetzen, und gekrönt von dem Vorschlag auf Änderung der Heizanlage. Das alles verbrämt mit bunten Säulchen grafischer Darstellungen. Und durchgespielt in fünf Varianten, die von 31000 bis 77000 € Aufwand ausgelegt waren.
Dieser Wärmedämm-Christo hatte also seine vollmundige Werbung tatsächlich ernst gemeint und folglich auch umgesetzt.
Eigentlich sollte man ja schweigen, meinte mein Freund, wenn man sich zum Narren hatte machen lassen. Dennoch: Das Haus war 1970 mit einer Außenmauer von 0,56 k-Wert errichtet worden (die EnEV des Bundes sieht heute 0,35 vor), die Fenster sind vor Jahren mit Verglasung von 1.1 k-Wert ausgetauscht worden (EnEV 1,70) usw. Auf die Erörterung von Unterschieden bei U- und k-Werten kann verzichtet werden. Denn die Aussagen über den vorhandenen Wärmedämmwert des Gebäudes spielten bei diesem Verhüllungskünstler keine Rolle. Da er mit der genannten üppigen Ummantelung arbeitete, konnte es ihm ziemlich wurscht sein, was sich darunter (schon) befand.
Das hätte allerdings auch ein Laie, allerdings ohne Honorarforderung, raten können, dachte sich der Gelackmeierte. (Seinem Fachmann war im Übrigen zu Beginn herausgerutscht, dass die Software für die Ausfertigung seines Berichtes - von irgendwoher, vermutlich von staatlichen Stellen zur Verfügung gestellt - vorhanden sei und er eigentlich nur die Werte eingeben müsse.)
"Und die Moral aus der Geschicht'": Hat sich da nicht jemand einen flotten Euro gemacht (auch wenn er nicht alles bekam, was er sich einbildete)? Und war es nicht wie immer: Wenn der Staat hudlig verordnet und dazu auch noch Gelder ausschüttet, sind da nicht auch gleich eine ganze Reihe schlaue Profiteure zuwerke?
Damit sich das da mit der "Geschicht'" reimt, kann wohl jeder selber weiterdichten – es geht ja immer auf "nicht" hinaus.

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