„Jagdszenen aus Niederbayern“: Neue Inszenierung im Theatersaal der Freien Waldorfschule

Wann? 16.06.2012 20:00 Uhr
Wo? Freie Waldorfschule Landsberg, Münchener Straße 72, 86899 Landsberg DE
Jagdszenen in Niederbayern: Andersartigkeit ist im Dorf nicht erwünscht (Foto: Saskia Pavek)
Landsberg: Freie Waldorfschule Landsberg | Toleranz gegenüber anderen Menschen, Diskriminierung, Ausgrenzung und alternative Lebensformen sind die zentralen Themen der „Jadgszenen aus Niederbayern“ von Martin Sperr. Hinter der Kulisse einer scheinbar heilen niederbayerischen Dorfwelt brodelt es – Zusammenleben ohne Trauschein und individuelle Lebensformen wie Homosexualität werden geächtet. Die Vorurteile der Dorfbewohner schaukeln sich hoch zu einer regelrechten Treibjagd. Die Situation eskaliert… Martin Sperr sorgte mit diesem sozialkritischen Stück Mitte der 1960er Jahre, als Homosexualität noch ein absolutes Tabuthema war, für einen Aufreger. Noch heute wird der Titel von Sperrs Drama als Synonym für Verleumdung und Hetzjagd gebraucht.
1966 in Bremen uraufgeführt, wurde das Stück 1968 unter der Regie von Peter Fleischmann (Schauspieler waren Autor Martin Sperr, Angela Winkler und Hanna Schygulla) verfilmt. Es folgte die Auszeichnung mit dem Bundesfilmpreis. Das Filmteam hatte damals am Drehort mit genau den Vorurteilen zu kämpfen, um die es im Stück geht. Ein Jahr später dann die Aufführung an den Münchener Kammerspielen unter Mitwirkung von Hans Brenner, Maria Singer, Therese Giehse, Günther Maria Halmer und Ruth Drexel. Seitdem stehen die „Jagdszenen“ immer wieder auf dem Spielplan renommierter Bühnen. Martin Sperr verarbeitete die Handlung zudem in einer Erzählung für Jugendliche unter dem Titel „Jagd auf Außenseiter“.

Neu und zeitlos inszeniert

Nun führt die 10. Klasse der Freien Waldorfschule Landsberg das Drama unter der Regie von Alexander Klessinger und Marcel Sturm als Klassenprojekt auf. In Zusammenarbeit mit den Schülern haben die beiden Regisseure im Laufe eines ein Jahr dauernden Theaterworkshops die Vorlage von Martin Sperr zu einer modernen nicht orts- und zeitgebundenen Inszenierung umgebaut: "Durch den Einbau von Monologen und Moderatorentexten, die teilweise selbst geschrieben wurden, können alle Schüler mitwirken", erklärt Alexander Klessinger. Zudem werde dadurch der Zuschauer mit ins Boot genommen: "Wir wollen den Zuschauer direkt ansprechen und zum Nachdenken bringen, es geht schließlich um ihn", so Klessinger.

Vorstellungen sind am Freitag und Samstag, 15. und 16. Juni, jeweils 20 Uhr im Theatersaal. Der Eintritt ist frei, die Schüler freuen sich über Spenden.
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