Up en Laffer Marke

Pufferbäcker Lafferder Markt 1983
 
(Onkel) Franz Burgdorff ( *1909 +1984)
 
Puffer seit 1978 Foto Horst Burgdorff
Franz Burgdorff sen. ( *1909 +1994), von Vielen „Onkel Franz“ genannt, sprach noch perfekt Laffersch Platt. Er, der Initiator der Pufferbude des Lafferder Marktes, schrieb im Jahre 1986 ein humoristisches Theaterstück, das er „Up en Laffer Marke“ nannte.
Wenn, wie in dem Theaterstück, völlig belangloses, dummes Zeug, evtl. noch mit Augenzwinkern und Ernst, erzählt wird, dann nennt man das auf Laffersch Platt „Detsche kören“. Manche Zeitgenossen waren darin hochbegabt.

Der Leser bekommt hier einen sehr informativen Einblick, wie Franz Burgdorff das Laffersch Platt schriftlich darstellte. Die gängigen Worte sind leicht verständlich. Auf phonetische Darstellungen, die bei manchen Autoren oft falsch und verwirrend verwendet werden, hat er sinnvollerweise verzichtet. Klimmzüge wie „Jemaine“ für „Gemaine“ (Gemeinde), „Doage“ für Dage (Tage), „loat“ für „lat“ (lass), „upstoahn“ für „upstahn“ (aufstehen), „Soage“ für „Sage“ (Säge) oder „koane/kaane“ für „kaine“ (keine) hat er vermieden. Diese Lautmalereien werden dem lafferschen Platt nicht gerecht und erschweren darüber hinaus das Lesen und Verstehen.
Das „G“ wird stets als „G“ geschrieben, auch wenn man es manchmal weich wie ein „je“ spricht. (Das passiert im Hochdeutschen auch, meistens dann, wenn ein Wort mit „ge..“ beginnt, z.B. „gelingen“.) Am Wortanfang fehlt das „G“ oft ganz (z.B. „enumen“ für „genommen“).
Sehr häufig ist das „ a i“. Man spricht es wie ein gedehntes „A“ mit einem nicht wahrnehmbaren nasalen „I“. Angewendet wird es für unterschiedliche Buchstabenkombinationen wie z.B. bei „Sai“ für „Sie“ oder „dai“ für „die/der“ oder „hait“ für „heiß“ oder „Saisse“ für „Sense“.
Es wird niemals als „ei“ (wie z. B. in „Eier“ oder „Feier“) benutzt. Wenn ein „ei“ zu sprechen ist, wie z.B. bei „Jei“ (für “Ihr“), „Teid“ (für Zeit), „heier“ (für „hier“) oder „Sweine“ (für Schweine), dann wird es auch mit „ei“ geschrieben. Wann allerdings ein Wort mit „ei“ zu schreiben und zu sprechen ist oder wann statt des „ei“ ein „ai“ verwendet werden muss, ist heutzutage wegen des mangelnden Sprachgebrauchs nicht immer leicht zu entscheiden.
(Anmerkung: Die Texte zum Plattdeutschen Gottesdienst am 21.09.2014 hätten, wenn sie von Franz Franz Burgdorf ins Laffersche Platt übertragen worden wären, anders ausgesehen.)


Beim allerersten Pufferbacken zum Lafferder Markt wurde von den Mitgliedern der damaligen Heimatgruppe und dem Pufferbackerteam der Pufferteig selbst gerieben und das Apfelmus aus aufgesammelten Falläpfeln selbst hergestellt. Bald danach stellte man auf vorgebackenen Schwarmstädter Puffer und fertiges Apfelmuss um. Im Jahre 2014 wurden die Puffer erstmals aus fertig gekauftem Pufferteig gebacken.



Die Namen der Protagonisten des Theaterstückes sind mit den Vornamen der Schauspieler bzw. den Namen anderer Groß Lafferder Einwohner identisch. Manches beruht auf tatsächlichen Gegebenheiten (z.B. Karsmarski).
Und nun viel Spaß beim Lesen:

