Vom Sinn der Trauer – Nachlese zur Veranstaltung im Pfarrsaal
Landsberg am Lech: Pfarrsaal Mariä Himmelfahrt | Den eigenen Tod stirbt man nur - mit dem Tod der Anderen muss man leben.
Mit diesem Zitat begann Herrn Anton Huber, ehemaliger Geschäftsführer beim Roten Kreuz und Seminarleiter für Trauerbegleitung, Fasten und Meditation, das offene Glaubensgespräch im Pfarrsaal Mariä Himmelfahrt.
Und im Laufe des Abends wurde deutlich, dass es sehr viel Fingerspitzengefühl braucht, um sich dem sensiblen Thema "Unwiederbringlich - vom Sinn der Trauer, der Weg durch die Trauer" anzunähern.
„Du musst jetzt endlich loslassen“. „Stürz dich in deine Arbeit – dann wird Deine Trauer bald weniger“.
Wer kennt diese Floskeln nicht, die oft einer besonderen Hilflosigkeit gegenüber Leid und Tod entspringen. Auch mir sind sie auf meinen ganz unterschiedlichen Trauerwegen immer wieder begegnet. Und auch ich kenne diese Sprachlosigkeit, die sich hinter solchen Worten versteckt.
Vielleicht ist aber auch in unserer Gesellschaft kein Platz mehr für die Trauer.
Und doch sind die Situationen so vielfältig, in denen wir mit diesem Gefühl konfrontiert werden: Trauer über den Verlust des Arbeitsplatzes, Trauer über fehlende Zuwendung. Trauer, dass die erwachsenen Kinder das Haus verlassen, auch bekannt als das Leere-Nest-Syndrom, und nicht zuletzt Trauer, weil wir einen lieben Menschen durch Trennung oder Tod verlieren.
Trauer muss angeschaut und durchlebt werden. Verdrängte Trauer kann langfristig zu Depressionen führen. Herr Huber erlebt des öfternen, dass gerade bei einem Trauerfall alte Verletzungen wieder aufbrechen. Und nicht zuletzt sind diese Krisensituationen auch Anfragen des Lebens selbst. Was kann ich jetzt tun, um die aktuelle Herausforderung zu bewältigen.
Dabei hat jeder Mensch das Recht auf seine ganz persönliche Trauer. Es gibt für die Bewältigung keine Faustformel. Vielleicht einige Hilfestellungen: Klagen dürfen, einen Menschen haben, der mich mit meiner Trauer aushält, die Trauer anschauen, Rituale finden, sich Zeit nehmen für die Trauer, Orte für die Trauer suchen, wie z.B. die Natur, mit dem ganz eigenen Kraftpunkt in Berührung kommen. Religiöse Menschen finden diesen Halt oft in ihrem Glauben. Auch wenn in der konkreten Situation dann manchmal die Kraft für ein Gebet fehlt und der Zorn auf einen "unbarmherzigen" Gott im Vordergrund steht.
Die spürbare Betroffenheit am Ende des Abends zeigte, dass es ein Abend war, der die menschliche Existenz an sich berührt hat. Was ich von diesem Gespräch mitgenommen habe? Sich Zeit nehmen und auf das eigene Herz hören. Damit irgendwann einmal das "Warum" zu einem "Wozu" werden darf und Trauer und Hoffnung wieder Hand in Hand gehen können, weil letztlich
"Der Tod nur der Horizont unseres Lebens ist. Aber im Leben ist der Horizont eben nur das Ende unserer Sicht." (Rudolf Nissen)


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