„Die Zusammenlegung der Mittelschulen ist richtig“: Ein Interview mit Oberbürgermeister Mathias Neuner

 
Beim Spatenstich zum Kinderhaus griff OB Mathias Neuner zur Schaufel
  myheimat: Herr Neuner, der Hauptplatzumbau, ein wahres Mammutprojekt, ist endlich geschafft! Wie haben die Bürger ihr neues Stadtzentrum aufgenommen?
Neuner: Der große Teil der Landsberger Bürgerinnen und Bürger freut sich sehr über den neu gestalteten Hauptplatz. Auch die Besucher unserer Stadt zeigen sich begeistert! Besonders gespürt habe ich die Freude beim Hauptplatzfest. Es ist wichtig, dass wir unseren Platz in der Mitte der Stadt wieder haben und mit ihm mehr Freiraum für Fußgänger gewonnen haben. Ich bin mir sicher, dass er sich in den nächsten Jahren noch positiver entwickeln wird und er dann wirklich jedem gefällt. Es braucht einfach seine Zeit, bis sich alle an die neuen Gegebenheiten gewöhnt haben.

myheimat: Eine Fehlinvestition in Derivate bedeutete einen herben Verlust für die Stadt und mündete in einen Prozess gegen die Bank Hauck & Aufhäuser. Eine vorgeschlagene Mediation lehnte die Stadt ab. Wie wird es weitergehen?
Neuner: Das Verfahren vor dem Landgericht München läuft noch. Am 15.01.2014 ist der Termin zur Verkündung einer Entscheidung.

myheimat: Mit dem Caritasverband Augsburg wurde glücklicherweise ein Träger für das Seniorenheim Heilig-Geist-Spital gefunden. Was wird sich durch diese Trägerschaft ändern? Welche Aufgaben liegen noch bei der Stadt?
Neuner: Ich bin sehr glücklich darüber, mit dem Caritasverband Augsburg einen geeigneten Partner für das Heilig-Geist-Spital gefunden zu haben. 2014 wird der Caritasverband mit dem Bau einer neuen stationären Pflegeeinrichtung beginnen. Das Gebäude wird moderne Pflegestandards mit effektiver Betriebsführung in einem zweckmäßigen und architektonisch ansprechenden Bau verbinden. Bei den Gesprächen lagen uns vor allem das Wohl der Bewohnerinnen und Bewohner und das Wohl unserer Kolleginnen und Kollegen sehr am Herzen. Alle Beschäftigten haben die Möglichkeit, im Rahmen des Betriebsübergangs zu CAB zu wechseln. Da der Tarifvertrag der Caritas dem des öffentlichen Dienstes sehr gleicht, konnte der Wunsch des Stadtrates, dass sich die Situation für das städtische Personal durch eine neue Betriebsführung nicht verschlechtert, Rechnung getragen werden. In einem Beirat werden zwei Vertreter aus dem Stadtrat regelmäßig über das Spital unterrichtet und tragen zum regen Gedankenaustausch bei. Dem Stiftungszweck entsprechend werden bevorzugt Landsberger Bürgerinnen und Bürger aufgenommen und eine seelsorgerische Betreuung angeboten.

myheimat: Für den Lechstrand wurde in diesem Jahr erst eine Interessengemeinschaft, dann ein Förderverein gegründet. Daraufhin entbrannten Diskussionen, ob der Zugang zwischen Inselbad und Lechufer zu öffnen oder schließen ist und wer die Verkehrssicherungspflicht trägt: Stadt oder Verein. Was ist das Ergebnis dieser Diskussionen?
Neuner: Zunächst möchte ich dem Verein an dieser Stelle danken. Mit großem Einsatz hat er den Lechstrand gereinigt und aufgekiest. Er hat uns Landsbergerinnen und Landsberger damit einen lieb gewonnen Platz zurückgegeben. Der Verein trägt nicht die Verkehrssicherungspflicht. Beim Betreten des Lechstrands verlässt man das Inselbad und somit liegt die Verkehrssicherungspflicht auch nicht bei den Stadtwerken.

