Landsberger Autorenkreis: Jubiläumslesung zum 85. Geburtstag von Joachim Giebelhausen
Dass die Jubiläumslesung zum 85. Geburtstag von Joachim Giebelhausen, zu der die Mitglieder des Landsberger Autorenkreises eingeladen hatten, etwas Besonderes würde, war zu erwarten. Dass es aber eine so fulminante Veranstaltung würde –der Saal konnte die vielen Gratulanten und Zuhörer kaum fassen – überraschte alle, vor allem natürlich den Jubilar selber. Man könne stundenlang über sein aufregendes Leben erzählen, meinte Laudator Hartfried Neunzert. Aber auch in den zwölf Minuten, die er zur Verfügung hatte, kam genügend vom Leben Giebelhausens, das geprägt war „von Dramatik und von Poesie“, zur Sprache. Da waren die harten Nachkriegsjahre, die der Kriegsversehrte als Bühnenbildner und Graphiker bei einigen der berühmtesten Regisseure verbrachte. Dann seine Tätigkeit als Fotograf und Filmemacher. Giebelhausen war Schriftleiter zweier bedeutender Zeitschriften, er schrieb 22 fotografische Fachbücher, schuf 24 Zeichentrickfilme, unter anderem für Unterricht und Schulen, und drehte 24 Realfilme. Nach dem Eintritt in den „Unruhestand“ war seine kreative, künstlerische Tätigkeit nicht beendet. Mehr noch: Er konnte nun seiner überschäumenden Phantasie freien Lauf lassen. Er war (und ist) tätig als bildnerischer Künstler, schrieb (und schreibt) unzählige Geschichten, die bisher in zwei Büchern veröffentlicht wurden („Brimborium“ und „Auf der Guillotine ist das Telefonieren mit Handy verboten“; ein drittes ist derzeit im Druck) und entdeckte schließlich seine literarische Heimat im hiesigen Autorenkreis. „Er findet sich wieder in einer besseren Welt, als homo ludens, der unter dem Begriff Nonsens manches tarnt, das ist“, sagte Neunzert.
Und dann kommt Joachim Giebelhausen selbst zu Wort. Dass Satire und Nonsens nicht nur lustig sein müssen, beweist er gleich mit seiner ersten Geschichte „Plusminus“ über den Untergang der Stadt Las Vegas, in der geradezu prophetisch ein Szenarium aufscheint, wie wir es derzeit in Japan erleben, und das den Zuhörern das Lachen im Hals gefrieren lässt. Dann geht es Schlag auf Schlag. Assistiert von seiner Frau Doris und Mitgliedern des Autorenkreises, gibt der Jubilar einen kleinen Querschnitt durch sein literarisches Schaffen, philosophiert über das Thema „Licht“, parodiert auf homerische Weise die Idylle Arkadiens, erlaubt durch ein Astloch den „Blick in eine bessere Welt“, lässt sich von einem bornierten Verleger Ratschläge über erfolgreiches Schreiben geben und wird schließlich wieder makaber-satirisch in der Geschichte von der narrenumtanzten Bombe auf dem Hauptplatz. Natürlich kommt in der Veranstaltung auch die Musik nicht zu kurz: Der zwölfjährige Stefan Böller erfreut am Anfang mit einem Trompetensolo, und das Duo Iris Regele (Klarinette) und Maximilian Hanke (elektrisches Klavier) sorgen mit ihren jazzig-poppigen Rhythmen auf gekonnte Weise für Swing und Schwung.
Ein besonderes sprachliches Kunststück liefert der eloquente Moderator Roland Greißl zum Schluss: Er gratuliert mit einem Geburtstagsglückwunschgedicht, nur aus G-Wörtern zusammengesetzt.





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