Landsberger Autoren zu Gast in Kaufbeuren
Das „Kaufbeurer Literaturforum“ ist ein neues Projekt des Autorenkreises Allgäu, bei dem in bestimmten Abständen befreundete Autorenkreise zu Lesungen eingeladen werden sollen. Die erste Veranstaltung wurde nun mit einem Besuch des Landsberger Autorenkreises erfolgreich gestartet. Verena Bickel, die Leiterin der Kaufbeurer Stadtbücherei, und Peter Würl vom Autorenkreis Allgäu begrüßten sieben Autoren vom benachbarten Landsberger Autorenkreis in den gut besuchten Räumlichkeiten der Bücherei. Der Buchloer Autor Dr. Boris Schneider, Mitglied in beiden Autorenkreisen, moderierte den Abend, der unter dem Motto stand: „Lech, Lyrik, Lustiges - Lernen Sie Ihren Nachbarlandkreis literarisch kennen“.
Gelesen wurde in alphabetischer Reihenfolge. Den Anfang machte die Landsbergerin Renate Exsz. Die Absolventin eines Fernstudiums für Autoren an der Cornelia-Goethe-Akademie, Frankfurt, trug nachdenklich - kritische Lyrik unter anderem aus ihrer Sammlung „Gedachtes, Gelachtes und Erbrochenes“ vor.
Dem letzten „L“ des Mottos, dem „Lustigen“, widmete sich Rudolf Anton Fichtl. Der Rechtsanwalt ist Mitglied des Musikkabarettquartetts „Mistcapala“ und derzeit auch auf Lesungen mit dem Programm „Schräg vorbei an zwei Hydranten“ zu hören. Er brachte mit Schüttel- und Stabreimen, Limericks und schicksalsschweren Abschiedsbriefen die Zuhörer zum Lachen.
Weiter ging es mit Helmut Glatz. Der Autor von Kinderbüchern und phantastischen Erzählungen ist nicht nur Gründungsvater des Landsberger Autorenkreises, sondern auch Spielleiter des Marionettentheaters „Am Schnürl“ aus Kaufering sowie Repräsentant Bayerns für die in Innsbruck beheimatete „Gesellschaft der Lyrikfreunde“. Er ließ in einer humorvoll - selbstironischen Geschichte den kleinen Prinz von Antoine de Saint-Exupéry auf einen weltfremden Dichter treffen.
Nach einer Pause war Thomas Glatz an der Reihe. Der Sozialpädagoge und freie Künstler organisierte von 2000 bis 2005 die Literaturveranstaltung „Open Mic“ in Europas größter Künstlerkolonie, den „Domagkateliers“ in München. In einer Geschichte aus seinem im Black Ink-Verlag veröffentlichten Büchleins „Der dicke Koch hat frei und fährt mit dem Rad zum Teich“ ließ er in einem schwungvollen Monolog den philosophierenden Hausmeister eines berühmten Schlosses zu Wort kommen.
Als nächstes Roland Greißl. Der Fuchstaler Lehrer schreibt, nach eigener Aussage, um tagesaktuelle Probleme unserer Heimat oder der Welt im Sinne einer geistigen Auseinandersetzung zu verarbeiten. In einer Glosse ließ er Professor Dr. Worthohl so lange die Bestandteile seines Namens kürzen, bis nur das Hohl am Ende übrig blieb. Worauf dieser beschloss, in die Politik zu gehen. Mit einigen tagesaktuellen Gedichten zum Geschehen in Japan weckte Roland Greißl anschließend tiefe Beklemmnis.
Die im rumänischen Banat geborene „Sprachenbegeisterte“ Carmen Kraus arbeitet als selbständige Mediengestalterin und Lektorin. Dem Titel ihres ersten Gedichtebandes „Das träumende Kind“ gemäß ließ sie die Zuhörer auf bewegende Weise an ihren Gedanken und Träumen teilhaben.
Als letzter der angereisten Autoren kam der Buchloer Naturwissenschaftler Boris Schneider zu Wort. Er hat bereits Geschichten in über 25 Anthologien bei diversen Verlagen veröffentlicht und schreibt vorwiegend Fantasie- und Gruselerzählungen; seit er Vater ist, auch Märchen oder Kindergeschichten. Mit der humorvollen Erzählung von dem Gespenst Luitpold, vor dem sich die kleine Elvira partout nicht fürchten möchte, beendete er die Vortragsreihe.
Am Ende waren sich alle einig, dass die Veranstaltung ein gelungener Auftakt des Kaufbeurer Literaturforums war. In lockerer Reihe sollen etwa zweimal im Jahr weitere Autoren oder Autorengruppen für Lesungen gewonnen werden. Auch eine Einladung zu einer Gastlesung in die Lechstadt wurde ausgesprochen, so dass es vielleicht bald heißen wird: Allgäuer Autoren zu Gast in Landsberg.





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