Merlin oder Das wüste Land
Landsberg am Lech: Stadttheater Landsberg am Lech | Merlin ist Zauberer, Magier, Scharlatan und Moralist. Er wird zum geheimen Inszenator blutiger Ritterschlachten und schaurig-schöner Romanzen. In einer Welt, die ein fabelhaftes Mittelalter neben dem 19. und 20. Jahrhundert aufleben lässt. In den Szenen entstehen Bilder aus verschiedenen historischen Zeiten, die ineinander verwoben werden: Geschichten, Märchen, Liebe, Zank, Eifersucht, die die Vergangenheit und Gegenwart, Vorzeit und Zukunft durchdringen.
Merlins teuflischer Vater trägt ihm auf, die Menschen zum Bösen zu verführen. Merlin widersetzt sich und will mit der Tafelrunde des Königs Artus eine gerechte Gesellschaft in einer friedvollen Welt verwirklichen.
Wie alle Jahrhunderte zuvor, zeichnet sich auch im 21. Jahrhundert das gnadenlose Scheitern dieser Utopie ab – wenn auch heute in einer bisher ungekannten Globalität. So scheitert auch Merlins Utopie an der Wirklichkeit und endet in einem apokalyptischen Inferno, im „wüsten Land“.
Dorst erzählt mit seinem Epos die Mythen des Mittelalters um Artus und Lancelot, Merlin und Parzival als einen Entwurf einer neuen und gerechten Weltordnung. Phantasmagorien und Imaginationen, Clownesken und Spektakel, unpathetische Sprache und Zitatfetzen aus der europäischen Literatur ergeben eine Montage aus Mittelalter und Moderne.
Nach den erfolgreichen Produktionen „Dogville“ und „Woyzeck“, die beide in Landsberg zu sehen waren, zaubern die jungen, impulsiven Schauspieler eine kraftvoll-magische Version des bekannten Dorst-Textes. Mag man auch manche Passagen mit dem Intellekt nicht gleich greifen, packen einen doch immer wieder die Fantasie-Imaginationen und ihre Assoziativkraft. Selten ist Theater so unverkopft und magisch.
Eine Stunde vor der Vorstellung wird es eine Einführung zum Stück und dem Stoff der Artus-Saga im Foyer geben.
Ein reizvoller Theaterabend, für alle, die bereit sind, sich im Theater von fantastischen Bildern und Geschichten mitreißen und ihren Assoziationen freien Lauf zu lassen.
Von Tankred Dorst/ Ursula Ehler
Metropoltheater München
Inszenierung: Jochen Schölch
Eine Koproduktion mit der Bayerischen Theaterakademie August Everding München
www.metropoltheater.com


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