myheimat: Das sanierungsbedürftige Herkomer-Gebäude musste leider geschlossen werden. Ein neu gegründetes Patronatskomitee sammelt nun Spenden. Werden diese ausreichen, um das geschichtsträchtige Gebäude zu retten?
Neuner: Das Patronatskomitee der Herkomerstiftung setzt sich für die Neugestaltung des Herkomermuseums ein. Die bauliche Sanierung des Museums wurde auf den Weg gebracht. Um das kulturhistorische Erbe nachhaltig zu bewahren und attraktiv zu vermitteln, werden Spenden gesammelt. Hier sind wir für jede Spende dankbar. Bisher freuen wir uns über eine Spendensumme in Höhe von rund 300.000 Euro und ich möchte mich dafür ganz herzlich bedanken. Natürlich wird sich auch die Stadt finanziell beteiligen und wir erhoffen uns zusätzlich öffentliche Fördermittel.

myheimat: Seit diesem Schuljahr gehören die Fritz-Beck- und die Schlossberg-Mittelschule zusammen. Dadurch verdoppelte sich die Schülerzahl. Bis zum Neubau werden die Schüler an zwei Standorten unterrichtet. Wird dies auf Kosten der Unterrichtsqualität gehen?
Neuner: Die Zusammenlegung der Mittelschulen ist wichtig und richtig. Wir haben zwei Gebäude, bei denen dringender Sanierungsbedarf besteht. Zudem müssten beide Schulen mit jeweils einem Neubau erweitert werden. Es macht Sinn, die beiden Schulen an einem Standort zusammenzulegen. Zum einen sind hier Kostengründe zu nennen. Die Unterhaltskosten sind für zwei Schulen höher als für eine. Zum anderen möchten wir unseren Kindern eine zukunftsfähige Mittelschule bieten. Und dazu gehört ein M-Zug, Kooperationsklassen, Sportbereiche, Praxisklassen, die offene bzw. gebundene Form der Ganztagsschule und die vollständige Abdeckung der berufsorientierten Bereiche: Wirtschaft, Technik, Ernährung und Gesundheit. Im Moment werden einige dieser Angebote im Verbund angeboten. Gerade durch die rückläufigen Schülerzahlen wird eine sinnvolle Versorgung an zwei Standorten immer problematischer und damit ist eine Zusammenlegung die richtige Entscheidung für unsere Mittelschüler und auch das Kollegium.

myheimat: In diesem Jahr kamen Asylbewerber nach Landsberg. Die Anwohner begegneten ihren Nachbarn teilweise mit Skepsis. Wie läuft die Integration der Asylbewerber inzwischen? Wird die Stadt noch weitere Unterkünfte bauen?
Neuner: Grundsätzlich ist die Unterbringung von Asylbewerbern die Aufgabe des Freistaates bzw. des Landkreises. Wir unterstützen gerne bei der Bereitstellung von Wohnraum. Ich bin sehr stolz darüber, wie gastfreundlich die Asylbewerber in Erpfting aufgenommen wurden und integriert werden. Bis eine dauerhafte Lösung für die Unterbringung gefunden ist, werden auf einem Grundstück in der Münchener Straße vom Landkreis Landsberg Container aufgestellt. Bauherr ist hier der Landkreis Landsberg, den wir gerne unterstützen.

myheimat: Im November öffnete das lang ersehnte Kinderhaus an der Römerauterrasse seine Türen. Wie fällt Ihre Bilanz hinsichtlich dieses Projektes aus?
Neuner: In Rekordzeit haben wir unser neues Kinderhaus errichtet und sind damit unserer neuen gesetzlichen Verpflichtung zur Bereitstellung von Krippenplätzen gerne nachgekommen. Das Kinderhaus füllt sich im Moment nach und nach und die Restplätze werden im Laufe des Jahres belegt werden. Wir haben das Haus so geplant, dass wir bei Bedarf aufstocken können.

myheimat: Welche Begegnung im Jahr 2013 hat Sie persönlich am meisten beeindruckt?
Neuner: Im Jahr 2013 haben mich sehr viele Personen beeindruckt. Wir haben in Landsberg tolle Firmen mit ausgezeichneten Managern. Sie haben Visionen, einen gesunden Unternehmergeist, wichtiges soziales Engagement und das nötige Know-how, Landsberg wirtschaftlich eine sichere Zukunft zu bieten. Im Haus begeistern mich meine Kollegen mit ihrem Engagement, sich für die Stadt einzubringen immer wieder. Ganz besonders beeindrucken mich aber die vielen stillen Helfer unserer Gesellschaft, die eine wichtige Stütze für uns alle sind und ohne deren unermüdlichen Einsatz unser gemeinschaftliches Leben in unser Stadt nicht so wäre, wie wir es kennen und lieben.
Interview: Tamara Kögel, Bilder: Stadt Landsberg
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin Landsberg | Erschienen am 09.01.2014
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