Der 1. Weltkrieg, Gefallene und Vermisste aus Groß Lafferde

Die Reichskriegsflagge im 1. Weltkrieg
 
Abb. 1 Der erste Gefallene aus Groß Lafferde
 
Abb. 2 Der Grabstein des Friedrich Föste mit den Namen seiner 3 gefallenen Brüder
Am 1.August 2014 jährte sich für Deutschland zum 100. Male der Beginn der großen Katastrophe, die im Nachhinein 1. Weltkrieg genannt wurde.
Die europäischen Mächte meinten, die Spannungen, die sich zwischen ihnen aufgebaut hatten, nicht nur auf diplomatischem Wege lösen zu müssen. Überall wurde mit dem Säbel gerasselt. Die Ermordung des österreichischen Thronfolgerpaares am 28. Juni 1914 in Sarajevo war der Funke, durch den das Pulverfass in die Luft flog. Der Krieg begann am 28. Juli 1914 mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien. Aus Nibelungentreue zu Österreich erklärte Deutschland am 1. August 1914 Russland den Krieg. Es folgte am 3. August die Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich und am 4. August die Kriegserklärung Englands an Deutschland. So war aufgrund von Bündnisverpflichtungen innerhalb weniger Tage aus einem lokalen Konflikt ein europäischer Krieg geworden, der sich sehr schnell zum Weltkrieg ausweitete.

Aus dem euphorisch begonnenen Krieg, bei dem man in Deutschland hoffte, spätestens Weihnachten 1914 siegreich wieder zu Hause zu sein, wurde eine Katastrophe. Weltweit sollen 10 Millionen Soldaten gefallen und 20 Millionen Soldaten bleibende Gesundheitsschäden erlitten haben. Hinzu kommen die zivilen Opfer. In Deutschland wurden rund 2 Millionen Gefallene gezählt (Quelle: Wikipedia).

Aus Groß Lafferde kehrten 71 Soldaten vom großen Gemetzel nicht mehr heim: 59 waren gefallen und 12 wurden vermisst.

Bereits am 22.08.1914 war der Apotheker Kurt Everding als erster Kriegstoter aus Groß Lafferde zu betrauern (Abb. 1).

Für das furchtbare Leid, das der Krieg den Menschen zufügte, seien hier zwei Fälle exemplarisch angeführt:
Besonders tragisch war das Schicksal der Familie Föste. Auf dem Grabstein des am 02.11.1920 im jugendlichen Alter von 14 Jahren verstorbenen Friedrich Föste (Abb. 2, 3, 4,5) ist zu lesen, dass die Eltern Föste auch um ihre Söhne Wilhelm, gefallen am 22.7.1915, Heinrich gefallen am 14.7.1916 und Otto, vermisst seit dem 26.6.1916, trauern mussten. (Drei hoffnungsvolle Söhne innerhalb eines Jahres, davon die letzten beiden innerhalb eines knappen Monats!).
Hoffnungsvoll ließ Wilhelm Burgdorff in den Jahren 1914/1915 einen neuen Hof errichten (Abb. 6). Er hat davon nichts gehabt, denn bereits am 28.8.1916 ist er in Russland gefallen (Abb. 7). Seine Frau starb 3 Jahre später (Abb. 8). Die Kinder waren jetzt Vollwaisen.

Nach Kriegsende hat der Kriegerverein Groß Lafferde am 6.2.1920 in einem Nachruf die schrecklichen Verluste namentlich bekanntgegeben (Abb. 9).

Die Gemeinde Groß Lafferde ließ die mit Namen versehenen Bilder der Kriegsteilnehmer und der gefallenen Soldaten in einer Ehrentafel zusammenfassen (Abb. 10), wobei die Gefallenen im Zentrum der Tafel innerhalb eines Eisernen Kreuzes zu sehen sind (Abb. 11).

Nördlich der Kirche wurde ein schönes Kriegerdenkmal errichtet (Abb. 12). Leider ist es nach einem Sturmschaden nicht repariert, sondern aus mangelndem Geschichtsverständnis einfach abgerissen worden. Die Namenstafeln wurden dem Denkmal des 2. Weltkrieges hinzugefügt (Abb. 13-15).

Auf dem Platz vor dem ehemaligen Kriegerdenkmal befinden sich vier Soldatengräber (Abb. 16). Auf den verblichenen Inschriften der Grabsteine ist zu entziffern:

Abb. 17
Hier ruht unser lieber Sohn, Bruder und Schwager, der Offz. Aspr. Wilhelm Ties,
geb. 12.2.1896, verw. 21.3.1918 b. St. Quentin, gest. 29.3.1918

Abb. 18
Leutnant d. Res. u. Komp. Führer Gustav Biermann, geb. 26.11.1891, gef. 19.2.1917 bei Ripont
Pflichtgetreu bis in den Tod.

Abb. 19
Hier ruht unser lieber Sohn, Bruder u. Schwager, der Musketier Albert Breymann,
geb. 14.5.1897, verw. 28.7.1918, gest. 15.12.1918 i. Lazarett Stettin.