Claus:
Güden Dag, Lina, haste all en paar Puffer gar? Uder hät Jei dai Panne noch nich in Gange?
Lina:
En Ugenblick mosste noch tai`m. Dai Panne is noch nich richtig in Swunge. Drink man tä`n Anfang ierstemal en Appelkorn, dai warmet.
Walli:
Mestersche, dai iersten Puffer sind gar, et kann angahn.
Lina:
Na, denne man her damidde. Claus, wuviel wudde denne häm`m?
Claus:
Vurn Anfang recket twai ierstemal hen. (Nimmt Sie in die Hand und verbrennt sich, schmeißt sie in hohem Bogen weg). Au, dai sind ja hait wei sän Sticke Eisen, wat in Fuier elegen hat.
Lina:
Wat von dai Panne kummt, is nich immer kult, - waist Dü dat denne nich? Heier haste twai andere.
Claus:
(Pustet und wartet ein bisschen. Als er den ersten Happen herunter hat, sagt er:) Oh, dai smecket ja beder wie voriget Jahr, und dat Appelmäß smeckt uk wei Zucker. – Wu maket Jei denne dat eigentlich?
Lina:
Maket, wei maket gar nix anne. Dai kreiget wei sä geleiwert von Hennig üt Schwarmstedt.
Claus:
Dai hät`t woll dit Jahr ne bedere Sorte Kartuffeln ehat?
Lina:
Dat is möglich. Ick wait et nich.
Helmut:
Güden Margen uk. Jei sind ja all fraih upestahn. Jei hät`t woll en slechtet Gewissen un kinnt nich miehr lig`n?
Lina:
Nee, nee, et gaiht immer lus, wei jedet Jahr: Klockr neg`ne.
Claus:
Ainen Puffer hä ick all uppe, se smecket nah miehr.
Helmut:
Lina, denne giw mick man uk ainen, un damidde dat Claus nich versmacht, Claus uk ainen. (Nimmt ihn in die Hand) Au, dai is aber hait (und pustet). So, nün gaiht et. Minsche, dat is ja ne Delikatesse.
Walter:
Güden Margen uk. Säne schiene Widderunge un datä disse Pufferduft. Eigentlich woll ick ierstemal uber dat Markt latschen, doch dai Pufferdurft hat mick heier her elocket. Lina, twai Puffer und dat andere von baiden.
Walli:
Hier Herr Valendiek, ist das Gewünschte.
Erhard:
Es scheint ein schöner Tag werden zu wollen. Prost, Walter!
Claus:
Walli, up ainen Baine kann man nich stahn. Noch en Puffer un datä drai Snäpse, wei verdöst ja süss.
Helmut:
Fur mick drai Bair, denn zischet dat ierst richtig.
Erhard:
Hier ist das Gewünschte „von beiden“. Prost! (Sie trinken alle und stecken sich was zu rauchen an.)
Karl:
Güden Margen, allemann. (Die andern: N-Margen Karl).
Claus:
Dü bist ja all höllisch pünktlich. Haste deine 200 Sweine all satt? Wu ofte fudderste dai eigentlich an Dage?
Karl:
Wu ofte! Se hät ja datselbe Ingewaih wei dai Minschen, aber se kreiget bluß noch ainmal an Dage watt.
Helmut:
Wat, ainmal? Wat maket se denne dai andere Teid?
Karl:
Se slapet, dat se fett wieret. Mit twai Zentner kumet se weg.
Walter:
Mit twai zentner schon wieret se eslacht? Von fraihr kenne ick, dat se mit 4 uder 5 Zentner an`n Haken kammen.
Karl:
Dai Welt verändert sick laufend. Dai Slachters willt se sä.
Karl-Heinz:
N´Margen allehupe. Jei sind ja all fraih tä Baine. Lina, ne Runde von baiden.
Erhard:
Karl-Heinz, hier ist das Bestellte. Prosit!
Walli:
Mestersche, ick hä wer ne Panne vull fertig. Wer well wecke?
Claus:
Alle! Dai Pufferrunde schreif fur mick an.
Karl-Heinz:
Na, denn willt wei dai Luft üt den Gläsern laden.
Walter:
Lina, dai Puffer smecket ja.Dat is ja Extraklasse.
Lina:
Ja-a, das liegt an der glücklichen Hand meiner Walli.
Onkel Franz:
N`Margen uk. (Alle: n`Margen Onkel Franz). Jei maket ja en Spitakel, dat hiert man ja in Underdarpe. Walli, giw mick ierstemal en Puffer mit Appelmäß täér Underlage. Und at Jei heier nich verdöst´t: Erhard, schenk in von baiden. Ar et seweit is, vertelle ick ne wahre Geschichte, da sick in Paine täedragen hat: Also, dat was sä: Fritz Biehrns Karl härr in seinen Sturm- un Drangjahren in Stierdarp ne Freundin ehatt. Nah langen Jahren drepet se sick in Paine up er braien Strade:
