Karfreitagspassion in Groß Lafferde

Der bis jetzt älteste, schriftlich überlieferte Text
Jedes Jahr übte während der Passionszeit in den 1950er Jahren Rektor Richard Wolf mit den Sängern des Schulchores die Aufführung der Karfreitagspassion. Zum Ende der heißen Übungsphase erhielt er manchmal Verstärkung von Kantor a.D. August Lochstedt. Der Schulchor hatte den Part des gemeinen Volkes zu singen.
Anfang der 1960er Jahre war die Zeit des Singens vorbei, bis die Passion ab 1996 wieder aufgeführt wurde. Jetzt allerdings nur noch alle zwei Jahre.

Der rührige Pastor Bartold Cordes (*1568 +1610) war ein begeisterter Sänger. Er bildete aus Gemeindegliedern einen Kirchenchor, den er die „Dompfeifer“ nannte. Es wurde vierstimmig, ja sogar fünf-, sieben- und achtstimmig gesungen.
Mit diesem Chor war er in der Lage, die von ihm geschaffene Karfreitagspassion aufzuführen.

Es ist davon auszugehen, dass er den Text direkt aus dem Matthäus-Evangelium entnommen und die Musik dazu nach eigener Idee geschrieben hat.
Die Kürze des Werkes beruht wohl darauf, dass er es während des Hauptgottesdienstes aufführen ließ und daher die zur Verfügung stehende Zeit knapp bemessen war.

Die These, dass die Melodien von dem berühmten Wolfenbütteler Kapellmeister Michael Praetorius, einem Verwandten von Pastor Cordes, stammen könnten, trifft wohl nicht zu. Sie sind einfach zu schlicht. Anzunehmen ist, dass Cordes die Stücke unter Berücksichtigung der musikalischen Fähigkeiten seiner Sänger geschrieben hat.
Nach Aussagen mehrerer alter Einwohner haben schon ihre Vorfahren überliefert, dass die Melodien von Pastor Cordes stammen.

Die Gesangstücke wurden ursprünglich durch Vorsingen eingeübt. Später geschah dass nach einem Zahlensystem.
Der Lehrer Hoffman (1847 – 1863) hat die Melodien nach dem Gesang des Kirchenvorsängers Bierschwale und den Angaben alter Dorfeinwohner, die früher als Konfirmanden mitgesungen hatten, niedergeschrieben. Im Jahre 1889 ersetzte der Rektor und Kantor Friedrich Schnelle die Zahlen durch Noten. Die 17 Chöre gestaltete er dreistimmig.

Zum Ablauf sei gesagt, dass der Pastor, vor dem Altar stehend, den Jesustext sang. Den Text des Evangelisten sang der erste Lehrer. Der Organist übernahm die Rolle des Pilatus. Die übrigen Rollen wurden von Konfirmanden gesungen. Seit Rektor Schnelle übernahm eine Konfirmandin die Rolle des Pilatus Weib, eine andere die Rolle der Magd.

Der nachweislich älteste Text der Groß Lafferder Matthäus-Passion stammt aus dem Jahre 1851.

(Quelle: Baurat a.D. Adolf Nülle, Aufzeichnungen aus den Jahren 1920 – 1933)
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