Amtmann Ziegler, in Groß und Klein Lafferde unerwünscht

Amtmann Ziegler
 
Amtmann-Ziegler-Haus, abgerissen 1971
Vielen Einwohnern der näheren Umgebung ist der Name Amtmann Ziegler noch geläufig. Sein in den 1850er Jahren aus einer Scheune hergerichtetes repräsentatives Wohnhaus wurde nach jahrelangen Überlegungen im Jahre 1971 wegen Baufälligkeit abgerissen. Man mag das bedauern, oder auch nicht. Jedenfalls hat der jetzige Amtmann-Ziegler-Garten im Verbund mit dem Burgpark auch seinen Reiz.

Dr. Johann Friedrich Ziegler, geboren 1785, gestorben 1860, trat im Jahre 1815 in Peine den Dienst als Amtsassessor an. Als Amtmann war er Leiter der Verwaltungs- und Justizgeschäfte und Steuerrichter des Amtes Peine.
Wegen seiner selbstherrlichen, herrischen Art war er sogar bei Kollegen unbeliebt. Die Bevölkerung fürchtete ihn wegen seiner harten Polizeistrafen. Besonders verhasst war er aufgrund vieler und hoher Strafgeldverhängungen. Er war das, was man heute einen „scharfen Hund“ nennen würde.

Im Revolutionsjahr 1848 hatte Ziegler im Verein mit dem sogenannten „roten Amtsvogt“ aus Groß Lafferde einen Klein Lafferder Bürger ins Peiner Gefängnis werfen lassen. Der konnte die Haft nicht ertragen und erhängte sich.

Als der Amtmann eines Tages in Klein Lafferde war, drang die Ehefrau des Erhängten auf ihn ein und stach ihn in den Rücken. Ziegler musste in den Kleidern eines Knechtes durch das Klein Lafferder Holz flüchten. An der Langen Wiese traf er auf Knechte des Groß Lafferder Posthalters Böttcher, die ihn beschützten und nach Groß Lafferde zum roten Amtsvogt geleiteten. Der wohnte in dem Eduard Hüne´schen Hause, Bierstr. 87 (jetzt Bierstr. 89). Die Klein Lafferder verfolgten den Amtmann bis hierher.
Einer der Verfolger, genannt Eier-Schwalenberg, war besonders ärgerlich auf ihn. Die erregte Menge schlug an die Fensterklappen des Hauses und Schwalenberg rief: „Er soll heraus“! Der Amtmann erkannte ihn an der Stimme. Aus Todesangst ließ er den Wütenden durch Geld beruhigen.
Als aber der Krawall nicht aufhörte, sagten einige hiesige Einwohner zu den Aufgebrachten, der Hausbesitzer Hüne hätte ihnen doch nichts getan, sie möchten das Klopfen und Spektakeln lassen. Nun zogen die Krawallmacher zur Wehrspannsch`schen Gastwirtschaft. Jetzt konnte Amtmann Ziegler in einer Droschke fliehen.
Vor der Wehrspann´schen Gastwirtschaft am Schlage (jetzt Schäferkamp 15) nahm der alte Gänsehirt Ludewig die aufgebrachte Menge in Empfang, redete ihr gut zu und geleitete sie unter Blasen (auf seinem Horn oder seiner Flöte) nach Klein Lafferde. Dort machte er sich dünne und kehrte zur Wehrspann´schen Gastwirtschaft zurück. Hier freute man sich, dass er wohlbehalten zurückgekehrt war.

Hausbesitzer Hüne gab den hiesigen Beschützern seines Hauses zur Belohnung je einen Himpten Roggen (Hannoverscher Himpten 31,152 Liter, Braunschweiger Himpten 31,145 Liter).

Ob das Attentat auf Amtmann Ziegler noch ein Nachspiel hatte, ist mir nicht bekannt.
Er wurde 1852 im Alter von 67 Jahren zwangspensioniert. Möglicherweise geschah das nicht nur wegen seines Alters, sondern auch wegen der aufsehenerregenden Ereignisse des Jahres 1848.


Dass Amtspersonen nicht nur in neuester Zeit an Leib und Leben gefährdet sind, zeigt ein weiteres Beispiel aus dem Revolutionsjahr 1848: Der hiesige Lehrer Wallmann sparte nicht mit Prügel. Er muss das Prügeln wohl dermaßen übertrieben haben, dass sich die damaligen, in dieser Hinsicht nicht gerade zimperlichen Eltern, zusammenrotteten. Sie zogen zum Schulhaus und wollten ihm ans Leder. Wallmann verkroch sich rechtzeitig im Hausschornstein (offener Rauchfang, Esse). Weil man ihn nicht fand, und dort wohl auch nicht suchte, musste die aufgeregte Menge unverrichteter Dinge wieder abziehen.


Quellen:
Adolf Nülle, Revolution im Jahre 1848 in Groß Lafferde; Stadtarchiv Peine/M. Utecht, Die Geschichte der Peiner Burg und des Amtmann- Ziegler-Gartens
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