Landsberger Autorenkreis: Poesie im Wellenschlag, Rekordlesung am Ammersee
Der Landsberger Autorenkreis hatte sich auf Neuland gewagt. Zum ersten Mal in der Geschichte des Kreises traf man sich zu einer freien Lesung im Landgasthof Kramerhof in Riederau am „fernen“ Ammersee.
Organisator und Moderator Gerwin Degmair aus Utting begrüßte alte und neue Autoren, Musiker und Zuhörer in der Maximilianstube, in die man aufgrund der großen Zuhörerzahl kurzfristig umziehen musste. „Wir wollen uns nicht duellieren, sondern brillieren“, sagte er zur Einleitung und wies darauf hin, dass man sich eilen müsse, da sich sage und schreibe fünfzehn Künstler für einen Vortrag gemeldet hatten. Nach einem Eröffnungsstück von Waltraud Schweyer und Edeltraut Dittler, bekannt als das Uttinger Harfenduo, wurde die Reihenfolge der Lesenden bestimmt, indem man Zettel aus einem Korb zog.
Als erstes war Klaus Wuchner an der Reihe, der in seinem Gedicht mit bildhafter, fast plastischer Sprache die Stimmung vor und während eines Gewitters eingefangen hatte. Hans Schütz las ebenfalls ein Gewitter-Gedicht in Stabreimform. Aus seinem breiten Repertoire trug er weiterhin unter dem Motto „panta rhei – alles im Fluss“ Gedichte zur Ammer vor. Roswitha Maria Gerwin aus Riederau war im Autorenkreis erstmals zu hören. Sie schilderte in poetischen Worten ein Bad im Ammersee an einem Morgen im Mai. Auch Verena Wessels, mit ihren elf Jahren eindeutig die jüngste Autorin, las erstmals im Autorenkreis. Ihre frische Stimme passte wundervoll zu den selbst verfassten Gedichten über Natur und Frühling. Moderator Gerwin Degmair prophezeite der Nachwuchsautorin eine große Zukunft im Autorenkreis. Als Fünfte kam Renate Exsz zu Wort. Sie schlug mit vier nachdenklichen Gedichten zu aktuellen Themen unserer Zeit kritische Töne an. Im Folgenden war Gerwin Degmair selbst an die Reihe. Auch er regte mit dem Gedicht „Ein Clown wollt ich sein“ die Zuhörer zum Nachdenken an. Anschließend war Dieter Unkel aus Hofstetten an der Reihe, der ein „nonverbales Gedicht“ auf der Maultrommel zum Besten gab. Als letzter Autor vor der Pause hatte Boris Schneider aus Buchloe das moderne Märchen vom Mann, der nicht „Ja“ sagen konnte, mitgebracht, dessen Nichttat hohe Wellen schlug.
Es fing schon an dunkel zu werden, als nach der Pause Helmut Glatz als „Vielleichtwesen“ die Zuhörer in einer surrealistischen Geschichte auf seine Insel am Ufer der Zeit entführte. Roland Greißl hatte eigens für die Lesung eine Ballade verfasst. In stimmungsvoll- düsteren Worten schilderte er die tragische Fahrt des Bierkutschers Willi über den vereisten Ammersee. Ihm folgte mit Kathrin Gabriel wieder ein Neuling. Die Autorin ließ mit sprachlicher Gewandtheit vergangene Zeiten auferstehen. Aus der von ihr verfassten Vita der Großeltern erstand bildhaft ihre Oma, die sich als Hausmädchen in der Villa eines Fabrikanten bewarb. Josef Böhm aus Oberbergen hatte ein Gedicht dabei, in dem er die Zuhörer in die Welt der Quanten und Elektronen entführte und dabei auch nicht mit Seitenhieben auf die Endlagerfrage sparte. Der bekannte Nonsens-Autor Joachim Giebelhausen beschrieb in seinen Geschichten, wie ein Computer den anderen Matt setzt, wie ein Weltkulturerbe entdeckt wird, und wie relativ gebildete Leute relativ geschickt mit der Relativitätstheorie kokettieren. Carmen Kraus trug Stimmungsgedichte zum Ammersee vor, in denen Woge auf Woge folgte und die Zuhörer „ammerseetrunken“ zurückließ. Auch Max Dietz entführte das Publikum als letzter Autor an den Ammersee. Er beschrieb einen Biergartenbesuch in Stegen, der trotz oder vielleicht gerade wegen dem wortkargen Benno in Erinnerung blieb.
Zwischendurch sorgte das Uttinger Harfenduo immer wieder mit stimmungsvoller Musik für Abwechslung. Als am Ende Moderator Degmair noch ein abschließendes Gedicht zu zwei Aktgemälden aus der Hand seiner Nachbarin Katharina Müller vorgetragen hatte, forderten die Zuhörer noch eine Zugabe auf den Harfen. Zusammenfassend muss man feststellen, dass mit fünfzehn Lesenden von 11 bis über 80 Jahren, davon vier Debütanten, eine wahre Rekordlesung zuende ging. Der Landsberger Autorenkreis hat eine gelungene Osterweiterung vollzogen.





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