Aktion II im Seniorenheim: St. Martin
Am 5.11. ist mein Thema Sankt Martin. Ich habe vor, mit den Bewohnern etwa nach dem folgenden Muster zu arbeiten.
Ergänzungen und Ratschläge sind auch dieses Mal willkommen.
Martinskonzept im Seniorenstift 5.11.07
1. Einführung: 5'
Ich setze mich verkehrt auf meinen Stuhl und "reite" in die Runde: "Ich bin Martinus, ein Offizier des römischen Kaisers. Auf stolzem Ross ritterlich gerüstet, mein Schwert an der Seite, mein roter Mantel weht im Wind!"
"Ach, was ist denn das dort? Ein beinahe nackter Mensch – und das bei dieser Kälte!"
Ich springe vom Pferd und bin jetzt, auf dem Boden kauernd, der Mann: "Herr Offizier, mir ist so kalt!"
Jetzt wieder auf meinem "Pferd": "Ha! Das kennt man! Du hast sicher dein ganzes Geld in einer Kneipe verprasst, getrunken und gespielt – dein letztes Hemd verspielt!"
Wieder der Mann, am Boden: "Nein, bei Gott! Räuber haben mich überfallen, mir alles weggenommen. Und weil ich kein Geld hatte, haben sie auch noch gespottet, dass es sich nicht mal lohnt, mir das Messer in den Leib zu rennen. Ich würde sowieso bald erfrieren! Bei Gott, ich sage die Wahrheit!"
Als Martinus, oben: "... bei Gott? – Glaubst du auch an den einen Gott, den sie damals da unten in Palästina ans Kreuz geschlagen hatten? Bei Gott, da glaube ich dir, denn diesen Christen ist es ja verboten zu lügen! – Ich kann dir aber leider nichts geben – außer etwas von meinem Mantel, damit du nicht mehr gar so sehr fierst!"
Geste: Mit dem Schwert ein Stück Stoff abtrennen. "Komme zum Kastell, zur Kaserne eben, da werde ich dich versorgen lassen – ich werde dort sagen, sie sollen dich an meinem Mantelstück erkennen!"
Als der Mann, unten, nach oben blickend: "Ein Heiliger!"
Ende der Szene.
evtl. Auswertung: das Teilen (in kalter Zeit) als Martinsprinzip
2. Die Teilnehmer/innen erzählen aus ihrer Erinnerung:
damals / bei uns ... 10'
3. Ein Gedicht wird bearbeitet (Kölner Platt wird in Standard übersetzt – das Gedicht wird vervielfältigt ausgeteilt und ein Stift dazu ausgehändigt – Schreibauftrag ergeht) 20'
dä hellge Zenter Mätes
Dä hellge Zenter Mätes, dat wer ne jode Mann
dä jev dä Kinder Kärzer un stoch se selver an
Butz, butz widder butz, dat wer ne jode Mann
Dä hellge Zenter Mätes, dä kütt och hück zo uns.
Drom gommer met dä Fackele, et freut sich kleen und groß
Butz, butz widder butz, dat wer ne jode Mann
Stillarbeit einzeln oder in Gruppen – Hilfestellung – Sichtung der Ergebnisse.
Die Senioren berichten über ihre Kinderverse und tragen ggf. vor.
3. Eine Geschichte wird vorgetragen (Die Teilnehmer können mitlesen) 10'
„Ein offenes Herz schließt die Türen auf“
(Claus Peter März)
Vor vielen Jahren – so erzählt eine Geschichte - gab es eine kleine Stadt, in der die Menschen glücklich und zufrieden miteinander lebten: Sie gingen ohne Streit ihren Geschäften nach, halfen einander, wo immer sie konnten, und ließen keinen in der Not allein. Eines Tages aber gab es einen großen Krieg, und auch über die Bewohner jener kleinen Stadt kam viel Unglück: Zuerst kamen die Soldaten – sie fielen in Häuser ein und raubten, was immer sie finden konnten. Dann kamen Flüchtlinge, die um Brot baten – und die Leute, die selber nicht mehr hatten, wussten nicht, wie sie ihnen helfen sollten. Dann zogen Räuberbanden über das Land – sie nahmen den Menschen das Letzte und ließen sie arm zurück.
