Groß Lafferde und die Furt im Walde

Groß Lafferde, Wappen von 1952
Es ist unbestritten, dass der Name Lafferde aus den Wörtern Wald und Furt gebildet wurde. Bis zum Erscheinen der Chronik war auch unbestritten, dass die Furt durch die Fuhse gemeint war.
Ob die Furt sich an der Stelle befand, wo heute die B1 hinüberführt, ob sie weit ausgeufert war oder ob sich im Laufe der Jahrhunderte ihre Lage verändert hat, weiß man nicht. Aber, was spricht dagegen, dass die Furt zu der Zeit, als der Name Lafferde entstand, z.B. im Bereich südlich von Lehberg und Sandberg gelegen haben könnte?

Weder Adolf Nülle, noch Richard Wolf, noch Wilhelm Baumgarten zweifelten an dem Zusammenhang von Fuhsefurt und Ortsname.
Der Wappenausschuss des Gemeinderates forderte, dass das neue Gemeindewappen:
Zitat:
….auf den Ortsnamen Loferdi und Lafurdi als das Dorf am Walde (Lah) und an der Furth (Fuhseübergang) hinweisen müsse.
Zitat Ende
Auch Kreisheimatpfleger Dr. Dehnke hatte keine Bedenken, als er 1952 folgenden Wappenspruch verfasste:
Zitat:
Groß Lafferdes Wappen uns verkündet, wie einst das Dorf im Wald entstand,
dort, wo der Weg, der Ost und West verbindet, die Furth durch unsere Fuhse fand.
Dem Reisenden, der diese Straße schritt, bot hier der Posthof gastlich Ruh und Rast.
Mög unser Dorf gedeihn und stets nach alter Sitt ein Bild der Eintracht bieten in der Welt der Hast.
Zitat Ende.

Ab 1999 wird die Geschichte neu geschrieben. Auf Seite 24 der Chronik schreibt der Autor:

Zitat:
Wollte man den Ort in Richtung Osten nach Braunschweig verlassen, musste ein weiterer Wasserlauf (Furt) am Ostrand des Dorfes überwunden werden. Von dieser Furt, die erst im Jahre 1870 als Muldenbrücke zugeschüttet wurde, hat der Ort seinen Namen.
Je nach Jahreszeit konnte dieser Wasserlauf von den Händlern gut oder mit Schwierigkeiten gekreuzt werden. Außerdem war dieser Punkt militärisch gesichert. wobei auch der Zoll seinen Teil verlangte.
Zitat Ende.

Weiter heißt es auf Seite 26:
Zitat: Der Wasserlauf .... hatte seinen Spring im Lafferder Busch. Er war vor 350 Jahren noch ein stattlicher Fluss, der in seiner Breite auf dieser Karte der Fuhse fast gleichkommt. …..
Wahrscheinlich werden Handelsreisende, die den Weg zwischen Braunschweig und Hildesheim …..benutzten, der Ortschaft an der Furt ihren Namen gegeben haben. Sie kreuzten ….. den Fluss, der heute verrohrt und fast ausgetrocknet ist.“
Zitat Ende.

Weiter schreibt der Autor auf Seite 28 der Chronik:
Zitat:
Es spricht aus heutiger Sicht alles dafür, dass der Wappenspruch und das Wappen aus dem Jahr 1952 nicht die historische Namensentwicklung der Ortschaft zeigt, weil …der Fluss am Ostrand von Groß Lafferde, der um 1900 verrohrt wurde, vom Wappenausschuss im Jahre 1952 keine Beachtung fand. Die Quelle im Lafferder Busch war fast versiegt, eine Furth gab es nicht mehr.
Leider ist aus diesem Grund die Lafferder Furth an die 2 km entfernte Fuhse nach Steinbrück „verlegt worden“. Das war ein Irrtum.
Nicht die Fuhsefurth in Steinbrück hat zur Namensgebung der Ortschaft beigetragen. Von der Furth am Ostrand des Dorfes, über den der Wasserlauf vom Busch, wurde schon zu germanischen Zeiten der Name der Ortschaft abgeleitet. Erst mit dem Bau der Chaussee (Bierstraße) im Jahre 1806 verlor die Furth ihre Bedeutung.
Die Furth wurde fast 200 Jahre (14. und 15. Jahrhundert) durch eine Festung militärisch gesichert und bei feindlichen Angriffen mit allen Kräften verteidigt. Nur der Kirchturm der Bernwardskirche ist heute noch von der militärischen Anlage vorhanden.
Zusätzlich war auf einer Länge von 3 km, am westlichen Ufer des Wasserlaufes eine Landwehr
aufgeschüttet und an der Stelle wo heute die Marktstraße, Meescheweg und Dorfstraße aufeinandertreffen fand die Heer- und Handelsstraße ….durch die Furth den Weg in die Ortschaft.
Zitat Ende.

Die auf Seite 24 der Chronik genannte Muldenbrücke wird auf Seite 150 nochmals erwähnt.
Zitat:
..…Hinter der Ehrenpforte befindet sich eine Brücke über d. Gem.Graben (früher Furt).
Gemeindeprotokoll v. 14. März 1870: Die Muldenbrücke gegenüber der Schäferei (heute Hachmeister) ist zurzeit unpassierbar. Es soll dafür eine gewölbte Brücke angelegt werden.
Zitat Ende


Woher nimmt der Autor sein Wissen? Bis auf eine mittelalterliche Karte verfügt er offensichtlich über keine beweiskräftigen Quellen. Die Karte ist zwar schön anzusehen, besitzt aber hinsichtlich der geographischen Realität sehr wenig Aussagekraft. Da keine Maßstabgerechtigkeit vorhanden ist, kann man bei den Flussdarstellungen weder auf Länge, Breite noch den genauen Verlauf schließen. Eine Furt ist nirgends eingezeichnet. Es ist ein Weg angedeutet, der durch das Dorf Richtung Steinbrück führt und in der Nähe eines „Flusses“ verläuft, ihn aber nicht überquert. Ganz vorsichtig geschätzt könnte es die Riete sein.

