Vortrag Dr. Friedrichs beim Autorenkreis
Ein Vortrag „für alle, die Bücher lieben“, war angekündigt worden, und überraschend viele Bücherliebhaber hatten sich bei der Veranstaltung das Landsberger Autorenkreises eingefunden. Dr. Friedrichs, bereits mehrfach in Landsberg zu Gast und in der Fachwelt als ausgewiesener Brecht-Kenner bekannt, referierte diesmal über „Verlage und Buchlandschaft in Bewegung“. Als Lektor des Wißner Verlages war er natürlich ein Kenner der Szene, der das Thema fundiert und anschaulich aufzubereiten wusste. In den letzten Jahren fand, so stellte er fest, geradezu eine Revolution auf dem Sektor des Verlagswesens statt. Gab es in den 80er Jahren noch unzählige Kleinverlage, so sind die meisten von ihnen eingegangen oder von Riesenverlagen mit Umsätzen in dreistelliger Millionenhöhe und Tausenden von Mitarbeitern aufgekauft worden. Ein enormer Preisdruck zwingt zur Massenherstellung und lässt keine kleinen Auflagen zu – alle gieren nach „Bestsellern“. Daneben gewinnen gewandelte Herstellungsarten, Hörbücher, E-Books, und „Printing on Demand“ immer mehr an Bedeutung, und auch auf Erscheinungen wie das Scan-Projekt von Google, Facebook und andere soziale Medien muss der Büchermarkt eine Antwort finden.
An Hand des Wißner Verlages zeigte Friedrichs auf, wie kleinere Verlage versuchen, innerhalb dieser Umwälzungen in Marktnischen und mit innovativen Ideen ihre Existenz zu sichern, indem sie zum Beispiel mit Bildungseinrichtungen wie Universitäten und Schulen zusammenarbeiten, einen lokalen Bezug suchen (beim Wißner-Verlag viele Bücher über Augsburg), sich auf wissenschaftliche Themen (Musik, Theologie...) spezialisieren und auch durch ausgefallene Werbemaßnahmen oder ein vermehrtes Angebot an Live-Veranstaltungen und Lesungen auf sich aufmerksam machen.
Zumindest als Instrument der Wissensvermittlung sei angesichts der Präsenz von Wikipedia und Google die Vorherrschaft des Buches heute beendet, zitierte Friedrichs die Meinung mancher Fachleute. Und langfristig sei auch das belletristische Buch in der Krise.
In der anschließenden, von Moderator Hans Schütz versiert geleiteten Diskussion wurde die Zukunft des Buches weniger kritisch gesehen. Ein Buch sei in seiner Form unersetzlich, meinte einer der Zuhörer. Man könne es zerreißen, Eselsohren hineinmachen, unter einen wackligen Tisch klemmen, aber auch in den Urlaub mitnehmen, verschenken, eine Widmung hineinschreiben und, nicht zuletzt, lieb haben wie einen guten Freund.
Zumindest die Bücherliebhaber des Landsberger Autorenkreises waren sich einig, das „altmodische“ Buch trotz aller digitaler Neuerungen weiterhin in Ehren halten.




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