Die starke Frau im Hintergrund

Es heißt, dass jeder bedeutende Mann (hier bezogen auf Herbert Regele, s. myheimat 11/2006) in seinem Hintergrund eine starke Frau haben muss.

Interview mit Gertraud Regele

Hannes Kothe-Opperau: Frau Gertraud Regele, Sie sind ein beinahe ständiger Gast beim Landsberger Autorenkreis. Was hat Sie veranlasst, sozusagen beizutreten (obwohl es ja keine eigentliche Mitgliedschaft gibt, sondern es sich beim Autorenkreis um eine offene Vereinigung handelt)?

Gertraud Regele: Das ist für mich zunächst einmal eine schöne Insel im Alltagsmeer, einmal im Monat unter Leute zu kommen, die ganz unalltäglichen Interessen haben, sich nämlich mit Literatur und auch mit bildender Kunst befassen. Im Übrigen lebe ich an der Seite eines Literaten, meines Mannes Herbert Regele, und schreibe und veröffentliche selber. Im Landsberger Autorenkreis habe ich zudem die Möglichkeit, meine und meines Mannes Arbeiten vorzutragen und zu diskutieren.

Hannes Kothe-Opperau: Frau Regele, wann und von wem haben Sie vom Autorenkreis gehört?

Gertraud Regele: Das ist schon Jahre her, ich kann es nicht genau benennen. Aber wir, mein Mann und ich, sind ja „eingewurzelte“ Landsberger. Und da bekommen wir so ziemlich alles mit.

Hannes Kothe-Opperau: Was finden Sie so interessant an den Veranstaltungen?

Gertraud Regele: Wie bereits angedeutet: Interessant ist die Möglichkeit, eigene Arbeiten vorzutragen und Meinungen einzuholen. Und es ist wichtig zu lernen, wie man die natürliche Scheu beim Vortrag überwinden kann. Bedeutend ist es auch, die Arbeitsweise anderer Autorinnen und Autoren kennen zu lernen und seine Schlüsse für sich daraus zu ziehen.

Hannes Kothe-Opperau: Frau Regele, wären auch Änderungen oder Weiterentwicklungen des Autorenkreises denkbar?

Gertraud Regele: Man kann freilich alles immer wieder zu verbessern versuchen. Zunächst ist es anerkennenswert, dass eine kleine Gruppe um Helmut Glatz überhaupt die Initiative zu so etwas ergriffen hat, denn Schriftsteller sind ja in aller Regel Einzelkämpfer. Man ist immer willkommen und kann sich sofort angenommen fühlen. Ein neuer Ton könnte in die Runde kommen durch die Anregung, die Sie, Herr Kothe, ja selber geäußert haben, nämlich die Texte (diskreterweise auf Wunsch) offen zu besprechen und zu kritisieren. Denn Kunst ohne Kritik verirrt sich leicht.

Hannes Kothe-Opperau: Was hat eine Gertraud Regele eigentlich zum Schreiben gebracht?

Gertraud Regele: Ganz einfach: die Fülle des Lebens (auch wenn sich das etwas wolkig anhört). Aber da ist natürlich auch das schriftstellerische Wirken meines Mannes zu nennen - und da konnte das Schreiben bei mir als sozusagen partnerschaftlicher Akt gar nicht ausbleiben. Die eigentliche Anregung oder den Anstoß zur Veröffentlichung erhielt ich jedoch an der Uni Augsburg.

Hannes Kothe-Opperau: Wie arbeiten Sie an einem Text?

Gertraud Regele: Da ist zunächst die Erlebniswelt, aus der sich Besonderheiten herauskristallisieren. Da sind die Dinge, die einen immer wieder in der Erinnerung begegnen, selber bereits Episodencharakter haben oder erst kombiniert mit Fantasie geformt und ausgebaut zur Episode werden. Das verfolgt einen dann so lange, bis es den Eindruck erweckt, mitteilenswert zu sein.

Hannes Kothe-Opperau: Wollen Sie Schreibanflängern und all denen, die bereits etwas in der Schublade haben, aber den Schritt in die Öffentlichkeit scheuen, einen Tipp geben?

Gertraud Regele: Nu ja, aus meiner erzieherischen Erfahrung – ich habe schließlich fünf Kinder großgezogen -, weiß ich, dass schlaue Ratschläge meist in den Wind gesprochen sind. Aber ich kann gerne äußern, wie ich es selber gehalten habe:
Zuallererst muss ein Text gut sein, und das wird er erst, wenn er reift. Das heißt, den Gegenstand im Kopf herumtragen und ständig formen, dann erst niederschreiben - und ruhen lassen. Später, sozusagen aus einer anderen Perspektive wieder zu Gesicht nehmen und bearbeiten. Es gilt, dem eigenen Wort zu misstrauen, besonders wenn Gefühle eine Rolle spielen. Und dann muss man Leute finden, die sich die Sache mal ansehen. Das sollten kritische Zeitgenossen sein, nicht unbedingt liebe Freunde, die sich scheuen, einem die schiere Wahrheit zu sagen.

Hannes Kothe-Opperau: Frau Regele, möchten Sie einen kurzen Abriss Ihrer Vita geben?

Gertraud Regele: Ich bin ein Münchner Kindl aus dem Ende der Zwanziger. Meine Jugend hatte ich in der Nazizeit in München-Pasing zu verbringen – und das ist beispielsweise Thema meines Buches. Den Anstoß dazu erhielt ich, wie schon gesagt, an der Uni in Augsburg, die ich von 1989 bis 2004 im Fachbereich Volkskunde bei Professor Kapfhammer besuchte und wo ich auch Vorlesungen in Philosophie hörte. Professor Kapfhammer hatte mich dazu aufgefordert, meine Erlebnisse als Zeitzeugin des Dritten Reiches festzuhalten, freilich aus persönlicher Sicht. Da jede Epoche ein Davor und ein Danach hat, war natürlich meine berufliche Entwicklung als Erzieherin, meine Rolle als Frau eines Lehrers, Herbert Regeles, und Mutter von fünf Kindern in die Darstellung einzubringen. Das Alltagsleben und volkskundliche Betrachtungen wollte ich aufzeigen und damit ein anschauliches Bild des Wandels im 20. Jahrhundert geben. Meine Arbeit erhielt Buchform und wurde nach dem frühen Tod von Professor Kapfhammer von Dr. Bauer begleitet und publiziert.


Interviewer: Hannes Kothe-Opperau, 4. August 2007

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