Landsberger Sommermusiken 2014: Ein Sommer-Musik-Märchen

 
Das "Ensemble Berlin" steht für hohe musikalische Qualität
Es geschah im Sommer des Jahres 1999. Ein Oboist der Berliner Philharmoniker kam mit einigen Orchesterkollegen in seine Heimatstadt Landsberg am Lech. Tags zuvor hatten die Philharmoniker mit ihrem traditionellen Sommer-Konzert auf der Waldbühne die musikalische Saison in Berlin beendet. Nun stand Urlaub auf dem Plan. Eigentlich. Denn in diesem Sommer wurde der Grundstein für eine überaus erfolgreiche und einzigartige Konzertveranstaltung gelegt: die 'Landsberger Sommermusiken'.

Der Oboist, von dem die Rede ist, ist der gebürtige Landsberger Christoph Hartmann. Seine Leidenschaft für das Instrument begann mit 12 Jahren in der Landsberger Musikschule. Bald wechselte er zum Konservatorium Augsburg, später studierte er bei Professor Günther Passin in München. Bereits seit 1992 ist Hartmann Oboist bei den Berliner Philharmonikern, der „Orchester-Königsklasse“. Nebenbei unterrichtet er an der Herbert-von-Karajan Akademie, leitet Meisterkurse und betreibt musikalische Soloprojekte. Damit nicht genug. Hartmann ist passionierter Marathonläufer und Mitinhaber eines Fahrradladens in Berlin, für den er sogar eine eigene Rennradmarke entwickelt hat.
Immer wieder kramt Christoph Hartmann auch in alten Bibliotheken, auf der Suche nach vergessenen Stücken für die Oboe. So hat er etwa im Jahr 2011 ein vergessenes Stück von Hubert von Herkomer wieder entdeckt und bei den Sommermusiken in Landsberg aufgeführt.

Dieses Jahr, im Juli 2014, finden bereits die 16. Sommermusiken in Folge statt. 16 Jahre Kammermusik vom Feinsten. Mittlerweile ist das Festival ein fester Bestandteil des kulturellen Jahresprogramms geworden, um nicht zu sagen: DAS musikalische Highlight in Landsberg. Jedes Jahr gibt es Überraschungen, musikalische Leckerbissen, seltene Stücke, oft eigens umgeschrieben und arrangiert für das Ensemble von dem bekannten Augsburger Oboisten und Orchestrator Wolfgang Renz. Zu dem festen Kern von acht bis neun Musikern der Berliner Philharmoniker kommen jeweils herausragende nationale und internationale Gastmusiker hinzu. Dieses Jahr werden die Norweger Tor Espen Aspaas (Klavier) sowie die Cellistin Kjersti Rydsaal erwartet.

Wieso eigentlich, das kann man sich durchaus fragen, kommen jeden Sommer 12 bis 16 Weltklasse-Musiker in die kleine Kreisstadt Landsberg am Lech? Und warum ist das Konzert-Programm oft bis kurz vor Schluss eine Überraschung?

Da wären als Erstes die Spielfreude und die musikalische Freiheit zu nennen. Gerade die Tatsache, dass es in Landsberg kein festes, vorgegebenes Programm gibt, ermöglicht es den Musikern in den drei Probentagen vor der Aufführung, ohne Beschränkungen neue Dinge auszuprobieren und ihrer musikalischen Kreativität freien Lauf zu lassen. Schon oft ist dabei der sprichwörtliche Funke auch auf das Publikum übergesprungen.

Zweitens gab es seit Beginn bis heute eine überaus freundliche Aufnahme in der Stadt Landsberg. Alle scheinen zusammenzuarbeiten, um den Musikern, die hier ohne jede Gage spielen, eine angenehme Zeit zu bereiten. Allen voran sind die Dominikanerinnen des Klosters zur Heiligsten Dreifaltigkeit zu nennen. Musiker, die für gewöhnlich auf ihren Tourneen in den besten Hotels der Welt gastieren, sind nun in den schlichten Klosterräumen mit Gemeinschaftsdusche untergebracht. Die Kinder können im riesigen Garten toben, abends sitzt man am Lagerfeuer. Die Schwestern kümmern sich, so Hartmann, liebevoll und herzlich um ihre illustren Gäste.

Darüber hinaus übernimmt die Stadt die Raummieten sowie Wochenkarten für das Inselbad. Dann gibt es Mittagessen im Gasthof 'Süßbräu', die Einzelhändler dekorieren ihre Schaufenster musikalisch, Discy sponsert die Website und vieles mehr. Die Berufsschule stellt die Räumlichkeiten für die beiden Aufführungen. Das ist insofern erwähnenswert, weil man hier so nah an den Musikern dran sitzt, wie sonst in keinem klassischen Konzertsaal. Eine besonders dichte Atmosphäre ist garantiert. Es scheint, als ob eine ganze Stadt sich freut und dieses legendär gewordene, exklusive kleine Festival mit allen Kräften unterstützt.

Dadurch gelingt gelingt es Christoph Hartmann jedes Jahr aufs Neue, renommierte Musiker nach Landsberg zu locken. Die Inspiration, die von hier ausgeht, Hartmann nennt es „Musizieren auf höchstem Niveau in entspannter Atmosphäre“, ist einfach zu groß. Auch ohne Gage!

Die Vorbereitung und Organisation übernimmt der im Jahr 2001 gegründete gemeinnützige Verein 'Landsberger Sommermusiken e.V.'. Das ganze Jahr über arbeiten die Mitglieder im Hintergrund an der Vorbereitung. Proberäume organisieren, Plakate drucken und verteilen, einen Flügel mieten, Gema-Gebühren und Rechtliches klären, Verpflegung und Unterkunft organisieren, Öffentlichkeitsarbeit. Alles ehrenamtlich.

Seit drei Jahren gibt es zudem einen Förderverein mit mittlerweile mehr als 230 Mitgliedern. Ein geringer Jahresbeitrag hilft die Unkosten des Events zu decken. Dafür kommen die Mitglieder in einen ganz besonders exklusiven Genuss: Am Tag vor der offiziellen Aufführung, immer an einem Donnerstag, findet eine Soiree statt, zu der nur Mitglieder geladen werden. In festlicher Atmosphäre stellt sich jeder Musiker musikalisch vor. Jeder wie er mag. Da kann es auch schon mal jazzig werden.

Das aktuelle Programm finden Sie unter www.sommermusiken.de
Karten für die Konzerte am Freitag, den 4. Juli sowie am Samstag, den 5. Juli gibt es im Vorverkauf im Reisebüro Vivell und im Kreisboten.

Text: Christoph Hartmann, Bilder: Ensemble Berlin
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin Landsberg | Erschienen am 21.06.2014
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