"Stark im Beruf" – Mehrgenerationenhaus Landsberg qualifiziert Mütter mit Migrationshintergrund

Verleihung der Zertifikate beim Projekt "Stark im Beruf" (von links): Thomas Eichinger (Landrat des Landkreises Landsberg), Heidi Holzhauser (Bundesagentur für Arbeit), Margarita Däubler (Leiterin des AWO-Mehrgenerationenhauses Landsberg) und Axel Flörke (Dritter Bürgermeister der Stadt Landsberg)
 
Gruppenbild mit Damen, Politikern, Projektbeteiligten und Arbeitgebern: Mütter mit Migrationshindergrund bildeten sich im AWO-Mehrgenerationenhaus ein halbes Jahr fort.
Landsberg am Lech: AWO Mehrgenerationenhaus |

Landrat Thomas Eichinger überreichte die Zertifikate im Rahmen einer Feier im Landratsamt

Vera Podarenko hat zwei Abschlüsse – als Lehrerin und Buchhalterin. In Kasachstan hat sie 25 Jahre im Staatlichen Archiv und als Dozentin an der Universität gearbeitet. Vor zwei Jahren kam die Mutter eines Sohnes nach Deutschland, wo ihre Eltern schon länger leben. Integrations- und Deutschkurse hat sie erfolgreich absolviert. Jetzt sucht sie einen Job. Hilfe bekommt sie dabei im Projekt „Stark im Beruf – Mütter mit Migrationshintergrund steigen ein“ des Landsberger AWO-Mehrgenerationenhauses (MGH): mit Einzelcoachings und Beratung, Netzwerktagen, arbeitsbezogenem Sprachkurs, Bewerbungstraining, Praktika und wenn erforderlich, mit Kinderbetreuung. Gemeinsam mit Vera haben 17 Mütter mit Migrationshintergrund dieses Training besucht. Sie alle sind damit für den Schritt ins Berufsleben gerüstet. In ihren Heimatländern waren sie Universitätsdozentin der Agrarwissenschaften, Friseurin, Historikerin oder Krankenpflegerin, manche sind auch ungelernt. Trotz der unterschiedlichen Vorbildung hat das Team des MGH um Margarita Däubler und Betina Ahmadyar alle gut unter einen Hut gebracht.
Am Montag konnten die Teilnehmerinnen ihre Zertifikate in Empfang nehmen – überreicht von Landrat Thomas Eichinger, seinem Stellvertreter Peter Ditsch, Heidi Holzhauser, Leiterin des Kompetenzzentrums für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Bundesagentur für Arbeit, und Margarita Däubler. Im Sommer 2015 hatte Familienministerin Manuela Schwesig diese Qualifizierung gestartet. Denn Mütter mit Migration werden dringend gebraucht: Allein im Regierungsbezirk Oberbayern fehlen derzeit 55.000 Fachkräfte, angesichts des demographischen Wandels wird sich diese Zahl bis 2030 auf 130.000 erhöhen, so Heidi Holzhauser.
„Eine gelungene Integration ist für uns alle der schönste Erfolg“, sagte Landrat Eichinger. Die höchste Hürde dabei sei die Sprache, um Kommunikation auf Augenhöhe möglich zu machen. „Mütter mit Migrationshintergrund stehen bei gleicher Qualifikation weniger im Erwerbsleben als Mütter ohne diesen Hintergrund. Wir brauchen diese Fachkräfte aber in der Stadt und im Kreis“, sagte dritter Bürgermeister Axel Flörke. Er dankte im Auftrag von Oberbürgermeister Matthias Neuner dem MGH und den Projektträgern. Das Projekt beruht auf einer Kooperationsvereinbarung der Bundesagentur für Arbeit und des Bundesfamilienministeriums BMFSFJ und wird aus Fördermitteln der Europäischen Union finanziert, wie Heidi Holzhauser erklärte. Über 300 Städte haben sich deutschlandweit beworben, 89 wurden ausgewählt. „Es gibt in Bayern nur neun solcher Projekte und es freut mich sehr, dass es gelungen ist, gleich zwei in unseren Arbeitsagenturbezirk zu holen, nach Landsberg und Garmisch-Partenkirchen“, so Holzhauser. Mitwirkende vor Ort sind das Jobcenter, die Volkshochschule, die Migrationsberatung Diakonie Oberland, die Frau und Beruf GmbH und die Beauftragte für Chancengleichheit der Agentur für Arbeit Weilheim. „Sie alle haben mit ihrer Expertise dazu beigetragen, dass 200.000 Euro in den Landkreis Landsberg fließen“, lobte Holzhauser. Das Projekt wird im MGH weiterlaufen, mittlerweile hat die dritte Runde begonnen.
Auch Frauen mit geringen Qualifikationen „werden dringend gebraucht – unter anderem in der Pflege, im Handel, in der Industrie, im Hotel- und Gaststättengewerbe“, sagte Holzhauser. Es gelte daher, auch diese Frauen zu begleiten, sie zum Beispiel über Kurzausbildungen weiter zu qualifizieren und ihnen einen beruflichen Einstieg zu ermöglichen. Qualifizierte und gut integrierte Mütter, die gut Deutsch sprechen, erleichterten als Vorbild auch ihren Kindern den Zugang zu Bildung und Beruf. Holzhauser lobte die Zusammenarbeit mit dem MGH, es gebe eine ideale Vernetzung und mit diesem Projekt sei man der Zeit voraus. Dass das Projekt im Landkreis großen Anklang findet, zeigte die Teilnahme vieler Arbeitgeber an der Veranstaltung. An sie gerichtet bat Susann Schmid-Engelmann, verantwortlich für das Einzelcoaching und interkulturelles Gruppentraining im Projekt: „Bitte geben sie den Teilnehmerinnen auch dann eine Chance geben, wenn die deutsche Grammatik noch nicht perfekt ist. Nicht für jeden Beruf braucht man perfektes Deutsch und letztlich kommen die Sprachkenntnisse ja auch durch die Arbeit, durch den Kontakt mit Kunden und Kollegen.“ Sabine Mross führt im Projekt das Bewerbungstraining durch. Sie verwies auf ganz besondere Kompetenzen der Mütter mit Migrationshintergrund: „Sie haben einer deutschen Arbeitnehmerin einiges an Problemlösungskompetenz voraus! Sie sind in ein fremdes Land gekommen, müssen hier Fuß fassen, eine neue Sprache lernen, sich überall durchkämpfen. Dazu gehört sehr viel Mut und das macht Sie stark.“ (sr)
Informationen: www.starkimberuf.de. Telefon 08191–3052791. Am Projekt „Stark im Beruf“ können Mütter mit Migrationshintergrund aller Altersgruppen im Landkreis Landsberg teilnehmen, die beruflich (wieder) einsteigen möchten. Die Finanzierung läuft über den Europäischen Sozialfonds ESF. Die Qualifizierung dauert sechs Monate; anschließend werden die Teilnehmerinnen nicht allein gelassen, das MGH begleitet sie im Netzwerk. Die Teilnahme ist kostenfrei.
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