Pastor Dammaeus, Sabinchen und der Schuhmacher

Das Bänkellied über die Moritat eines Schumachers an Sabinchen ist weit bekannt. Es beginnt folgendermaßen:
Sabinchen war ein Frauenzimmer,
Gar hold und tugendhaft.
Sie diente treu und redlich immer
Bei ihrer Dienstherrschaft.
Da kam aus Treuenbrietzen
Ein junger Mann daher,
Der wollte so gerne Sabinchen besitzen
Und war ein Schuhmacher.
Sein Geld hat er versoffen
In Schnaps und auch in Bier.
Da kam er zu Sabinchen geloffen
Und wollte welches von ihr.
Was hat Pastor Georgius Dammaeus (Georg Damm) mit diesem Bänkellied zu tun? Antwort: nichts!
Die früheste bekannte Erwähnung des Liedes stammt von 1790. Georgius Dammaeus war um diese Zeit schon lange tot. Aber es gibt Parallelen zwischen der Vita des Pastors und diesem Lied (kein Mord!).
Georg Dammaeus stammte aus Treuenbrietzen. Er war ein Vetter des berühmten Wolfenbütteler Komponisten, Hofkapellmeisters und Gelehrten Michael Praetorius.
Die Groß Lafferder Pfarre war seit 1610 vakant. Deswegen wurde der junge Dammaeus unbesehen und ohne Probepredigt im Jahre 1612 zum Pastor gewählt.
Er kam nur mit einem Rucksack, weniger Habe, darunter einigen Büchern, nach Groß Lafferde.
Im Pfarrhause lebte noch die Witwe des verstorbenen Pastors Cordes mit mehreren unversorgten, heiratsfähigen Töchtern. In der Hoffnung, dass Dammaeus eine der Töchter heiraten werde, nahm man ihn liebevoll auf. Er ließ es sich gut schmecken und wohl sein.
Als er bei seiner Einführung dem Herkommen gemäß den Bauern zwei Fass Bier, Marke Braunschweiger Mumme, spendierte, kam es zum Eklat. Mitten in die feuchtfröhliche Stimmung platze ein Bote aus Treuenbrietzen. Lauthals verkündete er, dass es der Frau des Pastors in Treuenbrietzen gut gehe und dass sie hoffe, bald in Groß Lafferde zu sein.
Dammaeus hatte bisher verheimlicht, dass er verheiratet war. Jetzt wird es mit der guten Bewirtung im Pfarrhause schlagartig vorbei gewesen sein.
Der Klein Lafferder Pastor Bauermeister berichtet von ihm, dass er ein reichbegabter Prediger gewesen sei, den seine Pfarrkinder liebten und ehrten. Aber, er habe sich das Trinken angewöhnt und habe sich im Kruge, auch in den benachbarten Dörfern, gemein gemacht. Manchmal habe er volltrunken unter dem Tisch gelegen und dabei Liebe und Achtung verloren. Es wird auch berichtet, dass er das Heu für sein Vieh widerrechtlich in der Kirche gelagert habe.
Heute würde man sagen, er war ein schwarzes Schaf in seiner schwarzen Zunft.

Inzwischen war der 30-jährige Krieg ausgebrochen. Die katholische Liga unter ihrem Feldherrn Graf Tilly besiegte im Jahre 1626 in der Schlacht bei Lutter am Barenberge die evangelischen Truppen unter Christian von Dänemark. Teile der siegreichen Truppen eroberten die Burg Steinbrück und lagerten für mehrere Tage auf der langen Wiese, bevor sie nach Peine weiterzogen. Tilly nahm im Posthof Quartier. Aus Furcht vor Repressalien und auch wegen seines schlechten Lebenswandels, zog Dammaeus es vor, zu verschwinden. An anderer Stelle heißt es, dass er im Jahre 1528 von den Papisten vertrieben und ins Exil gesetzt wurde. Er soll sich jahrelang im Harz verborgen haben. In Seehausen, Amt Syke, fand er wieder eine Anstellung.
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