Wenn sich der falsche Enkel meldet

Im Aufenthaltsraum der Polizeiinspektion. Im Hintergrund Klaus Riedl
 
Werner Gutmann bedankt sich bei Polizeihauptkommisar Klaus Riedl
Die Arbeitsgruppe 60plus der Landsberger SPD war Gast in der Polizeiinspektion Dießen. Polizeihauptkommissar Klaus Riedl begrüßte 20 Besucher und vermittelte einen Überblick über die Einrichtungen der Inspektion. Besucher werden grundsätzlich an der mit Panzerglas gesicherten Wache empfangen. Das Herzstück ist die Kommandozentrale. Hier laufen alle Meldungen ein und werden weiter verarbeitet. Einsätze vor Ort oder auf dem Ammersee werden von dieser Zentrale gesteuert. Viel Aufmerksamkeit zogen zwei Ausnüchterungszellen auf sich, bevor es in den Aufenthaltsraum der Inspektion ging, um dort Sicherheitstipps für Seniorinnen und Senioren zu erfah-ren.

Sehr eindrucksvoll schilderte Klaus Riedl die Tricks der Betrüger denen vorrangig ältere Menschen zum Opfer fallen: Beim sogenannten Enkeltrick wurden nicht selten Beträge im fünfstelligen Bereich erbeutet. „Misstrauen ist immer angebracht, wenn sich Personen am Telefon als Verwandte oder Bekannte ausgeben, die sie nicht kennen oder lange nichts von ihnen gehört haben. Fragen Sie bei finanziellen Forderungen unbedingt bei Familienangehörigen oder dem Enkel nach. Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen. Wird ihnen die Lage als äußerst dringlich dargestellt oder wird durch häufige Anrufe Druck ausgeübt, verständigen Sie unbedingt die Polizei, “so Klaus Riedl.

Andere Tricks spielen sich häufig an der Wohnungs- oder Haustüre ab: „Hilfegesuche wie: kann ich ein Glas Wasser haben, mir ist schlecht oder ich bin schwanger. Ich muss eine Tablette nehmen, kann ich in die Küche kommen. Kann ich schnell telefonieren, ich hatte einen Unfall.“ Auch oft gehört: „haben sie Papier und Bleistift, ihr Nachbar ist nicht zu Hause, ich möchte eine Nachricht hinterlassen.“ Nur ein kleiner Ausschnitt an Vorwänden mit denen die Diebe und Betrüger nur ein Ziel im Auge haben, in die Wohnung zu gelangen.

„Andere Täter stellen sich in amtlicher Eigenschaft vor. Sie treten als Polizei- oder Kriminalbeamte auf, als Heizkostenableser oder Beauftragte der Hausverwaltung, als Mitarbeiter der Kirche, des Sozialamtes, als Postzusteller oder Mitarbeiter der Telefongesellschaft. Lassen Sie sich von unbekannten Amtspersonen den Dienstausweis zeigen. Sprechen Sie zudringliche Personen energisch und laut an oder rufen Sie um Hilfe. Dies hilft meistens einen falschen Polizisten von einem echten Betrüger zu unterscheiden und oft sucht er das Weite. Benutzen Sie ihren Türspion und öffnen sie nur mit eingelegtem Kastenschloss mit Sperrbügel oder Sperrkette. Vergewissern Sie sich vor dem Öffnen, wer zu ihnen will. Schauen Sie aus dem Fenster oder benutzen Sie die Türsprechanlage, “ rät Klaus Riedl.

Sollte trotz aller Vorsicht einmal etwas passieren, verständigen sie die Polizei. Wenn eine Straftat beobachtet wird, spielen sie nicht selbst den Helden. Helfen sie in Notfällen nur im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Helfen Sie ohne sich selbst zu gefährden. Prägen sie sich das Aussehen des Täters ein und alarmieren sie so schnell wie möglich die Polizei. Die Notruftelefonnummern 110 und 112 sind kostenfrei. Beschreiben sie dann, was passiert ist, so genau wie möglich und stellen sie sich als Zeuge zur Verfügung.

Die überaus interessanten Ausführungen von Klaus Riedl lösten viele Fragen aus, die er weit über die vereinbarte Zeit hinaus beantwortete. Ihm und seinen Kollegen ist es ein zentrales Anliegen nicht im Ernstfall, sondern präventiv tätig zu werden. Werner Gutmann, der Leiter der Arbeitsgruppe 60plus, fand anerkennende Worte für die für die vielen nützlichen Tipps von Klaus Riedl und für den angenehmen Aufenthalt seiner Gruppe in der Dießener Polizeiinspektion. Eine der wenigen noch verbliebenen selbständigen Inspektionen in Oberbayern. Sie hat ihren Sitz in einem denkmalgeschütztes Gebäude mit stattlichem Steilsatteldachbau mit Aufzugsöffnungen und Putzgliederung aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhundert. Das Portal ist mit reichem Schnitzdekor bestückt, das um 1879 entstand.
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