Der 9. November in der deutschen Geschichte

Die Janusköpfe des 9. November
 
Robert Blum, Abgeordneter der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche
Der 9. November ist in der deutschen Geschichte ein sehr markanter Tag. Sicherlich gibt es eine ganze Reihe anderer geschichtsträchtiger Tage von nicht minderer Bedeutung (z.B.: Beginn des 2 Weltkrieges am 01.09.1939, das Ende des Krieges für Deutschland am 08.05.1945 - von manchen „Tag der Befreiung genannt“ -, der Verfassungstag am 23.05.1949), aber an keinem dieser Tage sind die Ereignisse so gehäuft, wie am 09. November.
Nach dem Ende der napoleonischen Gewaltherrschaft versuchte man, ganz Europa neu zu ordnen. In Deutschland schlug die Revolution von 1848 große Wellen. Die hoffnungsvollen Ansätze der Nationalversammlung in der Paulskirche zu Frankfurt, die Deutschen Staaten in einem neuen Reich zu vereinigen und zu demokratisieren, schlugen fehl. Nach der Niederschlagung des Wiener Aufstandes wurde der Nationalversammlungsabgeordnete Robert Blum am 09.11.1848 bei Wien standrechtlich erschossen. Seine letzten Worte waren: „Ich sterbe für die Freiheit“. Seitdem galt er als „Märtyrer der Deutschen Revolution“. Robert Blum war einer ihrer bekanntesten Vertreter.
Gegen Ende des Jahres 1918 stand den Deutschen die bittere Niederlage in dem aussichtslos gewordenen großen Kriege, der später der „1. Weltkrieg“ genannt wurde, vor Augen. Wilhelm II dankte am 09.11.1918 in einem Telegramm an Reichskanzler Max von Baden als Deutscher Kaiser ab. Max von Baden übertrug dem SPD-Vorsitzenden Friedrich Ebert die Regierungsgeschäfte. Der SPD-Reichstagsabgeordnete Philipp Scheidemann trat gegen 14.00 Uhr auf einen Westbalkon des Reichstagsgebäudes und rief, ohne sich vorher mit Ebert abgesprochen zu haben, eigenmächtig die „Deutsche Republik“ aus (die später zur „Weimarer Republik“ wurde). Zwei Stunden später verkündete Karl Liebknecht (Marxist, Führer des Spartakusbundes und späterer Kommunist) vom Balkon des Berliner Schlosses die „freie sozialistische Republik“. Beide waren den Kaisertreuen, die eine parlamentarische Monarchie einrichten wollten, zuvorgekommen.
Leider war der Republik kein großes Glück beschieden. Schon am 09.11.1923 versuchte Adolf Hitler zusammen mit General Erich Ludendorff und weiteren Anhängern in München durch den Marsch zur Feldherrnhalle zu putschen und gewaltsam die Macht zu erringen. Der Putsch scheiterte. Hitler wurde zu 5 Jahren Festungshaft verurteilt, kam dann aber 1933 legal an die Regierung. Ursächlich für die Machtergreifung der braunen Rattenfänger waren die Unvernunft der Siegermächte, die Versailler Friedensverträge (Schandverträge, Knebelungsverträge), die französische Besetzung des Ruhrgebietes, Inflation, Weltwirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit und Herrschaftskämpfe politischer Gruppierungen.
Die Nationalsozialisten heizten antisemitische Vorurteile an, die dann am 09.11.1938 in der Reichspogromnacht gipfelten. Im gesamten Reichsgebiet zündeten die braunen Horden der SA Synagogen an, zerstörten und plünderten jüdische Geschäfte und Wohnungen. Vermutlich wegen der vielen in Berlin eingeschlagenen Fensterscheiben entstand im Volksmund der verharmlosende Name „Reichskristallnacht“. So begann die systematische Erniedrigung, Enteignung und Vertreibung der Juden und führte schließlich zur „Endlösung“, der millionenfachen Ermordung von Juden.
Vereinzelte Morde wurden bereits um die Reichspogromnacht begangen. So war z.B. in Peine der 17-jährige Hans Marburger, Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie, am 10.11.1938 in der Synagoge erschossen worden. Er wollte seinen Eltern helfen, deren Räume verbrecherische Zeitgenossen überfallen hatten. Die Synagoge wurde am 11.11.1938 angezündet. Der Leichnam verbrannte weitgehend. Auf dem Platz der verbrannten Synagoge steht heute eine Gedenkstele.
Der 09. November steht aber auch für glückliche Ereignisse. Er markiert einen epochalen Wendepunkt in der deutschen Geschichte. Die Westgrenze der DDR, der sogenannte „Antifaschistische Schutzwall“, war bisher nur unter großer Gefahr für Leib und Leben zu überwinden. In Berlin hinderte seit dem 13.08.1961 die Berliner Mauer an der Republikflucht. Am Abend des 09.11.1989 verkündete das Politbüromitglied Günter Schabowski (mehr oder weniger autorisiert? versehentlich? völlig überfordert?) dass jeder DDR-Bürger ohne besondere Genehmigung ausreisen dürfe. Was keiner so recht glauben mochte, war Wirklichkeit geworden. Noch am selben Abend reisten DDR-Bürger massenhaft zu Stippvisiten nach West-Berlin. Die friedliche Revolution, der Umbruch im kommunistischen Lager, der schmerzliche Grenzrevisionsverzicht, die feste europäische Einbindung Deutschlands, politische Umsicht und viele glückliche Umstände ebneten den Weg, der letztendlich am 03.10.1990 zur Wiedervereinigung in Frieden und Freiheit führte. In der Präambel des Grundgesetzes war das von Anfang an so gewünscht, und so ist es Wirklichkeit geworden.
Der 09. November ist ein Janustag. Seine zwei Gesichter zeigen Hoffnung, Enttäuschung, Trauer, verbrecherische Gewalt, Erfolg und Freude. Er ist der Schicksalstag des Deutschen Volkes.

(Quellen: diverse Veröffentlichungen in Printmedien und Internet)
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