Freie Lesung beim Landsberger Autorenkreis
Sieben Autoren hatten sich bei der freien Lesung des Landsberger Autorenkreises in die Leseliste eingetragen, und streng nach Los begann Joachim Giebelhausen den Lesereigen. In seiner Geschichte wirft ein Harlekin mit Geldscheinen um sich, während er auf einer Bombe tanzt; ein makaber-groteskes Bild, das ein moderner Hieronymus Bosch hätte malen können. Die aus Berchtesgaden angereiste Märchenerzählerin Rena Geilich erzählte in eindrucksvoller Weise einige lustig-nachdenkliche Episoden des orientalischen Eulenspiegels Nasreddin Hodscha, so die Geschichte vom Kochtopf, der Kinder kriegt, anschließend aber auch sterben muss. Claire Guinin las eine kulturgeschichtliche Abhandlung der verhinderten Autorin Gertraud Regele über den Adventkranz und sein erstes Auftauchen im Vorkriegs-Bayern, damals als „Julkranz“ mit germanisch unterlegtem Hintergrund. Helmut Glatz, der die Veranstaltung moderierte, ließ in seiner „Kalendergeschichte“ von dem „lebendig gewordenen“ chinesischen Tonsoldaten eine fast vergessene literarische Form wieder auferstehen. Roland Greißl zeigte sich als hochpolitischer Autor, der mit seinem Mundartgedicht „De Kapitalisten“ ein leider nur allzu aktuelles Thema aufgriff. Günther Bohn, Maler und Autor aus Emmenhausen, brannte ein rhetorisches Feuerwerk aus Aphorismen und Gedichten ab, in dem sich kalauernde Sprachspielereien mit tiefsinnigen philosophischen Texten abwechselten. Und zum Schluss Renate Exsz mit einigen ernsten, tiefempfundenen Gedichten. „Hinter den Mauern“ – ein lyrischer Text mit aktuellem Bezug, der vielen zu denken gab.
Das aufgeweckte und angeregte Publikum hatte aber nach zwei Stunden abwechslungsreicher Texte noch nicht genug: Den Lesungen schloss sich noch eine längere, intensive Diskussion über moderne Gedichte und ihre Interpretation an.



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