Die Bierstraße in Groß Lafferde

Die Bierstraße mit Blick von West nach Ost. Rechts das Gasthaus zur Post.
 
Bierstraße, Festumzug

Es gibt eine Bayerische, eine Fränkische und eine Kurpfälzer Bierstraße (siehe Wikipedia). Das sind ähnliche Bezeichnungen, wie "Straße der Romanik" oder "Deutsche Märchenstraße". Ihr Zweck ist die Förderung von Marketing und Tourismus. Eine Bierstraße als Straßennamen im eigentlichen Sinne gibt es nur in Osnabrück und Groß Lafferde. Hannover hat einen Bierweg.

In Groß Lafferde existierte der Name Bierstraße schon vor der Bildung der Gemeinde Lahstedt und er bleibt auch nach der Fusion der Gemeinden Lahstedt und Ilsede erhalten.

Die Straßenbenennung ist schon ziemlich alt. Den Nachweis liefert ein Kirchenbucheintrag. Der Pastor vermerkte anlässlich einer Beerdigung unter der Sterberegisternummer 5/1730 folgendes: "Harm Cohten auf der Bierstraße, ein Hauß Wirth von etwa 63 Jahren, [beerdigt] d. 29. Januar".
Das ist ein hieb- und stichfester Beweis. Somit besaß die Straße ihren Namen schon vor dem 29.01.1730 (!!!). Ein weiteres Mal wurde die Bierstraße im Geburtsregistereintrag 10/1756 erwähnt.

Der Name ist wohl nicht auf die Straße als Biertransportroute zurückzuführen, sondern eher auf den ehemaligen Posthof und zahlreiche Gaststätten, die hier ihre Gäste bewirteten und Bier verkauften. Fraglich ist, ob der Name mit den vielen Bierschwalen, die früher in Groß Lafferde wohnten, in Verbindung gebracht werden kann. Ganz abwegig ist das nicht, wenn man im Geburtsregistereintrag 18/1756 liest, dass ein Christian Bierschwale an der Bierstraße wohnte.

Die Bierstraße umfasst heute den gesamten innerörtlichen Bereich der B1.
Früher wurde nur das zentrale Stück als Bierstraße bezeichnet. Den westlichen Ortsausgang nannte man Hildesheimer Chaussee und den östlichen Braunschweiger Chaussee, wobei man den an der Einmündung zur heutigen L 472 gelegenen Teil der Braunschweiger Chaussee als "Brodt`s Ende" bezeichnete. Brodt`s Ende ist aber nicht auf das Wort "Brot" zurückzuführen, was man fälschlicherweise vermuten könnte, selbst wenn in diesem Bereich eine Bäckerei vorhanden gewesen sein sollte (siehe dazu Chronik von Groß Laffede, S. 195). Das wird deutlich, wenn man bei Adolf Nülle den Namen "Brus-Enne" liest.

In den 1950er/1960er Jahren wurde neben dem Namen Bierstraße auch die Bezeichnung Hauptstraße verwendet.

Die alte Bierstraße darf man sich nicht als ausgebauten Fahrweg vorstellen. Sie wurde erst nach den Befreiungskriegen im zuge des Chausseeausbaus der Jahre 1821/1822 einigermaßen hergerichtet.

Die Seitenstreifen der Bierstraße waren früher mit Bäumen bewachsen. Schade, dass sie im Jahre 1963 beim Ausbau zur autogerechten Fahrstraße gefällt wurden. Jetzt ist sie nur ein seelenloses Zweckgebilde. Es wäre schön, wenn die Straßentrasse wieder begrünt würde.

Vorstehende Abhandlung beschränkt sich im wesentlichen auf den Namenszusammenhang. Angaben über Trassenverlauf und wirtschaftliche Bedeutung der Straße können nachgelesen werden in der Chronik von Groß Lafferde (S. 195) und dem Fotoband von Siegfried Lohmann "Groß Lafferde, ein Dorf mit Tradition, Erinnerungen an die alte Zeit" (Seite 131 ff).
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2 Kommentare
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Helmut Kuzina aus Wismar | 25.12.2014 | 22:48  
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Wilhelm Heise aus Ilsede | 25.12.2014 | 23:11  
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