Landsberger Bühne e.V. präsentiert Der Besuch der alten Dame: Eine tragische Komödie in drei Akten von Friedrich Dürrenmatt

Franziska Dietrich in der Titelrolle (Foto: Thorsten Jordan)
 
Franz Krauss und Sepp Wörsching (Foto: Thorsten Jordan)

Wie es bereits seit langem Tradition in Landsberg ist, eröffnet die landsberger bühne e.V. auch das neue Jahr auf der Bühne des Stadttheaters und dieses Mal mit einem kleinen Jubiläum: Der Besuch der alten Dame ist die 90. Inszenierung seit Bestehen der landsberger bühne e.V.

In diesem Klassiker der deutschen Theaterliteratur, 1956 mit Therese Giehse in Zürich uraufgeführt, stellt Dürrenmatt die moralische Standhaftigkeit einer ganzen Stadt auf die Probe: die Milliardärin Claire Zachanassian (Franziska Dietrich) hat ihren Besuch in ihrer Geburtsstadt Güllen angekündigt. Güllen geht es schlecht, die wirtschaftliche Lage scheint aussichtslos – da keimt die Hoffnung auf finanzielle Unterstützung durch die berühmte Tochter der Stadt. Diese stellt auch tatsächlich Geld in Aussicht, knüpft aber Bedingungen an das Angebot: sie fordert den Tod des Kaufmanns Alfred Ill (Sepp Wörsching) und ist bereit, der Stadt dafür einen Scheck über eine Milliarde auszustellen. Sie, die Güllen vor 45 Jahren in Schimpf und Schande verlassen musste, nachdem Alfred Ill sie mit einem Kind sitzengelassen und vor Gericht verleumdet hat, will nun Gerechtigkeit.
Die Güllener, allen voran der Bürgermeister (Franz Krauß) und der Pfarrer (Ralph Wilbert) weisen dieses unmenschliche Angebot entrüstet zurück. Nach und nach vollzieht sich aber kaum merklich ein Wandel in der Einstellung und der Lebensweise der Menschen. Die Sehnsucht nach einem besseren Leben und die Tatsache, dass die damals Davongejagte nun eine berühmte Person ist, beginnen in ihren Köpfen zu arbeiten. Sie fangen an auf etwas größerem Fuß zu leben, die Kaufleute gewähren Kredite, langsam kehrt der Wohlstand nach Güllen zurück. Alfred Ill beobachtet die Entwicklung argwöhnisch und will die Stadt verlassen. In seiner Mischung aus Angst, schlechtem Gewissen und Schuldgefühlen schafft er die Flucht aber nicht, sondern stellt sich dem Gericht seiner Mitbürger.

Friedrich Dürrenmatt zeigt hier in immerwährender Aktualität deutlich die Verführbarkeit und Käuflichkeit der Menschen, die Macht einer Gruppe gegenüber dem Einzelnen und das dringende Verlangen des Einzelnen in eine Gruppe aufgenommen zu werden, auch zum Preis seiner eigentlichen Überzeugung. Das Stück entstand relativ kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und sicher war der Autor noch von den Ereignissen und Entwicklungen dieser Zeit beeinflusst, als vormals geltende gesellschaftliche Werte vom größten Teil der Bevölkerung fraglos durch die unmenschlichen Ideologien und Versprechungen der Mächtigen ersetzt wurden. Eine Zeit, in der sich zeigte, dass Gerechtigkeit ein relativer Begriff ist und von denjenigen erlangt wird, die sie sich 'kaufen' können.

Die Proben unter der Leitung von Claudia Dlugosch und Diedke Lichtenstern laufen bereits auf Hochtouren. Die Premiere wird am 16. Januar 2009 um 20.00 Uhr im Stadttheater Landsberg sein. Weitere Abendtermine sind am 17., 22., 23., 24., 27., 29., 30. und 31. Januar, am 18. Januar findet eine Aufführung um 17.00 Uhr statt.
Der Kartenvorverkauf läuft bereits, Karten erhalten sie im Reisebüro Vivell.

Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin Landsberg | Erschienen am 11.02.2009
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Dietrich Kothe aus Landsberg am Lech am 22.12.2008 um 19:15 Uhr  
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