„Hannichen, da biste ja. Wu gaiht et dick denne?“
„Et is slechte Widderunge“, seggt se.
„Wu et dick gaiht?!“
„Ick bin na en Marke ewesen!“
„Wu et dick gaiht, hä ick efragt!“
„Ick hä mick en paar Heringe ekofft.“
„- Lat dick wat scheiden!“
„Oh, dat is upperstund uk en gladet Eden.“
….….. Nün hät je alle wat? Denn Prost!
Christa:
Guten Tag auch die Herrschaften.(Alle: N`Dag Christa)
Walter:
Je später der Tag, desto besser die Gäste. „Soeben“ sagt der Stadtmann, wenn er gefragt wird, wann er aufgestanden ist. „Wu lange all!“ seggt dai Landmann.
Claus:
(sieht über die Leute hinweg) De Schandarre kummt. Den lat`t wei jetz huchlie´m.
Err hai kaine Runde kofft, lat`t wei ne nich wer lus.
Rainer:
Guten Tag allesamt. Das geht ja hier schon hoch her.
Wird hier auch Schnaps ausgeschenkt? Frau Lampe, zeigen Sie mir mal ihre Erlaubnis dazu. (Die Männer schnappen ihn und werfen ihn hoch bis er klein beigibt). Ihr zerbrecht mir ja die Knochen am Leibe. Frau Lampe, schenken Sie ein, gegen die Lafferder Urviecher ist ja doch nicht anzukommen. Prost auf den Lafferder Markt!
Onkel Franz:
Herr Wachtmeister, mit dem Lafferder Markt ist das folgendermaßen: Die Mohammedaner müssen nach Mekka. Die Niedersachsen im Umkreis von 50 Kilometern müssen nach dem Lafferder Markte, sonst fehlt ihnen was an der Bildung!
Karl-Heinz:
Fritze Vedder, de Nachtwächter, kummt. Den lat`t wei jetz huchlie`m. Wenn dai üsch up seine Trompete blasen lätt, lat`t wei ne deftig in dai Pulle keik`n. Sluk mag hai für sein Lie`m giern. (Fritze Vedder wird umzingelt. Alle bieten ihm Schnaps an, so dass er bald umfällt. Claus bläst auf dem Horn).
Helmut:
Hieret mal alle tä. Et ist jetz säweit, dat wei en Lied singet, un zwar dat Lied von den Waderturn un von den gruden Peere:
„In Laffer hät se en Waderturn, juppheidi, juppheida. In Laffer hät se en grudet Peerd, juppheidi, juppheida.
Dat Peerd dat is enSchaukelpeerd, Juppheidi, juppheida“!
Erika:
Guten Tag alle. Ihr seid ja hier schon früh in Stimmung. Die Pufferbude von Onkel Franz hat es Euch wohl angetan? Vor der Bude steht ja auch geschrieben: „ Dat Laffer Mark is ierst ganz mit ein paar Puffer bei Onkel Franz.“ (Alle trinken). Weil es mir als Ostpreußin in Lafferde so gut gefällt, will ich Euch ein Lied aus dem schönen Ostpreußen vorsingen. Ihr singt mit: „Gib mir den Wodka Anuschka und dann lass mich sein. Der Wodka ist freundlich, doch Du bist gemein. Immer wieder Schweineschinken, Schweineschinken und du gibst mir nichts zu trinken. Gibst du mir nichts zu trinken, dann gehe ich zum Ivor, der hat davon genug!“
Walter:
Erhard, et is Teid, dat wei wer dai Luft üt dai Gläser lat`t. Schenk in, vur alle, ne Runde von baiden.
Karl:
Walter, ubernimm dick man nich, oder haste aus der „la Main“?
Onkel Franz:
Noch eine wahre Geschichte aus Ostpreußen, wo wir nun das Marjellchen unter uns haben: Bei der Taufe sitzt der Pastor bei Frau Baltschukat. Alle haben eine Serviette vor sich liegen, nur der Pastor hat keine abbekommen. Da fragt er: „Frau Baltschukat, wenn Sie die Serviette nicht brauchen, könnte ich die dann wohl haben?“ Sie antwortet: „Aber ja! Die Serviette nehmen Sie man, mein Mann beschabbert sich nicht!“.
Helmut:
Keiket emal, wer da kummt: Hans Brecht, use Vurstehr. Dai is fur ne Runde güt.
Walter:
Ierst mott hai ne Riede hul`n, denne lat`t wie ne huchlie´m. (Hans Brecht kommt, wird stürmisch begrüßt, hält die erwünschte Rede und wird hochleben lassen. Singen: Hoch soll er leben, dreimal hoch …)
Claus:
