Die Geburt Christi und ihre Folgen

Eine internationale Diskussion von Theologen verschiedener Glaubensrichtungen (Sendung "Apokalypse" in TV-Arte im Dezember 08)

Innere Entwicklung des Christentums im 1. JH. n. Ch.: Das tatsächliche Geburtsjahr Christi ist nicht genau bekannt. Der Mönch Dionysius bestimmte das Jahr 753 nach der Gründung Roms für das Jahr Null. Das gilt bis heute, ist allerdings nach heutigen Erkenntnissen falsch. Jesus wurde 4 Jahre früher geboren.
Die Judenchristen lebten zu Beginn in ihrer jüdischen Tradition weiter unter Hinzufügung des Erfülltheitsglau¬bens des Messianischen. Gegen Ende des 1. Jh. beginnen die heute gültigen Aufzeichnungen (die Evangelien werden "nach" Mathäus ... genannt). Das letzte, das Johannes-Evangelium, entstand erst zu Beginn des 2. Jh.
Das Problem des Nieder- und Festschreibens: Jesus hatte nichts geschrieben und auch niemand damit beauftragt, es zu tun.

Von Paulus wurden Heidenchristen gewonnen, und es erfolgte die Ausbreitung. "Seit seiner Berufung zum Heidenapostel setzt Paulus einen vollständig anderen Akzent: Nicht mehr die Befolgung der Gesetze errettet, sondern der Glaube." Damit war die Notwendigkeit der inhaltlichen Neuorientierung verbunden (nämlich die Trennung von der Einhaltung der jüdischen Tora). Kompro¬misse mit heidnischen Traditionen (Inkulturation) wurden eingegangen – was heute von Theologen auch verneint wird. Neuchristen pflegten jedoch sicher ihre heidnische Götterverehrung und gesellschaftliche Einbindung weiter, hielten Sklaven ... Selbst Konstantin opferte noch im 4. Jh. in beide Richtungen und führte seine Herrschaft aus, wie es alle Kaiser vor ihm taten: beseitigte Feinde, seine Frau, seinen Sohn, brach Absprachen und Verträge ...)

Etwas Grundsätzliches in der Anfangszeit: Die Juden (wie auch die meisten Apostel) glaubten an ein durch den Messias begründetes Gottesreich aus dem Volk der Auserwählten – ein soz. jüdisches Gottes-Weltreich. Die Nichterfüllung dieser Hoffnung im Jetzt der Apostelzeit führte vermutlich an das Setzen auf die baldige Wiederkunft Jesus im Weltuntergang und dem Weltgericht. Christusglaube war also seit Anbeginn endzeitlich (eschatologisch) ausgerichtet. (Selbst aus den Worten Jesus': Einige von euch werden es erleben ...).

Äußere Vorgänge der Anfangszeit: Der Bürger im römischen Staatsgebilde hatte sich am Kaiserkult zu beteiligen. Die Juden genossen eine Ausnahmestellung. Mit ihrer Ein-Gott-Lehre galten sie zwar als Außenseiter, wurden jedoch toleriert, da sie eine alte Religion pflegten. Gebildete Heiden sympathisierten sogar mit der jüdischen Religion, da diese konzentriert und übersichtlich verfasst war (jedenfalls nicht so fantasiegetragen wie etwa die mythisch verfasste griechische Götterwelt). Als jedoch die (nicht jüdischen) Heidenchristen auftraten, irritierte das ...
64 (Nero-Zeit) brannte Rom. Nur das Viertel, in dem zumeist Juden und Christen wohnten, brannte nicht. So war es naheliegend, diese als Brandstifter zu bezeichnen. Die Chris¬tenverfolgung begann.
Trotzdem (oder gerade deswegen) gab es einen Organisationsfortschritt der Christengemeinden: Sie verfügten über Weisungsstruktur, Hierarchie, Kommunikationsgefüge ... Die Kirche festigte sich vor allem im 2. Jh. (Zu der Zeit waren Christen immer noch eine Minderheit. Eine bedeutendere Rolle spielte der Mithras-Kult, der indisch-wedrisch war und über Persien kam. Er war dem christlichen Glaubensinhalten nahe: Mithras sei GottMensch als Sohn des sonnenhaften Obergottes in einer Höhle geboren, und zwar am 25. Dezember. Er steht für Wahrheit und Bündnistreue und wird am Weltende die auferstandenen Menschen richten. Mithraskult war reine Männersache ... Es wurde sogar – ohne Erfolg – versucht, die beiden Kulte zu vereinigen.)
Innere und äußere Vorgänge verschnelzen: Christen (damals etwa 5 % der Bevölkerung) schafften es, bis Ende des 4. Jh. den Durchbruch aus dem Verfolgtsein heraus zur quasi Staatsreligion zu gelangen, und zwar eingeleitet von Konstantin: 312 Sieg Konstantins an der Milvischen Brücke unter dem Kreuzzeichen über seinen Mitkaiser. Möglicherweise ging dem eine Bekehrung Konstantins voraus, zumindest das Erkennen der Zweckmäßigkeit, sich dieser straff organisierten Minderheit zu bedienen. (Die innere Staatsverwaltung des römischen Herr¬schaftsgebildes war dezentral. Exekutive und Judikative lagen in den Händen der Provinzverwaltungen und wurden dort von einflussreichen Gruppen mitbestimmt (s. Verurteilung Jesu auf Initiative der jüdischen Priester). Rom beschränkte sich soz. auf eine Rahmengesetzgebung, die Außensicherung und -erweiterung und darauf, Steuern eintreiben zu lassen. Die Christen stellten/boten aber so etwas wie eine gut strukturierte Innenverwaltung dar/an, derer sich der Kaiser bedienen konnte, indem er sich an deren Spitze setzte – was er auch tat, siehe Einberufung des Konzils). 313 erlässt Konstantin das Toleranzedikt von Mailand (alle Religionen wurden gleichberechtigt). 325 beruft Konstantins – der noch nicht getauft war – das Konzil von Nicäa ein und führt dort den Vorsitz. Es erfolgt ein Klärungsversuch der Christusnatur als Gott/Mensch. Die Lehre von Arius, der Christus als Mensch sah, (Jesus Christus stände unter Gott und sei eine geschaffene Kreatur, allerdings vor allen anderen Wesen geschaffen und somit auch nicht Mensch im üblichen Sinne) wurde zurückgewiesen. Aber selbst noch unter Theodosius' Regierungszeit Ende des 4. Jh. hing ein Bischof von Konstantinopel weiterhin dem Arianismus an. Auch die Goten wurden arianisch christianisiert. Die Zerrissenheit wird in der Figur Wulfilas, des soz. Gotenapostels, klar, der selber nicht arianisch dachte: Er entwickelte eine Schrift für das Gotische und übersetzte die Bibel (Codex Argenteus in Upsala). Er verglich Jesus mit dem germanischen Sohn-Vater-Verhältnis (Gehorsam, Unterordnung und Treue).

evtl. Fortsetzung

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