Wie kam der baltische Bernstein ins Grab des Pharao

Werner Gutmann, der Leiter der Arbeitsgruppe 60plus der Landsberger SPD, konnte Dr. Jürgen Tzschaschel für einen aktuellen Reisebericht durch das Baltikum gewinnen. Gut 35 Besucher konnte Tzschaschel zwei Stunden lang mit seinem Lichtbildervortrag in der Sportgaststätte am Hungerbach informieren und unterhalten.

Faszinierende Bilder über das Kurische Haff mit der Kurischen Nehrung, einer etwa 100 km langen Landzunge an der Baltischen See (Ostsee), heute ein Nationalpark. Fotos von kilometerlangen Stränden ohne einen Menschen weit und breit berichteten von unzähligen verschiedenen Vogelarten, die auf der fast 100 km langen Landzunge zwischen dem Memeler Tief und Cranz nisten. Andererseits vergnügen sich ausschließlich russische Badegäste in den typischen mondänen Badeorten, wie Jürmala, zehn Kilometer von der Hauptstadt Riga entfernt. Der Ort mit einem breiten Sandstrand, Holzhäusern im Jugendstil, Heilquellen und einer Strandpromenade ist der wohl beliebteste Kurort im Land. Neben schönen Badeorten gibt es winzige Fischerorte mit Jugendstilhäusern. Nur Dörfer fehlen. Denn als die Landreformen der 1920er-Jahre die baltischen Republiken zu den egalitärsten Gesellschaften Europas machten, bauten sich die Bauern Einzelgehöfte, die immer noch die Landschaft prägen und kaum verändert wurden. Hauptstädte wie Riga, Vilnius oder Tallinn, über die mehrmals Kriege hinwegrollten und weitgehend zerstört wurden, sind heute Anziehungspunkte für Touristen. Riga wurde in seiner ursprünglichen Form wieder aufgebaut und zählt heute zu den Stätten des Weltkulturerbes. 100 Kilometer süd-ostwärts von Riga der Ventas Rumba, ein Wasserfall des Flusses Venta in Kuldiga, Lettland. Er liegt in der Nähe des Zentrums der Kleinstadt und wird dort mit 110 m Breite als breitester Wasserfall Europas bezeichnet. Bilder von Hochzeitsgästen in alten Trachten gewährten einen Einblick in jahrhundertalte Traditionen.

Viele der Anwesenden haben ihre Wurzeln in den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Ein Blick in die Geschichte durfte deshalb nicht fehlen: Im Hochmittelalter begann die Christianisierung und Unterwerfung Livlands durch die deutschen Ordensritter. Die baltischen Hafenstädte wurden stark von Deutschland, Dänemark und Schweden beeinflusst. Sie kamen zu großem Reichtum und dominierten den Ostseehandel. Auf den Handelsrouten der sog. Bernsteinstraße wurde Bernstein vom Norden in den Süden transportiert. Bernstein ist einer der ältesten Schmucksteine. Es gibt Funde von Bernsteinschmuck, die etwa 10.000 Jahre alt sind. Sogar in Ägypten hat man Objekte aus Bernstein gefunden. Dies erklärt vermutlich auch die Funde im Grab des Pharao.

Im 18. Jahrhundert geriet das Baltikum durch den Großen Nordischen Krieg und die Polnischen Teilungen unter die Herrschaft des russischen Zarenreichs. Im Gefolge des Friedensvertrages von Brest-Litowsk entstanden 1918 die unabhängigen Republiken Estland, Lettland und Litauen. Im Herbst 1939 besetzte die Rote Armee Stützpunkte in diesen Staaten. Dies veranlasste Deutschland 1940/41 die nahezu vollständige Umsiedlung der deutsch/baltischen Bevölkerung in das besetzte Polen. Die verbliebene Bevölkerung Estlands, Lettlands und Litauens stimmte daraufhin der Eingliederung in die Sowjetunion zu.

Am 23. August 1989 bildeten zwei Millionen Menschen die Baltische Kette, eine Menschenkette über eine Länge von 600 Kilometern von Tallinn über Riga nach Vilnius, um für die Unabhängigkeit der baltischen Staaten zu demonstrieren. Insbesondere in Estland stellte die „Singende Revolution“ einen starken Beitrag zur Unabhängigkeit dar. Im Frühjahr 1990 erklärten die baltischen Staaten ihre Unabhängigkeit. Am 1. Mai 2004 traten sie der NATO und der EU bei.

Im Anschluss an die zweistündige Wort- und Bildpräsentation stand Dr. Jürgen Tzschaschel noch für Fragen aus der Gruppe und im Einzelgespräch zur Verfügung. Werner Gutmann bedankte sich für die gelungene Information über die Baltischen Staaten und bei den Besuchern für ihr zahlreiches Kommen.
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2 Kommentare
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 20.11.2016 | 11:31  
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Kurt Battermann aus Burgdorf | 20.11.2016 | 12:04  
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