Das Ende des Rethener Hallenbades

Unerbittlich zertrümmert der Abrissbagger das Rethener Hallenbad
 
14.06.2011: Beginn der Abrissarbeiten an der Nordwestseite. Der Abrissbagger leistet ganze Arbeit
 
14.06.2011: Beginn der Abrissarbeiten an der Nordwestseite. Alles wird zertrümmert!

Laatzen: Hallenbad Rethen | Die fast 40-jährige Geschichte des Rethener Hallenbades, das noch zu Zeiten der selbständigen Gemeinde Rethen/Leine im Jahre 1972 eröffnet wurde, hat ihr hässliches Ende gefunden: Zwischen dem 14.06.2011 und dem 04.07.2011 wurde das völlig intakte und funktionsfähige Hallenbad durch die Stadt Laatzen abgerissen. Die Abbrucharbeiten wurden von vielen Rethenern mit Kopfschütteln und teilweise mit Tränen in den Augen beobachtet.
Am 16.06.2011 verabredeten sich zahlreiche Rethener vor der Abbruchstelle, um von dort ihr Hallenbad in einem Schweigemarsch symbolisch zur letzten Ruhe in den Rethener Park zu begleiten, wo es an der Seite eines Gedenksteines für die selbständige Gemeinde Rethen/Leine seine letzte Ruhe fand.
Im Hallenbad Rethen haben fast alle Rethener Kinder außerordentlich effektiv schwimmen gelernt, was im besonderen Maße auf die räumliche Nähe zur Grundschule zurückzuführen war. Der nur 5-minütige Anmarschweg ist nun Vergangenheit, denn jetzt sind die Kinder auf Busse angewiesen, um das aquaLaatzium zu erreichen, was ihren gesamten Zeitaufwand fast verdoppelt, ohne dass sich die effektive Schwimmzeit verlängert.
Die Schließung des Rethener Hallenbades trifft die Senioren und die Behinderten besonders hart, weil sie das aquaLaatzium nicht mehr zu Fuß und nur bedingt mit dem Fahrrad erreichen können. Stattdessen sind sie jetzt auf den Pkw oder den öffentlichen Verkehr angewiesen, die beide vergleichsweise teuer sind. Und beim öffentlichen Verkehr kommt hinzu, dass häufig umgestiegen werden muss, um das aquaLaatzium zu erreichen, was gerade Senioren und Behinderte als schwere Belastung empfinden. Diese hohen Fahrtwiderstände führen dazu, dass einige Senioren oder Behinderte mit dem Schwimmen ganz aufhören müssen.
Unabhängig von den Fahrzeit- und Fahrtkostenproblemen werden die Senioren und im besonderen Maße die Behinderten im aquaLaatzium die Ruhe und die Intimität vermissen, die ihnen ihr kleines Rethener Hallenbad geboten hat.
Eine Gruppe aber ist vor allen anderen von der Schließung des Rethener Hallenbades benachteiligt, weil sie dem Schwimmen wohl ganz entsagen muss: Es sind diejenigen, die sich das aquaLaatzium, das bewusst für Besserverdienende ausgelegt wurde, um die gigantischen Defizite abzufedern, finanziell nicht leisten können. Hierzu gehören häufig kinderreiche Familien. Diese Gruppe konnte bisher im Rethener Hallenbad über einen Vereinsbeitrag vergleichsweise sehr günstig schwimmen. Mit der Schließung des Rethener Hallenbades gehört auch dies nun der Vergangenheit an und so bleibt dieser Gruppe, die offenbar bei den Mächtigen der Stadt Laatzen keine Lobby hatte (ganz im Gegensatz zu den Laatzener Wasserballern), nichts als die Erinnerung an die guten alten Zeiten.
Die Vorgänge um die Schließung des Hallenbades Rethen sind ein Musterbeispiel für „Demokratie von oben“. Stuttgart 21 lässt grüßen, obwohl die Größenordnungen nicht vergleichbar sind. Bevor die Laatzener Bürger von der Schließung des Hallenbades Rethen in Kenntnis gesetzt wurden, war bereits im innersten Machtzirkel der Stadt, in dem Legislative und Administration synchronisiert sind, alles entschieden. Am 05.09.2008 durften die Leine Nachrichten im Zusammenhang mit den Kostensteigerungen für den Anbau des aquaLaatziums verkünden: „Um den Haushalt zu entlasten, soll das Hallenbad in Rethen geschlossen werden, sobald der aquaLaatzium-Anbau fertig ist“. Und weiter führten die Leine-Nachrichten im selben Artikel aus: „Die politische Zustimmung gilt als sicher: Die SPD-Mehrheitsfraktion sei für den Anbau, sagte deren Vorsitzender Nebot“. Hier wurde mit nicht zu überbietender Dreistigkeit verkündet, dass bereits alle Entscheidungen gefallen waren, bevor die anderen Parteien und die Bürger informiert wurden. In der dann folgenden kurzen Pseudo-Diskussionsphase wurden die Bürger bewusst desinformiert, ausgetrickst und getäuscht. Anschließend wurde der Antrag der Verwaltung, das aquaLaatzium für 8,4 Millionen € zu erweitern und zur Gegenfinanzierung das Hallenbad Rethen zu schließen, im Hau-Ruck-Verfahren regelrecht durch die politischen Gremien gepeitscht. Und schon am 09.10.2008, also nach etwas mehr als einem Monat, fiel faktisch die Entscheidung im Stadtrat, in dem sich die Mehrheitsfraktion mit ihrer absoluten Mehrheit durchsetzte. Damit war das Schicksal des Hallenbades Rethen besiegelt, obwohl die formal endgültige Entscheidung erst am 05.03.2009 im Rahmen der Abstimmungen des Stadtrates zum Haushalt 2009 fiel.
Im Ortsrat Rethen ging am 22.09.2008 die Abstimmung über die Schließung des Hallenbades denkbar knapp aus: 5 Ortsratsmitglieder votierten für die Schließung, 4 dagegen und zwei enthielten sich der Stimme. Dabei stimmte die Mehrheitsfraktion einschließlich der Ortsbürgermeisterin, jedoch mit Ausnahme eines ihrer Mitglieder, das sich der Stimme enthielt, für die Schließung des eigenen Hallenbades. Dies führte zu starken emotionalen Reaktionen in der Rethener Bevölkerung, die sich fragte, warum Mandatsträger, die bei der letzten Kommunalwahl gewählt wurden, um die Rethener Interessen zu vertreten, für die Schließung ihres eigenen Hallenbades gestimmt haben. Die Erklärungsversuche der Rethener reichten vom „Fraktionszwang“ bis hin zum „Verrat“.

