Schreiben gegen das Vergessen ruft auf: Erinnere dich!

 

Erinnere dich!

Der 9. November 1938 – wer mit diesem Tag etwas verbindet, erinnert sich mit Schrecken zurück. Wer sich ernsthaft und absolut erinnert, trifft – jedes Jahr wieder – auf unvorstellbare, unwirkliche, schlicht unglaubliche Ereignisse, die aber trotzdem stattgefunden haben: Die Reichspogromnacht 1938. Schon dieser Begriff ist tragend genug und bedarf keiner weiteren Erläuterung. Aber wer verbindet eigentlich noch etwas mit diesem Tag – wer erinnert sich?

Unser Projekt „Schreiben gegen das Vergessen“ hat sich genau das auf die Fahnen geschrieben: Die Erinnerungen wieder wachzurütteln und zurück ins Bewusstsein zu ziehen. Daher wollen wir, die Projektteilnehmenden, auch etwas beitragen, wenn das Copthorne Hotel dieses Jahr am 9. November im Rahmen des monatlich stattfindenden Erzählcafés zum Erinnern an dieses geschichtliche Ereignis einlädt. Denn nichts anderes wollen wir, wie auch die Reihe 70+, die mit weiteren Veranstaltungen diesen Tag begeht.

Bereits am 19.08. dieses Jahres, als wir unsere erste Lesung sowie die Buchpremiere begangen haben, waren wir zu Gast im Copthorne Hotel. Einen würdigeren und edleren Rahmen hätten wir für diesen Anlass wohl kaum finden können: Ein großes Publikum erwartete uns. Interessierte Menschen, die uns auf dem Weg bis zur Buchpremiere inspiriert, unterstützt und begleitet haben und Menschen, die gespannt waren auf das Resultat unserer Projektarbeit, waren gekommen, um dieses Ereignis mit uns zu feiern, denn natürlich haben wir uns gefreut, unser Buch in den Händen zu halten – wenn auch der Anlass ein trauriger ist und immer bleiben wird. Nichtsdestotrotz war es ein erfahrungsreicher, würdiger, aber auch langer Abend, an den wir uns noch lange erinnern werden.

Im deutlichen Gegensatz zu dieser ersten offiziellen Veranstaltung stand die Nachfolgende: Am 15. September (ein weiteres erinnerungswürdiges Datum, da an diesem Tag im Jahre 1935 die „Nürnberger Gesetze“ verkündet wurden) hielten wir im schönen „Theater in der List“ in kleinerem, übersichtlicheren Rahmen eine gemütliche zweite Lesung ab. Zwar war das Publikum überschaubarer, die Stimmung allerdings auch ruhiger und intensiver.

Ebenso konträr wie diese beiden Ereignisse für uns waren, war auch das Feedback, welches wir auf vielfältige Weise zahlreich erhalten haben. Die Palette reichte von ehrlichem, warmherzigen Lob bis zu bösen Neidreden. Letzteres bestätigte dann doch die Wichtigkeit unseres Bestrebens: Die Erinnerungsarbeit.

„Die Weltgeschichte ist vor allem die Summe dessen, was vermeidbar gewesen wäre“, sagte einmal Konrad Adenauer. Und er hat Recht! Viel besser kann man es nicht auf den Punkt bringen: Vieles hätte vermieden werden können; vieles hätte vermieden werden müssen – nicht nur in Deutschland, überall auf der Welt!

Aber was an diesem Zitat noch viel wichtiger ist, ist die Botschaft zwischen den Zeilen: Wenn die Geschichte nun einmal mit all ihren Fehlern und Erfahrungen hinter und liegt – für uns alle sichtbar –, warum dann nicht erinnern und vor allem aus Fehlern lernen? Genau darin besteht unsere Aufgabe als Schüler des Projektes „Schreiben gegen das Vergessen“, wie ich finde. Wir haben erkannt, dass wir aus der Geschichte lernen müssen, um für uns alle eine bessere Zukunft gestalten zu können. Diese Erkenntnis wollen wir weiter tragen – und genau deswegen ist das Erinnern von zentraler Bedeutung.

Und so freuen wir uns auch jetzt schon auf die für uns dritte und vorläufig letzte Lesung im Rahmen des Erzählcafés am 9. November. Schließlich geht in diesem Rahmen eine intensive Zeit zu Ende, die uns allen konträre Erfahrungen, neue Blickwinkel und auch interessante und wunderschöne Kontakte und Momente brachte. Zweifellos eine Zeit, an die wir uns im Leben immer mal wieder zurückerinnern werden. Also: Warum erinnert ihr euch nicht auch mal zurück?


15:00 Uhr Erzählcafé
Schülerinnen und Schüler aus dem Projekt „Schreiben gegen das Vergessen“ stellen ihre Arbeit bei einer Lesung vor.
Ort: Copthorne Hotel Hannover, Würzburger Str. 21, 30880 Laatzen - Eintritt frei

18:00 Uhr Kranzniederlegung
Im feierlichen Rahmen wird den Opfern der Gewalt gegen Juden bei einer Kranzniederlegung am Gedenkstein in Gleidingen gedacht.
Ort: Thorstraße / Ecke Hildesheimer Str., Gleidingen

19:00 Uhr Vortrag „Das Schicksal einer jüdischen Familie“
Heinz Samuel berichtet über das Schicksal und die Erlebnisse seiner Familie während der Nazi-Zeit.
Ort: Gemeindesaal St. Gertruden, Hildesheimer Str. 560, Gleidingen - Eintritt frei

Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.myheimat-Magazin Laatzen | Erschienen am 06.10.2010
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Natalie Parello aus Sarstedt am 19.10.2011 um 05:58 Uhr  
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