Von „faulen Grüppeln“ und spätrömischer Dekadenz: So geht man nicht mit Hartz-IV-Empfängern um

Mir reicht’s. Was haben wir nicht schon alles ertragen müssen im Umgang mit Hartz-IV-Empfängern. Immer noch muss ich würgen, wenn ich mich an Ernährungs- oder Kleidungstipps eines Thilo Sarrazin erinnere. Oder an die spätrömische Dekadenz eines Guido Westerwelle. Oder der legendäre Ausspruch von Philipp Mißfelder, immerhin außenpolitischer Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, der die Erhöhung des Regelsatzes einen Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie nannte. Beleidigungen der Ärmsten unserer Gesellschaft sind inzwischen gesellschaftsfähig geworden. Selbst Thomas Gottschalk nennt Fernsehsendungen á la Dschungelcamp ein „Harzer-Programm“. Alle oben Genannten verdienten in der Spitze locker das 30-Fache eines Hartz-IV-Empfängers. Da fällt es leicht, auf dem hohen Ross zu sitzen.
Aktueller Höhepunkt: CSU-Mann Stracke nennt Erwerbslose im Bundestag „faule Grüppel“ – und kommt sogar ohne einen Ordnungsruf davon.
Ich bin froh, dass das Bundesverfassungsgericht vor etwa einem Jahr entschied, dass die Hartz-IV-Sätze angehoben werden müssen. 399 Euro pro Monat von Januar 2015 an sind ein Anfang, aber sie reichen natürlich lange nicht. Auch der SoVD fordert einen Regelsatz von mindestens 450 Euro. Und dennoch: 399 Euro sind ein Schritt in die richtige Richtung. Jeder Cent mehr hilft Menschen, am Monatsende über die Runden zu kommen. Nun kommt tatsächlich ein CDU-Politiker daher, auch noch ein renommierter, und beklagt sich darüber. Es könne doch nicht sein, dass der Satz stärker steige als die Rente. Natürlich brauchen auch Niedrig-Rentner einen Schluck aus der Pulle, aber längst nicht alle Rentner sind von Altersarmut bedroht. Weshalb Michael Fuchs Äpfel mit Birnen vergleicht und allzu deutlich Stammtisch-Gewäsch nachplappert. Schade.
Ach ja, und ein anderer CDU-Politiker, der Bundestagsabgeordnete Michael Paul, hatte im Sommerloch verkündet, er fände es gut, den Flaschenpfand für sozial schwache Bürger zu Erhöhen – STATT Mindestlohn, höherer Mindestrente und der Erhöhung des Hartz-IV-Regelsatzes. Faszinierend: Der stellvertretende Vorsitzende der Seniorenunion, Leonard Kuckart, gab ihm Recht.
Oh, Gott. Harz-IV-Empfänger brauchen keine milden Gaben.

Mehr: www.blog.sovd-nds.de
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22 Kommentare
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Matthias Büschking aus Laatzen | 12.09.2014 | 13:02  
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F Strie aus Sehnde | 12.09.2014 | 13:52  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 12.09.2014 | 15:38  
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Barbara Steffens aus Ebsdorfergrund | 12.09.2014 | 18:25  
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Barbara Steffens aus Ebsdorfergrund | 12.09.2014 | 19:55  
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Helmut Bathen aus Köln | 12.09.2014 | 20:07  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 12.09.2014 | 23:26  
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Helmut Bathen aus Köln | 13.09.2014 | 00:44  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 13.09.2014 | 01:06  
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Hans-Joachim Zeller aus Marburg | 13.09.2014 | 01:18  
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Helmut Bathen aus Köln | 13.09.2014 | 01:24  
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Hans-Joachim Zeller aus Marburg | 13.09.2014 | 14:20  
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Hans-Joachim Zeller aus Marburg | 13.09.2014 | 21:22  
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