Die unappetitlichen Vorgänge, die zur Schließung des Hallenbades führten, haben sich tief in die Seele der allermeisten Rethener eingebrannt. Insofern ist auch die Geschichte des Rethener Hallenbades mit seinem Abriss noch nicht zu Ende. Die Kommunalwahl am 11. September 2011 könnte zum Ergebnis haben, dass die Schließung des Hallenbades ein schwerwiegender politischer Fehler mit vielleicht weitreichenden Konsequenzen war. In jedem Fall waren aber die Vorgänge um die Schließung des Hallenbades Rethen ein Lehrstück, wie guter demokratischer Bürgerwille ohne Not in Politikverdrossenheit, Frustration oder gar Wut verwandelt werden kann. Diese Erkenntnis wird die Laatzener Macho-Demokraten kaum interessieren, denn die sind außerhalb ihrer Aufsichtsratsposten intensiv damit beschäftigt, die Stadt in absehbarer Zeit mit 100 Millionen Euro und darüber hinaus zu verschulden. Sie werden längst weitergezogen sein, wenn unsere Kinder und Kindeskinder sich noch damit abplagen, diesen unglaublichen Schuldenberg abzutragen. Erinnern Sie sich: Das Hallenbad Rethen mit einem Zuschussbedarf von nur 66.400 € pro Jahr wurde geschlossen, um den Haushalt zu entlasten. Mehr Dreistigkeit und Unverfrorenheit geht nicht! Bürger, wehrt Euch mit dem Stimmzettel gegen den Demokratieschwund in Eurer Stadt!

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10 Kommentare zum Beitrag
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen am 09.07.2011 um 17:05 Uhr  
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Fred Schmidt aus Laatzen am 09.07.2011 um 19:28 Uhr  
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Ingo Oessel aus Laatzen am 09.07.2011 um 21:57 Uhr  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen am 09.07.2011 um 21:57 Uhr  
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Ingo Oessel aus Laatzen am 09.07.2011 um 23:07 Uhr  
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Klaus Hoffmeister aus Laatzen am 10.07.2011 um 11:25 Uhr  
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Klaus Hoffmeister aus Laatzen am 10.07.2011 um 14:05 Uhr  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen am 10.07.2011 um 16:03 Uhr  
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Fred Schmidt aus Laatzen am 10.07.2011 um 17:57 Uhr  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen am 06.05.2012 um 22:11 Uhr  
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