Das Gebiet östlich des Dorfes wird durch den Namen Meesche hinreichend als vernässtes, sumpfiges, vielleicht sogar morastiges Gebiet gekennzeichnet. Wer es nach Tauwetter oder längerem Regen durchqueren wollte, konnte Probleme haben.Trotzdem wird es in einer solchen Gegend nur dann eine Furt gegeben haben, wenn auch ein Fluss vorhanden war.
Ob der aus dem Busch kommende Fluss durch das Meeschegebiet führte, ist nicht von Bedeutung. Dass es sich aber noch vor 350 Jahren um einen stattlichen Fluss (ähnlich der Fuhse?) gehandelt haben soll, ist wenig wahrscheinlich. Bei vielen Rinnsalen (Flöthengraben, Beekgraben, Fuchslandgraben, Landgraben, Riete) sind Namen überliefert. Ausgerechnet bei diesem „Fluss, der im Jahre1900 verrohrt wurde“, kann der Autor keinen Namen nennen.
In unserer Gegend verschwindet ein Fluss nicht so ohne weiteres. Er wird auch nicht zum Rinnsal. Dazu sind schon massive Veränderungen notwendig, und die sind nicht überliefert.
Mit anderen Worten: Es hat nichts gegeben, was man als Fluss bezeichnen könnte. Das Gewässer dürfte nach Schneeschmelze oder Starkregen maximal der Riete entsprochen haben. Was im Jahre 1900 verrohrt worden ist, könnte der Fuchslandgraben gewesen sein. Wohlgemerkt: kein Fluss, sondern ein Graben. Reste eines von Norden kommenden, als Abwasserkanal benutzten Grabens, waren nach dem 2. Weltkrieg an der Westseite der Dorfstraße vor den Grundstücken Dorfstr. 2, 4 und 6 noch sichtbar. Etwa ab dem jetzigen Transformatorenhäuschen (Dorfstr. 10) war der Graben verrohrt und verlief Richtung Marktplatz zum Michelende.
In diesem Bereich (Gemeindeschäferei, heutiger Kreuzungsbereich Dorfstraße, Marktstraße, Meescheweg) soll also die namengebende Furt gelegen haben, deren Muldenbrücke 1870 zugeschüttet wurde. Ich stelle mir unter einer Muldenbrücke einen gepflasterten, flachen Grabendurchgang vor, keinesfalls eine Furt. Andererseits verlegt der Autor die Furt noch ein paar hundert Meter weiter südlich zu einer Grabenbrücke.
Es handelt sich also stets um Gräben oder grabenähnliche Senken, die durchquert oder überquert werden mussten, niemals um einen Fluss oder Bach. Nur wenn eine Untiefe durch einen Bach oder Fluss führt, die zu Fuß oder mit Fahrzeugen durchquert werden kann, spricht man per Definition von einer Furt.
Sollte es irgendwo ab dem westlichen Rand der jetzigen Dorfstraße in Richtung Meesche etwas Furtähnliches gegeben haben, dann dürfte das ein Durchgang gewesen sein, der den Namen Furt im eigentlichen Sinne nicht verdiente. Vielleicht lag er im Sommer sogar trocken.
Die Existenz einer Furt ist in dem genannten Bereich nirgends überliefert.
Nach einer solchen Örtlichkeit ein Dorf zu benennen, obwohl etwas weiter westlich eine ausgeprägte, gut erkennbare Furt vorhanden ist, lässt berechtigte Zweifel an den Darstellungen des Autors der Chronik aufkommen.
Dass aber nicht die Einheimischen, sondern „wahrscheinlich Handelsreisende“ dem Dorf den Namen gegeben haben sollen, möchte ich nicht kommentieren.

Die These von der Fuhsefurt wird auch durch einen Text in der Chronik der Familie Boettcher gestützt. Allerdings wird der erste Teil des Namens nicht als Wald, sondern als Sumpfniederung der Fuhse gedeutet. Richard Wolf hat den Text folgendermaßen wiedergegeben:
Zitat:
Der Name Gr. Lafferde wird zum ersten Male gleich nach 700 erwähnt. Er ergibt sich aus dem Altdeutschen Lacforde (Lac = Sumpf und Forde = Furt) von selbst und bezeichnet eine Furt durch die Sumpfniederung der Fuse, die damals, wo nur wenige Brücken vorhanden, von großer Bedeutung war. Auch besagt er, dass die Fuse das ganze Bruch wahrscheinlich auf große Strecken hin eingenommen und sich gerade an dieser Furtstelle, wie es gegeben war, eine Siedlung gebildet hat.
Zitat Ende


Die Existenz einer Wehranlage im östlichen Bereich des Dorfes, mit dem Kirchturm als Wehrturm, habe ich bereits in einem anderen Artikel zu widerlegen versucht. Von einer Verteidigung der angeblichen Festung mit allen Kräften ist nichts überliefert.
Bei der 3 km langen angeblichen Landwehr widerspricht sich der Autor selbst. In der Zeichnung auf Seite 47 der Chronik gibt er sie mit nur 1,5 km Länge an.

Fazit:
Bevor man einen solch widersprüchlichen Artikel in der Chronik veröffentlicht, hätte man ordentlich recherchieren sollen.
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