Die Auswirkungen des 1. Weltkrieges auf die Evangel.-Luther. Kirchengemeinde Groß Lafferde

Die große Glocke kurz vor dem Abtransport auf der Waage (Gasthaus zur Waage, Bierstraße). Sie wog 2300 kg.
 
Das rechte der beiden Schalllöcher wurde im Juni1917 erweitert
Am 1.August 2014 jährt sich für Deutschland zum 100. Male der Beginn der großen Katastrophe, die im Nachhinein 1. Weltkrieg genannt wurde.
Die europäischen Mächte meinten, die Spannungen, die sich zwischen ihnen aufgebaut hatten, nicht nur auf diplomatischem Wege lösen zu müssen. Überall wurde mit dem Säbel gerasselt. Die Ermordung des österreichischen Thronfolgerpaares am 28. Juni 1914 in Sarajevo war der Funke, durch den das Pulverfass in die Luft flog. Der Krieg begann am 28. Juli 1914 mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien. Aus Nibelungentreue zu Österreich erklärte Deutschland am 1. August 1914 Russland den Krieg. Es folgte am 3. August die Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich und am 4. August die Kriegserklärung Englands an Deutschland. So war aufgrund von Bündnisverpflichtungen innerhalb weniger Tage aus einem Lokalkrieg ein europäischer Krieg geworden, der sich sehr schnell zum Weltkrieg ausweitete.



In Groß Lafferde herrschte Aufregung und Begeisterung.

Überall auf Eisenbahnen und Landstraßen wurden Spione vermutet. Sogar der Lafferder Busch wurde nach ihnen abgesucht.

Kaum 8 Tage nach dem Fortzug der Soldaten kam die erste Gefallenennachricht. Der treffliche Apotheker Everding, der beim Abschied noch mit seiner hellen Tenorstimme Lieder voller Hoffnung sang, war nicht mehr.
66mal *) hat dann der Pastor mit wehem Herzen den schweren Gang tun müssen und den Angehörigen die Todesnachricht überbracht. Außerdem sind noch 11 Krieger vermisst geblieben.

Die Kirche hat für alles verfügbare Geld Kriegsanleihen gezeichnet, ja, sie hat zu diesem Zweck sogar den ganzen Landbesitz verpfändet. Dadurch kamen 128.000,00 Goldmark zusammen (102.000,00 von der Kirche, 18.000,00 von der Opferei und 8.000,00 von der Schule). Das war für damalige Verhältnisse eine sehr große Summe. Zum Vergleich: Der Kirchenneubau im Jahre 1858 hatte einschließlich Orgel rund 63.000,00 Mark (21.000,00 Thaler) gekostet.

Aus dem Verkauf von Pfarrland in den Jahren 1900 bis 1908 stammten rund 20.000,00 Goldmark einschließlich Zinsen. Der Verkauf erfolgte unter der Bedingung, dass dafür anderes Land erworben werden sollte. Trotz Drängens des Pastors Scharfe ist das unterblieben. Die Kirchenvorsteher wollten, dass sich das Geld auf der Sparkasse verzinse und nicht durch den Kauf von Ackerland anderen Kaufinteressenten das Land verteuert würde. Das war eine Fehlkalkulation. Durch die Inflation ging alles verloren.

Darüber hinaus wurden in der Kriegszeit die wertvollen Prospektpfeifen der Orgel, die aus bestem Zinn bestanden, für Kriegszwecke abgeliefert. Dann traf es die durch ihren Klang berühmte große Glocke (Ton h) aus dem Jahre 1822. Man warf sie am 26. Juni 1917 aus dem südlichen Schallloch an der Westseite des Turmes hinunter. Sie wurde gewogen und am 27. Juni um 7.30 Uhr nach Ilsenburg/Harz gefahren. Ihr Metall diente Rüstungszwecken.

Jedermann weiß, dass alle Opfer vergeblich waren.

*) dokumentiert: 59 Gefallene und 12 Vermisste Soldaten
(Quelle: Richard Wolf, Aus der Geschichte der Kirche zu Groß Lafferde, Abschrift von einer Ausarbeitung des Pastors Ludwig Scharfe)
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