Luie un Kinders, mick ward ja sä swaimelig! Ick gliebe, ick hä ainen in´n Timpen. Lina, haste nich emal en Stähl, dat ick mick hensedden kann? Wei hät täviel edrunken und hät´t dabei dat Puffer-Eden vergedden. Walli, ne Runde Puffer fur alle un fur mick twai!
Onkel Franz:
Hallo Lars und Felix, da seid ihr ja, kommt her. Hier gibt es schönen Puffer, den ihr so gerne mögt. Walli – en paar Puffer für meine Schützlinge - und hier – das sollt ihr auch noch haben.
Karl-Heinz:
Keiket emal, wat dat wer fur en Andrang is. Ut allen Giegenden kumet se na en Laffer Karke, von Lenge, von Wolsche, von Siehle, von Himste, von Klein Berlein, von ringsherumme, sägar von Paine saihe ick wecke.
Wat hä ick ehiert, 220 Portionen Gäsebraen schillt gistern Abend heier vertilget sein.
Karl:
Nah täverlässigen Schätzungen wieret heier up en Marke anderthalw Millionen ummeset´t. Wecke mainet, et sind noch miehr. Von ainer Fischbäé wait ick, dat da 3000 Brötchen verkofft sind.
Walter:
Dat well woll stimmen. Et sind doch jeden Dag an dai 50-düsend Besucher heier etellt. (Zwischenruf: Wu waiste denne dat von?) Dat is ganz ainfach: Ick telle dai Baine, daile dat Ergebnis dur twai un denn hä ick dai Tal. (alle lachen). Sä hat dat nämlich dai Stainbricksche Schaper Jordan uk immer emaket. Hai lait seine Schape uber dai Schapbrigge lup`n, telle dai Baine un daile dur vaire. Dat is ganz ainfach.
Brecht:
Weil die Peiner uns das nicht gönnen, geben sie es nicht bekannt.
Helmut:
Da kummt sägar aine üt Amerika. Dat hat heier bei Eisensee ewuhnt. Et is Karsmarski seine Grußdochter.
Claus:
Da gaiht grade Schälmester Wallmann vurbei. Halt dene mal her. Döst un Smacht hat hai immer. Dene sliepet wei midde dur.
Wallmann:
Guten Morgen, liebe Leute. Ihr wart ja alle mal meine Schüler. Es war eine schöne Zeit, woran ich mich gern erinnere.
Karl:
Ja, das war es, Herr Wallmann. Haben Sie Ihre Schulkinder entlassen?
Wallmann:
Es ist mit ihnen heute doch nichts anzufangen. Sie sind mit ihren Gedanken bei dem Markttrubel. Da habe ich sie entlassen.
Rainer:
Da kann man nur staunen, was die Lafferder alles zuwege bringen. Aus der ganzen Welt kommen die Besucher. Das ist einzigartig.
Onkel Franz:
Dazu kann ich Euch ein Erlebnis eines Groß Lafferders erzählen: Siegfried Lohmann maket ne Weltraise. Hai was all in Nord- un Südamerika. Afrika hat hai uberquert. Indien hadde hinder sick. Nün is hai in China elandet. In Shanghai is ne dat aber tä bunt ewurn. Jetz will hai wer in seine Haimat nah Duitschland tärigge, fährt nah Wladiwostock un bestellt sick da an den Schalter von dai Transsibirische Eisenbahn ne Karte nah Lafferde. Dai Chinese bläert in seinen Fahrplanbäke herumme un seggt: „Wollen Sie nach Klein odel Gloss Laffelde?“. Sä bekannt ist Gruden Laffer in de Welt!
Erika:
Auf diese Nachricht müssen wir nun aber ein echtes Lafferder Lied singen. Wer stimmt an? Wer ist im Gesangverein?
Helmut:
Heier, ick. Wei singet dat Lied von Gruden Laffer. Melodie: Auf der Wolga trägen Fluten, durch der Insel enges Tor, bricht auf bunt bemannten Booten Stienka Rasins Schar hervor:

In Gruden Laffer an de Fühse,
an de Fühse is et immer wunderschön.
Is en ainmal heier ewesen,
möchte man nix anderes saihn.

Up er Bairstraden un in Winkel
giwt et Mäkens wunderschön,
dat dai lafferschen jungen Bengels
sick beniehmet wild un dull.

Ja, wei Lafferschen sind gemütlich.
Wenn wie sit`t bei Bair un Snaps,
denne kann man wat anhieren,
dat man maint, man hat en Klaps.

Heier passeiert dulle Dinger,
man hiert davon in`n Naberdarp:
In Gruden Laffer kinnt se alles;
Denn et giwt blus ain Gruden Laffer!.


Nü is et tä Enne.
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