Einer sagt (zur Abwechslung wieder einmal): Bosheiten ums Miteinander
Einer sagt: Kollegialität ist ein Verhältnis, in welchem ...
... alle aufeinander einreden, aber eigentlich keiner hören will, was der andere sagt,
... man sich im Grunde mehr oder minder freundlich aus dem Wege geht,
... im doch gelegentlichen Miteinander das Eigeninteresse gepflegt wird.
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Kollegiale Zynismen, Dietrich,
die gab es immer und wird es immer geben. Ob allerdings "im doch gelegentlichen Miteinander das Eigeninteresse gepflegt wird", na ja, das hängt wohl stark von der eigenen Persönlichkeit ab, stimmt's?
Was Kollegialität bedeuten kann, merkt man oft erst, wenn man sie nicht mehr hat. Es kann ganz schön wehtun, wenn man da rausgerissen wird ...
... man könnte ja im falle des gefühls des herausgerissenseins kontakt halten (ich hatte mich in meinem "laden" jahrelang um die pensionistentreffen gekümmert und dabei so einige erfahrungen sammeln können bezüglich interesse, achtung, erinnerung, dazugehörigkeitsgefühl, ...)
ich gehe aber bei meinen gemeinheiten von Max Stirners philosophie aus: etwas habe nur insofern wert, als es dem Ich diene. und ich sehe diese einstellung weit verbreitet, und zwar nicht erst in unserer zeit und auch nicht nur in der politik und auf chefetagen. "Mir geht nichts über Mich!", postulierte der zeitgenosse von Marx und Engels (allerdings bekämpften diese kollektivisten Stirner, den radikalen individualisten).
und noch ein gesichtspunkt wäre in dieser angelegenheit zu betrachten: der radikale individualismus komponiert möglicherweise die grundmelodie zur sichtbaren versingelung unserer gesellschaft.
Sicher, Kontakt halten ist eine Möglichkeit.
Ich habe sie in den vergangenen Jahren bewusst nicht genutzt, zu sehr war ich auf meine Probleme fixiert; mit einzelnen Kollegen legte ich auch wenig Wert auf Kommunikation. So langsam taut es wieder etwas auf.
Mit Max Stirners egozentrischer Philosophie habe ich mich nicht näher auseinandergesetzt, er geht in eine völlig andere Richtung als ich. Aber in der Zeit von Marx / Engels war natürlich vieles mit unserer Zeit vergleichbar (Kampf der Millionäre gegen die Hartz-IV-Empfänger; panische Angst, die Reichtumssicherung könnte nicht mehr durch Automatismen garantiert werden, was Unsinn ist, denn das Kapital wird immer mehr einbringen als der Hände Arbeit).
Aber Dein letzter Punkt scheint mir den Nagel auf den Kopf zu treffen: "Versingelung" unserer Gesellschaft, korrelierend mit radikaler Individualisierung, das macht Stirner tatsächlich zu einem brandaktuellen Analytiker. Die typische Wellenbewegung unserer Gesellschaft eben!
Marx, Engels und Stirner hatten treffend analysiert -
ihre folgerungen und forderungen haben sich bekanntermaßen als falsch erwiesen.
Stirners feststellungen zum Ich halte ich nach wie vor für treffend: das Ich steht uns erfahrungsgemäß in unserem mittelpunkt - und hat sich dort auch aufzuhalten, damit wir unser leben gestalten und erhalten können. von gesellschaftlicher bedeutung ist jedoch die entwicklung der fähigkeit, sein Ich überschreiten zu können. und mit diesem bemühen beginnt auch die kollegialität: sich einerseits seiner egozentrik bewusst zu sein, andererseits aber den schritt darüber hinaus zu tun.
damit's keine moralpredigt wird, höre ich jetzt auf (aber ganz ehrlich: damit ich mit jemandem überhaupt in solchen belangen ins gespräch komme, hatte ich meine "einer sagt" abgesetzt).
Das ist es, Dietrich,
die Entwicklung der Fähigkeit, sein Ich überschreiten zu können... Den wenigsten gelingt diese markige Forderung, bei vielen aber ist es gerade der Mangel an Ich, der sie zu Untaten treibt. Einmal im Leben auffällig werden, in der Zeitung stehen usw.
Ob sich die Analysen von Marx / Engels als falsch erwiesen haben, sei dahingestellt. Wenn aber das (zutiefst christliche) Streben nach einem "neuen Menschen", der das Ich auf nahezu Null reduziert und für das Wohl der anderen lebt (Kibbuz, vietnam. Kralsdörfer), sich auf Dauer nur als Utopie erweisen sollte, sähe es auch nicht gut aus für die Zukunft. Die Folgen haben uns die Nationalstaaten im Negativen vorgemacht, unsere Manager als Typen verkörpern es in unserer Gegenwart. Denen ist der andere, der ganz unten steht, nur noch egal. Dann lieber Marx' Ideale ...!
vielleicht lässt es sich auf eine einfache formel bringen: die selbstannahme (wie immer man auch ist) als voraussetzung, sich anderer anzunehmen (wie immer die auch sind) oder selbstliebe als voraussetzung für nächstenliebe ...
klar: formeln sind immer auch bedenklich - aber gerade das ist es ja, man muss es nur unternehmen, dieses bedenken ...
bei vielen leitenden figuren (wo auch immer) ist es möglicherweise so, dass ihr blick aufs eigene Ich durch den aufgabenberg, das bedeutungsgehabe, das betriebskapital verstellt ist. sie sind nicht einmal egoisten, sondern nur so etwas wie tote masse oder allenfalls die kopfzeile in ihren bilanzen. wie könnten sie da ihre mitmenschen als etwas anderes denn als manövriermasse erkennen?
Na, bei dem "Aufgabenberg" reicht es immer noch locker für Lustreisen, Sexabenteuer aller Art usw.! Da ist der Blick für das eigene Ich nur etwas "nach unten" gerutscht.
Dass sie nur die Kopfzeile in ihren Bilanzen sind, ist richtig gut.
Ihre Mitmenschen als Manövriermasse - super!
(Muss jetzt das Autoren-Kreis-Manövrier-Massen-Programm für heute Abend durchgehen.)
Es bietet ja neben einigen Highlights vielleicht auch ein paar Downlights!?
Eine tolle Idee
Erkrath, eine kleine Mittelstadt im Neandertal und das Tor ins Bergische Land, ist nicht nur eine schöne Stadt, sondern auch eine, in der Leute mit...
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