Stadtheimatpflege neu besetzt!

von Stadt Landsberg aus Landsberg am Lech | am 15.03.2010 | 88 mal gelesen | 0 Kommentare | 0 Bildkommentare | 0 Bilder

Die Bürger erwarten vom Stadtheimatpfleger vor allem eine unabhängige Meinung zum Stadtbild. Dafür scheint nach dem Ausscheiden des langjährigen Stadtheimatpflegers Anton Lichtenstern im Jahr 2009 das richtige Team gefunden zu sein: Frau Elke Kiefer und Herr Dr. Werner Fees-Buchecker teilen sich das Ehrenamt „Stadtheimatpflege“ seit 1. Juli 2009. Nach rund einem halben Jahr ein guter Anlass, einige Fragen an Elke Kiefer und Dr. Fees-Buchecker zu stellen.

Womit stiftet Landsberg am Lech seine Identität – und was kann man tun, um diese zu erhalten?

Dr. Fees-Buchecker: Im Bezug auf Heimatpflege und Denkmalschutz bezieht Landsberg seine Identität aus seiner reichen Geschichte als bayerische Herzogs- und Grenzstadt sowie sein einmaliges Stadtbild. Zur Geschichte gehören auch die dunklen Seiten der Zeitgeschichte, wie die KZ-Außenlager und die Rüstungsbunkerbaustellen im Westen der Stadt. Das in Oberbayern einzigartige Stadtbild resultiert aus der gleichzeitigen Lage am Ufer des Flusses Lech und den Höhen des Steilufers sowie der großen Anzahl von Baudenkmälern. Dazu gehören sowohl die Kirchen und die Kapellen, die öffentlichen Bauten, die Bürgerhäuser und die weitgehend erhaltenen Tore und Türme der Stadtbefestigung.

Elke Kiefer: Kulturelle Identität entsteht, wenn sich Menschen einer kulturellen Gemeinschaft zugehörig fühlen. Identität stiftet die Vorstellung, sich von anderen Individuen oder Gruppen kulturell zu unterscheiden. Das geschieht durch Sprache, Religion, Nation, Wertvorstellungen, Sitten, Gebräuche, Denkmäler der Kunst, der Geschichte, der Natur und der Landschaft. Ziel aller Bemühungen der Heimatpflege soll sein, das überlieferte bodenständige Kulturgut in der ganzen Vielfältigkeit lebendig zu erhalten und breite Bevölkerungskreise damit anzusprechen.

Was tut Landsberg am Lech, um die historischen Schätze der Stadt zu bewahren, ohne sich vor Neuem zu verschließen?

Elke Kiefer: Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht richtig verstehen und auch die Zukunft nicht sinnvoll planen. Heimatpflege ist wie kultureller Umweltschutz, das bedeutet aber nicht, dass die Stadt statisch und unverändert zu erhalten ist. Sie ist ein wertvolles Erbe, aber auch Lebensraum. Wir sind aufgefordert, behutsam mit unserer Stadt umzugehen und sie auf verträgliche Weise zu gestalten. Mein Wunsch ist, dass die Stadtheimatpfleger bei wichtigen Entscheidungen rechtzeitig gehört und einbezogen werden.

Welche Aufgaben hat ein ehrenamtlicher Stadtheimatpfleger?

Elke Kiefer: Kultur ist eine bedeutende Aufgabe von Staat, Kommunen und Bürgern. Bayern hat ein flächendeckendes Netz von Heimatpflegerin/-innen, die ihr Amt in öffentlichem Auftrag ausüben. Sie pflegen die regionale Kultur. Die ehrenamtlichen Stadtheimatpfleger beraten und unterstützen die Stadt Landsberg am Lech in Fragen der Heimatpflege. Sie unterstützen die Denkmalschutzbehörden und das Landesamt für Denkmalpflege in Fragen der Denkmalpflege und des Denkmalschutzes und sind im Vollzug der Denkmalschutzgesetzes und der Baugesetze zu beteiligen.

Dr. Fees-Buchecker: Als ehrenamtlicher Stadtheimatpfleger für Denkmalpflege und Bauwesen bin ich beratend für die Bau- und Kunstdenkmäler, für das Bauwesen sowie die Bauleitplanung, also Bebauungspläne, Flächennutzungspläne und so fort in Landsberg und den Ortsteilen zuständig. Der Stadtheimatpfleger für Denkmalpflege ist zusätzlich zu den Fachbehörden Bayerisches Landesdenkmalamt und der unteren Denkmalschutzbehörde ehrenamtlich in der Denkmalpflege und im Denkmalschutz der Stadt Landsberg tätig. Er berät in Denkmalfragen, nimmt Stellung zu Bauvorhaben und vertritt den Denkmalschutzgedanken im Stadtrat und der Öffentlichkeit. Monatlich nimmt er an den Ortsterminen des Landesamtes für Denkmalschutz in Landsberg und den Ortsteilen, sowie an vielen weiteren Ortsterminen und Besprechungen teil. Darüber hinaus vermittle ich Wissen über den Landsberger Denkmalbestand und die Landsberger Kunstdenkmäler in Vorträgen, Führungen und Veröffentlichungen. Ich bin auch für den jährlichen Tag des offenen Denkmals verantwortlich, der zusammen mit dem Bauamt durchgeführt wird. Als Heimatpfleger habe ich keine Entscheidungsbefugnisse, aber kann beraten, aufklären, mahnen und Dinge anstoßen.
Was sind Ihre Ziele und Projekte als Stadtheimatpfleger für Denkmalschutz?

Dr. Fees-Buchecker: Ziele sind der Erhalt des einmaligen Stadtbilds von Landsberg und Erhalt der Baudenkmäler; Erhalt der typischen dörflichen Baustruktur in den Ortsteilen; Begleitung des Wandels in der Altstadt bei notwendigen Neu- und Umbauten; Erhalt des Natur- und Landschaftsbilds im Stadtgebiet der Stadt Landsberg, Vermittlung des Denkmalschutzgedanken;


Wie lässt sich das Stadtbild aus Ihrer persönlichen Sicht nachhaltig aufwerten?

Dr. Fees-Buchecker: Das Stadtbild braucht nicht aufgewertet werden; es ist schon einzigartig. Verbessert werden kann aber die Erlebbarkeit der Straßen und Plätze, wenn der Verkehr zurückgedrängt oder beruhigt werden könnte.
Elke Kiefer: Die Altstadt Landsbergs ist einmalig. Das Gesamtensemble ist zu schützen und zu erhalten. Größere oder unverträgliche Eingriffe in das Stadtbild sind zu vermeiden.


Haben Sie einen Lieblingsplatz in der Stadt?

Elke Kiefer: Am westlichen Lechufer mit Blick auf die Altstadt.
Dr. Fees-Buchecker: Ein Lieblingsplatz ist die Aussichtsplattform auf dem Jungfernsprungturm mit dem nur von dort erlebbaren Stadtblick von Süd nach Nord über die Altstadt.

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