Es ist normal verschieden zu sein - Pilotprojekt "Inklusion in der Kindertagespflege"

Einladung Abschluß "Inklusion in der Kindertagespflege"
  Landsberg: Heilpädagogische Tagesstätte, Lebenshilfe | In einer kleinen Feierstunde in der Lebenshilfe Landsberg überreichte Frau Bürgermeisterin Baumgartl zwölf Frauen, überwiegend Tagesmüttern, ihre Teilnahmebestätigungen an der Fortbildung “Inklusion in der Kindertagespflege“, einem einzigartigen Pilotprojekt in Bayern.

Für Neugierde sorgte bereits das Bergbild der Malerin Andrea Skorpil auf der Einladung. Darauf war die Veranstaltung als kleine Bergtour ausgewiesen. Kletterzubehör und Brotzeit wurden vom Kinderbüro, einer Einrichtung der Frau und Beruf GmbH und der heilpädagogischen Tagesstätte der Lebenshilfe Landsberg am Lech gestellt.

Die Projektleiterin, Isolde Welzmiller, zeigte bereits zu Beginn mit ihrem Kurzfilm über Inklusion, dass diese nur dann gelebt werden kann, wenn eine Erklärung nicht nur den Kopf sondern auch das Herz erreicht. Hier bot Uschi Pfaffeneder, eine Teilnehmerin an der Fortbildung, mit Ihrer Vorstellung des Projekts Hilfestellung an. Die anfangs noch verwunderten Besucher erkannten schnell die Analogie im mitgebrachten, großen Stein mit unterschiedlichen Kletterhaken, mit Hammer und Bohrmaschine.

Frau Pfaffeneder verglich das Leben mit einem behinderten Kind mit einer Bergtour, für die es oftmals keinen Plan, geschweige denn eine Seilbahn gibt. Die Betroffenen müssen mühsam diesen Berg besteigen, nur um dabei festzustellen, dass Kletterhaken oder gar Ruhestellen fehlen, um die Schönheit eines gelebten Lebens trotz allem wahrnehmen zu können. Sie verstand deshalb dieses in Bayern einzigartige Pilotprojekt als Chance selbst zum Kletterhaken zu werden. Dabei geht es nicht nur um rollstuhlgerechte Zugänge, einem Tandemlehrer in Inklusionsklassen, einem Betreuungsplatz für ein Kind mit einem besonderen Förderbedarf. Es geht darum, dass Inklusion erst einmal in eigenen Kopf stattfinden muss. Und dann reicht manchmal schon ein aufmerksamer Blick im eigenen Umfeld. Denn oft sind es nicht nur die offensichtlichen Behinderungen, sondern auch die Kinder und Erwachsenen, deren Lebensrucksack aufgrund Alter, Herkunft oder sozialem Hintergrund besonders schwer ist. Damit dies nicht vergessen wird, verteilte sie zum Abschluss ihrer Vorstellung kleine Kletterhaken, die immer wieder neu an die gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft erinnern sollen. Wohlwissend, dass auch die eigenen Grenzen und Möglichkeiten im Blick bleiben müssen.

Frau Stamm, die Leiterin der Lebenshilfe, schloss sich diesen Ausführungen an, die auch die Ausbildung selbst mit einer Bergtour verglichen hat. Oftmals gab es in den 80 Unterrichtseinheiten Situationen, die den Teilnehmerinnen fremd waren. Wo sie Vertrauen benötigten und wo sie in letzter Konsequenz ihren Blickwinkel ändern mussten, um das Lebensumfeld eines Behinderten nicht nur theoretisch, sondern auch aufgrund der eigenen Erfahrungen wahrzunehmen. Denn bereits Richard Weizsäcker wusste, dass nicht behindert zu sein, kein Verdienst ist, sondern ein Geschenk. Ein Geschenk, das Jedem, jederzeit genommen werden kann.

Gruß- und Dankesworte überbrachten anschließend noch die stellvertretende Landrätin Frau Kurz, Herr Lauer, der Geschäftsführer der Lebenshilfe Landsberg, Frau Hochschwarzer von der Frau und Beruf GmbH sowie Frau Juchem, Beauftragte für Menschen mit Behinderung im Landkreis Landsberg am Lech. Der Mut und die Offenheit von vier Müttern, die ganz persönliche Einblicke in ihren Alltag mit einem behinderten Kind ermöglicht hatten, wurde mit einem Blumenstrauß gewürdigt.

Das Projekt wurde finanziert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus Mitteln des ESF Europäischer Sozialfonds und kofinanziert durch das Landratsamt Landsberg am Lech. Frau Dürbeck, Leiterin des Kinderbüros Landsberg am Lech konnte auch noch eine sehr erfreuliche Mitteilung machen: Seit 1. Juli gelten neue Entgeltsätze bei der Berechnung der Honorare für die Tagesmütter die Kinder mit einer Behinderung betreuen. Das Amt für Jugend und Familie zahlt - im Vergleich zu Regelkindern - deutlich höher Beträge aus. Für die Eltern bleibt die Betreuung trotzdem finanzierbar!

Die Veranstaltung klang mit einem kleinen Stehempfang aus, bei der das Kinderbüro auf die nächsten Veranstaltungen verwies: Bereits im Herbst startet die nächste Grundqualifizierung für Tagespflegepersonen mit IHK-Abschluss und spätestens 2015 soll die nächste Weiterbildung „Inklusion in der Kindertagespflege“ angeboten werden. Die Ansprechpartnerin hierfür: Petra Dürbeck, Tel. 08191/42829-70, info@kinderbüro.de
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin Landsberg | Erschienen am 16.08.2014
myheimat-Stadtmagazin Landsberg | Erschienen am 09.01.2015
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