Onkel Franz, de Pastur un dat Ungezeifer

Franz Burgdorff sen. * 1909 + 1994 Gründer der Heimatgruppe Groß Lafferde (Vorgängerin des Heimat- und Kulturvereins)
 
Weinbergschnecke
(Onkel) Franz Burgdorff sen., geb. 1909 in Groß Lafferde, gestorben 1994, gehörte zu den "reichen" Burgdorff`s, denn er schrieb sich mit zwei ff. Er war ein Lafferder Urgestein und in seiner Scholle fest verwurzelt. Er besuchte die Michelsen-Schule in Hildesheim, was unter den damaligen Bauern etwas Besonderes war. Dennoch war er für mich der typische Niedersächsische Bauer des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts (obwohl er erst später lebte): fleißig, nach Vermehrung des Grundbesitzes strebend, Familienmensch, gesellig, auch mal mürrisch, voller Ideen, spontan, hartnäckig und manchmal auch nervend. Sein Festhalten an bäuerlicher Tradition vermischte sich mit fortschrittlichem Handeln.

Ihm, dem Begründer der Heimatgruppe Groß Lafferde, fiel immer wieder etwas Neues ein. Hatte er eine Idee oder irgendein Anliegen, so musste dies sofort in die Tat umgesetzt werden. Er kreuzte dann mit seinem undefinierbar rosaähnlich gefärbten alten R4 oder seinem alten Damenfahrrad bei mir auf und klingelte in unverkennbarer Weise an der Haustür. Jeder Hausbewohner wusste sofort Bescheid: Das ist Onkel Franz. Oft geschah das zu meinem Leidwesen sonntags morgens um 7.00 Uhr. Da nahm er keine Rücksicht: „Junge, dü most mick hille mal wat schreim“.

So war das auch mit der Geschichte vom Pastor und dem Ungeziefer.
Die Geschichte ist ursprünglich in Platt geschrieben. Ich erzähle sie hier überwiegend in Hochdeutsch nach:

Der alte Pastor war plötzlich verstorben. Er war ein guter Seelsorger, verstand was von Landwirtschaft und Heilkunde. So einer sollte wieder her.
Krischan Unverzagt hatte einen weitläufigen Verwandten, der war Jungpastor in Barbecke. Die beiden verabredeten ein Vorstellungsgespräch. Krischan Unverzagt holte den Kandidaten zu Fuß in Barbecke ab. Der Weg führte über den Woltwiescher Fuhsesteg in die Reiheniederung. Plötzlich sagte Pastor Rosendorf: „Da sind ja Weinbergschnecken“.
„Dat is doch Ungezeifer“, sagte Krischan Unverzagt, „da kann man doch nix midde upstellen“.
„Aber Herr Unverzagt“, sagte der Pastor „Das ist eine Delikatesse. Meine Frau bereitet daraus ein herrliches Essen“.
Unverzagt schüttelte den Kopf. Schweigend gingen sie weiter.
Das Vorstellungsgespräch fand statt, der Pastor hielt seine Antrittspredigt. Alles klappte hervorragend. Er wurde angestellt und freute sich riesig. Es war schon beachtlich, als junger Pastor in einer in so großen Gemeinde mit attraktiv dotierter Pfarrstelle tätig sein zu dürfen. Das sagte er auch zu Heinrich Schierding und meinte, sein großes Glück hinge mit der gegenseitigen Sympathie und dem sofortigen engen Kontakt zur Gemeinde zusammen. „Nee“, sagte Heinrich Schierding, „das haben Sie einzig und allein Krischan Unverzagt zu verdanken, denn der hat in der entscheidenden Sitzung gesagt: Dissene mött wie niehmen, dai fritt üsch dat ganze Ungezeifer wech!“


Einen Pastor Daniel Michael Ezechiel Rosendorf hat es von 1871 bis 1886 in Groß Lafferde tatsächlich gegeben und seine Frau war für ihre Kochkünste bekannt. Ob es sich in der Geschichte um diesen Pastor handelt und inwieweit die beiden Protagonisten Krischan Unverzagt und Heinrich Schierding tatsächlich existierten, ist nicht überliefert.

(Siehe dazu auch myheimat: Pastor Rosendorf und die kochkünste seiner Frau Luise.)
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Basti S. aus Aystetten | 27.02.2015 | 19:02  
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