Das Läuten der Glocke in der alten Bernwardskirche

Skizze nach dem Original der Chronik
Auf Seite 49 der Chronik ist beschrieben, wie in Groß Lafferde in früheren Zeiten die Kirchenglocke angeblich geläutet wurde.
Zitat:
Der Glöckner läutete die Glocken über ein Seil, durch ein Fenster.
In Groß Lafferde war es nicht wie in anderen Kirchen üblich, die Glocke im Kirch- bzw. Wehrturm über ein senkrecht nach unten fallendes Seil zu läuten.
Der Turm war in erster Linie für militärische Zwecke eingerichtet. Das Läuten der Glocke geschah durch eines der beiden östlichen Fenster mit Mittelsäule.
Das Seil hinterließ an der Mittelsäule erhebliche, etwa handgroße Schleifspuren. Der Durchmesser der Säule wurde an dieser Stelle um ca. ein Drittel reduziert. Wieviel Jahre muss ein Hanfseil an einem Sandstein schleifen, um ein solches Mal zu hinterlassen.
Zitat Ende.

Aus einer Zeichnung auf Seite 43 der Chronik ist ersichtlich, wie der Autor sich das Läuten vorstellt: In der Glockenstube führt ein Seil schräg abwärts zum Fenster hinaus. Draußen wird das Seil durch einen an der Wand befestigten Abstandshalter (mit Umlenkrolle?) senkrecht nach unten in das Dach des Kirchenschiffes geführt.

Ich habe noch nie Kirchenglocken geläutet, kann mir aber vorstellen, dass das Läuten über eine derartige Konstruktion mit Schwierigkeiten verbunden ist und wesentlich mehr Kraft erfordert, als das übliche Verfahren. Das ist wohl auch der Grund, weshalb nirgends auf der Welt Kirchenglocken auf diese Weise geläutet wurden und werden.
Wie technisch unbegabt müssen Generationen von Groß Lafferdern gewesen sein, dass sie dem Schleifen des Seiles nicht abgeholfen haben. Sie nahmen lieber in Kauf, zerschlissene Seile regelmäßig auszuwechseln. Aber das musste ohnehin geschehen, denn Wind und Wetter ließen den im Freien hängenden Teil des Seiles verrotten. Dass dann auch noch die Umlenkung an der Außenseite des Turmes insbesondere bei Eis und Schnee zum vorzeitigen Verschleiß des Seiles beitrug, fiel nicht mehr ins Gewicht. Vielleicht konnte man mit dem nassen, steifgefrorenen Seil gar nicht läuten. Es blieb nur zu hoffen, dass in diesem Falle kein Alarmläuten (Feuer, Feind) notwendig wurde. Ja, auch das bisschen Regenwasser, das am Seil hinunter durch das Loch im Dach in die Kirche gelangte, war zu vernachlässigen. Hoffentlich verursachte das Seil dort keine Schleifspuren.

Sollte das alles über Jahrhunderte in Kauf genommen worden sein, nur weil der Kirchturm für militärische Zwecke eingerichtet war? Was waren das für Einrichtungen, die es nicht erlaubten, ein wenige Zentimeter dickes Seil auf kürzestem Wege im inneren des Turmes nach unten zu führen?
Außerdem waren nachweislich bereits im Jahre 1677 zwei Kirchenglocken vorhanden. Man wird doch nicht beide Glocken auf diese verschrobene Art und Weise geläutet haben?

Viel naheliegender ist, dass die Schleifspuren durch Baumaterialtransporte entstanden sind, denn beim Bau des Turmhelmes der neuen Bernwardskirche wurden große Mengen bewegt.
Viel naheliegender ist, dass die Schleifspuren durch Baumaterialtransporte entstanden sind, denn beim Bau des Turmhelmes der neuen Bernwardskirche wurden große Mengen bewegt.
Es wäre abwegig, zu behaupten, die Spuren könnten durch das Anschlagen allzu heftig geläuteter Glocken entstanden sein. Jedenfalls sind innerhalb von rund 70 Jahren 3 Kirchenglocken geborsten.

Was es auch immer mit den geheimnisvollen Schleifspuren an der Säule auf sich hat: Ich bleibe dabei, dass die Glocken der alten Bernwardskirche in Groß Lafferde im inneren des Turmes mit senkrecht hängendem Seil geläutet wurden.
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