Hagelunwetter

Zerschlagenes Plexiglasdach
 
Zerschlagenes Plexiglasdach
Der Abend des 7. Juni 2014 war herrlich warm. Er lud ein, traditionsgemäß Eier zu backen und in gemütlicher Runde bis spät in die Nacht zu essen und zu trinken. Es folgte ein wunderschöner sonniger Pfingstsonntag, an dem nachmittags dunkle Wolken heraufzogen. Gegen 16. 00 Uhr fing es an, stark zu regnen und plötzlich prasselten Hagelkörner auf das Dach unseres Wintergartens. Die Hagelkörner wurden größer und größer. Wie ein Trommelfeuer donnerten bis zu Tischtennisball große Hagelkörner auf das Glas und barsten auseinander. Wo sie in den Gartenteich einschlugen schossen geschätzte 50 cm hohe Fontainen in die Höhe. Der Erdboden wurde immer weißer. Es könnte Winter gewesen sein, wenn nicht hohe Luftfeuchtigkeit und Wärme an die Tropen erinnert hätten. Kurz vor 17.00 Uhr war der Spuk vorüber.

Die Bilanz dieses Ereignisses waren durchlöcherte Plastikdachrinnen, geborstene Doppelstegplatten, zerstörte Kunststoffdächer, gesprungene Glasscheiben, abgeschlagene Zweige und Blätter.
Der Garten, bisher wunderschön gediehen, bot einen traurigen Anblick. An Blumen, Kartoffeln, Gemüse und Futterrüben waren massenhaft Triebe abgebrochen und Blätter abgeschlagen.

Mit Sicherheit werden auch die Feldfrüchte in Mitleidenschaft gezogen sein. Gott sei Dank gibt es heutzutage Hagelversicherungen, die den finanziellen Schaden begrenzen.

Selbst durch große Hagelkatastrophen ist die Lebensmittelversorgung heute nicht mehr gefährdet. Es war lebensbedrohend, wenn in früheren Zeiten der Hagel Missernten verursachte oder ganze Ernten vernichtete. Kein Wunder, dass die Bevölkerung durch Hagelfeiern solche Katastrophen zu bannen versuchte.

Hagelfeiern waren heidnischen Ursprungs. Schon im frühen Christentum wurden aus ihnen christliche Prozessionen, bei denen um gute Ernten und das Ausbleiben von Schäden gebetet wurde. Während sie in katholischen Gegenden, insbesondere im Münsterland und in Süddeutschland, bis heute Bestandteil des christlichen Lebens sind, sind sie in evangelischen Gegenden verschwunden.

Die Feiern wurden auch ohne geistliche Begleitung abgehalten und verkamen dann zu Fress- und Saufgelagen. Aus diesem Grunde wurden sie mancherorts verboten.

Herzog Ernst der Bekenner (*1497 +1549), erließ auf Antrag der Celler Pastoren für sein Herzogtum Braunschweig-Lüneburg schon im Jahre 1527 eine Verordnung gegen jene Umzüge.
Heinrich Julius (*1564 +1613), Herzog zu Braunschweig-Lüneburg und Braunschweig-Wolfenbüttel, verbot für sein Herzogtum, zu dem auch Groß Lafferde von 1523 bis 1543 gehörte, die Hagelprozessionen als „abgöttisch“. Stattdessen entstanden Feldgottesdienste.
Der zum Katholizismus übergetretene Herzog Anton Ulrich bestimmte für sein evangelisches Fürstentum in der Kirchenordnung von 1709 den Montag nach Rogate als Bettag.
Trotz aller Verbote hielt man in vielen Gegenden an den Flurumgängen fest. Die ganze Gemeinde, in Begleitung der Schuljugend, geführt vom Pfarrer, zog hinaus.
Im Allgemeinen wurden die Bittprozessionen in der Zeit von Himmelfahrt bis Ende Juli abgehalten. Allmählich verlor diese Sitte in unserer Gegend an Boden.

In Groß Lafferde wurden stattdessen bis in die 1920er Jahre feierliche Bittgottesdienste an einem Werktage abgehalten. Es war der Tag nach Himmelfahrt. An Versuchen, den Hagelfeiertag auf einen Sonntag zu verlegen, hat es nicht gefehlt, jedoch war die Kirchenverwaltung dagegen.
Die Geistlichen erhielten für ihre Mitwirkung ein besonderes Honorar. Dieses wurde noch bis in die 1920er Jahre gezahlt.
Bei der Anstellung des Pastors Rembertus Bütticher(Böttcher) im Jahre 1669 wurde in der Gebührenordnung bestimmt, dass „für die gewöhnliche Hagelfeierpredigt 18 Mariengroschen , gleich wie es bei den Vorgängern gehalten worden sei“ zu zahlen sind. Deshalb kann zugleich angenommen werden, dass in Groß Lafferde die Hagelfeier in der evangelischen Form gleich mit der Reformation (1542) begann und nicht erst in späterer Zeit eingerichtet wurde.

Mancherorts war ein Hagelunwetter der Anlass, den bereits abgeschafften Hagelfeiertag wieder aufleben zu lassen. Das wäre z.B. aufgrund der folgenden Aufzeichnung Adolf Nülles möglich gewesen: „ Am Mittwoch, d. 1. Juli 1891 wurde die Feldmark Lafferde durch ein Hagelwetter heimgesucht, wie solches kein Mensch erlebt hat“.


(Quellen: Wikipedia, Hagelfeier; Stadtbaumeister a.D. Adolf Nülle, Von der Hagelfeier, Kleinnotizen aus dem Dorfleben).
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