Fliegeralarm in Groß Lafferde

Ehemalige Konservenfabrik Groß Lafferde

Gott sei Dank! Die Anglo-Amerikanischen Bomberverbände sind während des 2. Weltkrieges nur über Groß Lafferde hinweggeflogen. Ihre verderbenbringende Last haben sie woanders abgeladen.
Dennoch heulten auch hier die Sirenen, wenn feindliche Bomber im Anflug waren.

In der hiesigen Konservenfabrik war Karl Lüddeke Werkluftschutzleiter. Wenn Fliegeralarm war, hat er Beginn, Ende und Dauer des Alarms in ein Notizbuch eingetragen. Außerdem hat er den Arbeits- und Verdienstausfall jedes Mitarbeiters ermittelt.

Ein Notizbuch mit der Bezeichnung „Lohnausfall bei Flieger-Alarm II.“ ist erhalten geblieben. Es muss also mindestens noch ein weiteres gegeben haben.
Das vorhandene Notizbuch beinhaltet die Zeit vom 08.10.1943 bis 29.03.1944, also rund ein halbes Jahr. Schade, dass die vorhergehenden und nachfolgenden Kriegszeiten nicht belegt werden können.

Ob es in der Konservenfabrik Luftschutzräume gab, ist mir nicht bekannt.

Als beschäftigte der Konservenfabrik sind Männer, Frauen, Kriegsgefangene, Kriegseinsatz und ein Aufseher verzeichnet.
Der Aufseher verdiente in der Stunde 0,77 RM (Reichsmark), ein Mann 0,77, 0,75, 0,65, 0,59 0,45 oder 0,37 RM, eine Frau 0,55, 0,37, 0,34 oder 0,30 RM, ein Kriegseinsatz (Mann?, Frau?) 0,37 oder 0,34 RM, ein Kriegsgefangener anfangs 0,35, später 0,44 RM. Die Entlohnung der Kriegsgefangenen war zwar nicht üppig, man kann aber auch nicht von Ausbeutung sprechen, vorausgesetzt, dass sie den Lohn tatsächlich bekommen haben.
In den ersten 3 Monaten des Jahres 1944 gab es bei Alarm (hier am 23.03.1944) Arbeitsausfall für 112 Personen (16 Männer, 79 Frauen, 5 Kriegseinsatz, 12 Kriegsgefangene).

Es hat an 27 Arbeitstagen Alarm gegeben, an 3 Tagen sogar zweimal. Die Alarme dauerten eine ¾ Stunde bis 3 ½ Stunden. Die tatsächliche Zahl der Alarme dürfte wesentlich höher gelegen haben, denn hier wurden ja nur Alarme mit Arbeitsausfall aufgeführt.
Es fällt auf, dass bis Ende des Jahres 1943 tagsüber keine Alarme stattfanden. Sie begannen erst nach 19 Uhr. Mit Beginn des Jahres 1944 muss der Feind seine Bombardierungstaktik geändert haben. Jetzt begannen die Alarme folgendermaßen: 3 nach 10 Uhr, 6 nach 11 Uhr, 4 nach 12 Uhr und 3 nach 13 Uhr. Es wäre interessant, zu erfahren, welchen Städten diese Bomberflüge Verderben brachten.

In der Zeit vom 08.10.1943 bis 29.03.1944 ist ein Lohnausfall von 1.130,47 RM entstanden. Davon hat das Arbeitsamt Hildesheim 877,29 RM per Postscheck ersetzt.
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1 Kommentar
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Kurt Battermann aus Burgdorf | 22.02.2014 | 17:33  
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