Als endlich wieder Ruhe ins Land eingezogen war und alle wieder daran gingen, die Häuser aufzubauen und die verwüsteten Felder zu bestellen, da sagten die Bewohner jener Stadt zueinander: „Das soll uns kein zweites Mal passieren. Wir bauen eine Mauer um unsere Stadt, so hoch, dass sie niemand übersteigen kann. Wir ziehen Gräben um unsere Stadt, so tief, dass niemand sie überwinden kann. Wir machen die Tore der Stadt so fest, dass keiner sie aufbrechen kann. Von nun an lassen wir keinen Fremden mehr herein, denn die Fremden haben uns nur Unheil gebracht. Wir bleiben für uns – jeder Fremde ist von nun an unser Feind. Dann wird uns niemand unser Brot streitig machen, niemand wird uns unsere Häuser nehmen, und wir werden endlich miteinander in Frieden leben können.“
So groß war die Angst, dass sie auch gleich daran gingen, ihren Plan auszuführen: Sie bauten eine Mauer so hoch, dass niemand sie übersteigen konnte; sie zogen um die Mauer einen Graben, den niemand überwinden konnte, und machten das einzige Tor, das Zutritt in ihre Stadt gewährte, so fest, dass niemand es aufbrechen konnte. Und als sie fertig waren, sagten sie zueinander: „Nun haben wir endlich unseren Frieden.“
Und zunächst schien es auch so, als würde ihr Plan aufgehen. Die, die ihnen übel wollten, suchten die Stadt nicht mehr heim, denn sie wussten, dass sie gut geschützt war. Aber auch das fahrende Volk, die Bettler, die durch das Land zogen, kamen nicht mehr. Und wenn doch einmal einer am Stadttor um Einlass nachsuchte, dann wurde er von den Wachen weggeschickt: „Dies ist keine Stadt für Fremde. Geht anderswohin. Wir können euch nicht brauchen, und wir wollen euch auch nicht haben.“
Der Ruf von jener verschlossenen Stadt verbreitete sich überall im Land – bald kam niemand mehr. Nun waren die Menschen dieser Stadt ganz für sich – sie waren unbehelligt, unbeachtet, gesichert, eingeschlossen. Nun hätten sie eigentlich froh sein müssen: Sie hatten ihre Stadt ganz für sich selber, ihre Straßen waren nur für sie selber da, ihre Häuser waren ganz allein für sie da, ihre Bäume blühten nur für sie, und auch die Glocke im Kirchturm schlug nur für sie die Stunden. Sie brauchten nichts mehr zu teilen, sie brauchten keine Angst mehr zu haben, dass irgendeiner käme, um ihnen etwas wegzunehmen.
Doch froh waren sie nicht. Denn bald schlossen sie so, wie sie ihre Stadt vor den Fremden abgeschlossen hatten, ihre Häuser voreinander ab.
Bald war jeder misstrauisch darauf bedacht, dass der andere ihn auch ja nicht übervorteilte. Bitter wurden sie und misstrauisch.
Eines Tages aber geschah etwas Merkwürdiges:
Draußen vor dem Tor der Stadt erschienen plötzlich drei Kinder – zerlumpt waren sie, ausgezehrt und hungrig. Sie hatten sich verlaufen und baten um Einlass, weil sie sonst verhungern müssten. Zwar schickten die Wachen sie weg, doch die drei Kinder waren so entkräftet, dass sie nicht mehr weiter konnten und die ganze Nacht vor dem Tor liegen blieben. Am anderen Morgen konnten es einige Bewohner der Stadt einfach nicht mehr mit ansehen: Für einen kleinen Spalt öffneten sie das große Stadttor, das viele Jahre nicht mehr geöffnet worden war. Vorsichtig holten sie die entkräfteten Kinder in die Stadt. Und plötzlich waren alle ganz besorgt um sie: Einer brachte neue Kleider, ein anderer etwas zu essen, ein dritter nahm sie in seinem Haus auf...Jeder wollte irgendetwas tun.
Schon nach drei Tagen waren die Kinder wieder bei Kräften und konnten ihren Weg fortsetzen. Die Leute der Stadt gaben ihnen viel Geschenke mit und schauten ihnen lange Zeit von der Stadtmauer her nach.
Schließlich sagte einer: „Wie schön ist es, andere Menschen aufnehmen zu können. Es ist wie ein großes Geschenk. Deshalb dürfen wir uns in Zukunft nicht mehr in unsere Stadt einschließen.
Wir müssen das Tor weit auftun. Jeder soll bei uns seinen Platz haben. Jeder soll uns willkommen sein.“ Und so taten sie das Tor der Stadt auf. Und mit dem Tor taten sie auch ihr Herz auf und nahmen die anderen wieder bei sich auf.
Bald merkten sie, dass dies nicht nur für die anderen ein Geschenk war, sondern auch für sie selber.
Entnommen: Helga Mondschein, „St. Martin“, St. Benno-Verlag, Leipzig, 1993
4. Plaudern zum Ausklang ...

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