Abb. 20
Hier ruht unser lieber Sohn, Bruder u. Schwager, Unteroffz. Otto Kaller,
geb. 13.5.1896, gef. 20.2.1918 bei Salzdorf Elsass.


Da die Namen der gefallenen und vermissten Soldaten in dem Nachruf (Abb. 9) nur schwer lesbar sind, ist er hier im Wortlaut nochmals wiedergegeben:

Groß Lafferde, den 6. Februar 1920
Nachruf
Der Kriegerverein Groß Lafferde erfüllt hiermit die ernste Pflicht, die Namen der aus hiesiger Gemeinde im Kriege gefallenen Helden, sowie die Namen der vermissten nachträglich bekannt zu geben.
Auf dem Felde der Ehre fielen oder waren nachträglich an ihren Verwundungen erlegen:

1. Kurt Everding
2. Hermann Sott
3. Theodor Schaper
4. Wilhelm Meyer
5. Wilhelm Cramm
6. August Veit
7. Willi Pape
8. Karl Steinmann
9. Wilhelm Föste
11. Otto Rösemann
12. Willi Bösenberg
13. August Bartels
14. Wilhelm Unverzagt
15. Willi Hildebrandt
16. Wilhelm Cramm
17. Gustav Baumgarten
18. Willi Geffers
19. Wilhelm Veit
20. Otto Lüddeke
21. Kurt Schmidt
22. Wilhelm Burgdorff, 40
23. Heinrich Stöter
24. v. Swinontek-Brzezinski
25. Otto Cramm
26. Karl Pape
27. Johannes Scharfe
28. Karl Cramm
29. Heinrich Föste
30. Louis Fischer
31. Karl Lüddeke, 238
32. Gustav Biermann
33. August Burgdorff
34. Wilh. Burgdorff, 208
35. Karl Brasche
36. Wilhelm Cramm 67
37. Gustav Friehe
38. Hermann Friehe
39. Otto Reinhardt
40. Heinrich Leiste
41. Adolf Ilse
42. Willi Cornelius
43. Wilhelm Sack
44. Otto Winter
45. Otto Kaller
46. Wilhelm Ties
47. Wilhelm Lampe
48. Otto Friehe
49. Heinrich Lehrke
50. Fritz Prein
51. Karl Ölkers
52. Willi Spannuth
53. Wilhelm Handelmann, 231
54. Karl Lüddeke, 188
55. Willi Blume
56. Albert Breymann
57. Heinrich Pillmann
58. Wilh. Handelmann 133
59. Wilhelm Friehe

Als Vermisste wurden gemeldet:
1. Karl Duckstein
2. Willi Sackmann
3. Theodor Warnecke
4. Hermann Brunke
5. Peter Schneider
6. Christoph Apel
7. Otto Föste
8. Wilhelm Schaper
9. Otto Behrens
10. Ernst Schierding
11. Willi Brandes
12. Richard Gabele

Was die genannten Helden durch treue Dienste Ihrem obersten Kriegsherrn und dem Vaterlande geleistet haben, wird in unserem Vereine unvergessen sein.

Ehre ihrem Andenken, Friede ihrer Asche.
Der Kriegerverein Groß Lafferde.


Nach dem Kriege hofften die Menschen auf dauerhaften Frieden. Leider wurden diese Hoffnungen aus vielerlei Ursachen enttäuscht. Wir alle wissen, dass es noch viel schlimmer kam.

Die aus ihrer Heimat vertriebene Erika Wolf aus Groß Lafferde hat unter den Eindrücken der Katastrophe und Verbrechen 2. Weltkrieges folgendes Gedicht verfasst:

Am Ehrenmal der gefallenen Soldaten.

Eingemeißelt in kalten Stein,
stehn ihre Namen in langen Reih`n.
Warm war ihr Blut, als es färbte den Sand.
Sie opferten ihr Leben fürs Vaterland.
„Auf dem Felde der Ehre im Kampfe gefallen!“ -
Ob Freund oder Feind, der Nachruf gilt allen.
Ihnen zu Ehren sind die Gedenkstätten errichtet.
Das Andenken zu wahren, ist die Nachwelt verpflichtet.
Getreu ihrem Eid erfüllten Sie die Pflicht.
Ihr Fühlen und Denken – es zählte nicht.
Jeder einzelne hatte geliebte Menschen daheim,
doch konnten und durften sie nicht bei ihnen sein.
Der Krieg rief zum Kampf gegen den Feind.
Der Tod hat die Streitenden wieder vereint.
Für Frieden und Freiheit haben sie gestritten.
Völker haben unsagbares Leid gelitten.
In Frieden und Freundschaft mit allen Menschen zu leben,
danach müssen die Völker streben.
In Ehrfurcht verneigen wir uns in stillem Gedenken
und bitten den Herrgott, er möge uns immer Frieden schenken.
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